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Zukunft der »Schusterbude« ungewiss

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Die Rekonstruktion der Schuhmacherwerkstatt »Schusterbude« im Obergeschoß der Museums Torfbahnhof kann noch bis November bestehen bleiben. Die weitere Zukunft ist ungewiss. (Foto: T. Eder)

Grassau. Ein Sorgenkind des Museumsvereins Torfbahnhof Rottau ist die im ersten Stock des Museumsgebäudes ausgestellte »Schusterbude« von Grassau. Ob man die Rekonstruktion einer alten Schuhmacherwerkstatt erhalten kann, darüber haben die Mitglieder bei ihrer Hauptversammlung im Gasthof zur Post lange beraten. Aus Sicht der Fachleute passt diese Ausstellung nicht zum Ensemble Torfbahnhof.


Museumsleiter Claus-Dieter Hotz erinnerte, dass die Schusterwerkstatt 1951 entstanden ist. 1995 musste die ehemalige Baracke des Reichsarbeitsdiensts (RAD), in der die »Schusterbude« in Grassau beheimatet war, abgebrochen werden, da das Gebäude auf Pachtgrund stand. Franz Lindlacher, der Eigentümer der kleinen Sportschuhfabrik, schenkte damals dem Verein das Mobiliar und die Maschinen – mit der Bitte, es zu erhalten.

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Ein Teil der Schusterwerkstatt ist seit 2008, nach dem die Exponate einige Jahre im gemeindlichen Bauhof gelagert waren, in dem Ausstellungsraum im Museumsgebäude ausgestellt. Mit viel Gespür hat man dort eine kleine authentische Schusterwerkstatt rekonstruiert. Wie Hotz informierte, habe sich auch der Historiker Dr. Hans Grabmüller mit dem Nachlass der »Schusterbude« beschäftigt. Dieser erklärte, dass Teile der Sammlung aus der Firma Beutin, einer ebenfalls in Grassau ansässigen Schuhmanufaktur, stammen. Die Exponate seien erhaltenswert.

Wie Hotz hinzufügte, wäre Schuhmachermeister Franz Lindlacher im April 100 Jahre alt geworden. Lindlacher produzierte Sportschuhe für den Skisport und rüstete erfolgreiche Sportler der damaligen Zeit mit Skischuhen aus Grassau aus. Mit dem Thema Torf und Moor habe diese »Schusterbude« aber nichts gemein. Und in dem Museumsgebäude fehle der Platz für einen Medienraum.

Bürgermeister Rudi Jantke erklärte, dass er sich 2008, als die »Schusterbude« im Torfbahnhof ein neues Zuhause gefunden hatte, gefreut habe. Dennoch könne er keine große Hoffnung auf eine Ausstellung in Grassau machen. Die Gemeinde sei bereits Träger eines Museums mit erheblichem finanziellen Aufwand. Er sei froh, dass der Marktgemeinderat der finanziellen Unterstützung des Torfbahnhofs mit jährlich 2000 Euro zugestimmt habe. In Jantkes Augen ist aber eine Einlagerung immer noch besser als ein Verkauf der Exponate. Barchewitz schlug vor, die »Schusterbude« in diesem Jahr noch nicht aufzugeben. Die Vorstandschaft solle bis zum 15. November nach einem geeigneten Platz suchen. Sollte es nicht gelingen, so könne man den Bestand einlagern. Dem stimmten die Mitglieder zu.

Ähnlich verhält es sich mit den drei vorgelagerten RAD-Baracken (Werkstattbaracke, Bürobaracke und Verladehalle). Laut Barchewitz seien diese bestimmend für die Atmosphäre auf dem 13 000 Quadratmeter großen Gelände. Allerdings seien die Dächer in einem maroden Zustand. Die große Werkstattbaracke habe sogar in der Mitte ein großes Loch im Dach. Er sei der Ansicht, dass man die Baracken retten könnte. Die Baracken, so Barchewitz, bilden mit dem Torfbahn- und Museumsgebäude ein Ensemble. Wichtig sei eine Kostenermittlung, um geeignete Maßnahmen zum Erhalt treffen zu können. Da kein Denkmalschutz auf den Baracken vorhanden ist, müsse der Verein möglichst mit Sponsoren die Dächer erhalten. Ulrich Langeloth betonte, dass die Verladehalle wichtig sei, um Torfbahnhof-typische Exponate zu lagern, wie den alten großen Traktor. Laut Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika sei es möglich, die Hütten als Teil des Ensembles in die Denkmalsliste nachtragen zu lassen. Mit dem Vorschlag den Erhalt zu versuchen, zeigten sich alle einverstanden.

Der Torfbahnhof sei ein Torso und man arbeite gegen den Zerfall, so Barchewitz. Langfristig gelte es, die Attraktivität des Industriedenkmals zu erhöhen. Als erstes werde man nun das Spendenprojekt »Torfpresse unter Strom« in Angriff nehmen. Die Torfpresse im Hauptgebäude sei die letzte in Europa und etwas ganz Besonderes. Geplant sei nun, die Presse wieder in Gang zu setzen, um die Funktionsweise besser demonstrieren zu können. Spontan meldete sich auf der Versammlung eine Frau, die 1000 Euro für die Instandsetzung der Torfpresse spenden will. tb

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