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»Zukunft der Altenpflege geht uns alle an«

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Das Thema Altenpflege beschäftigt auch die Agentur für Arbeit in Traunstein.

Traunstein – Zu einer Informationsveranstaltung über die Zukunft der Altenpflege hatte die Traunsteiner Agentur für Arbeit eingeladen.


Zu Gast waren ambulante Pflegedienste, Altenheime und Berufsfachschulen für Altenpflege. Ziel der Veranstaltung war es, diese drängende Zukunftsfrage aus Sicht der Agentur für Arbeit und der Pflegeeinrichtungen zu beleuchten.

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Diese Frage sei angesichts der demografischen Entwicklung ein Thema, »das uns alle angeht«, betonte eingangs die Vorsitzende der Geschäftsleitung der Agentur für Arbeit Traunstein, Jutta Müller. Auf der einen Seite steige der Bedarf an Pflegekräften, auf der anderen Seite werde es immer schwieriger, Arbeitskräfte zu gewinnen.

Landkreise werden immer »älter«

Bis 2035 nimmt die Bevölkerung über 65 Jahre in den vier Landkreisen Altötting, Mühldorf, Berchtesgadener Land und Traunstein nennenswert zu, während die Menschen zwischen 18 und 45 Jahren immer weniger werden. »Wie wollen wir dem begegnen«, fragte Müller. Sowohl für die Pflegeeinrichtungen als auch für die Agentur für Arbeit werde dies künftig eine der großen Herausforderungen sein. Wie müssten sie sich positionieren, damit es gelinge, das rare Gut »Arbeitnehmer« zu gewinnen.

Um sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren, riet Müller den Pflegeeinrichtungen, eine lebensphasenorientierte Personalpolitik zu betreiben. Dazu gehörten zum Beispiel Befragungsaktionen bei den Mitarbeitern, eine offene Kommunikation mit ihnen und regelmäßige Anpassungen, weil sich deren Bedingungen ändern könnten.

Über das Thema »Digitalisierung ändert nichts – außer alles: Pflege 4.0 in der Welt von Heute und Morgen« sprach Professor Helmut Kreidenweis von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Kreidenweis stellte eine radikale Veränderung, des Kommunikations-, Informations- und Konsumverhaltens fest. Getrieben durch technische Innovationen gebe es eine rasante Technikdurchdringung und Vernetzung von allem mit allem. Die menschlichen Denk- und Kommunikationsleistungen würden durch Computer und Roboter ergänzt oder sogar ersetzt.

Dies greife immer mehr auf die Pflege über. Mitarbeiter, Klienten und Angehörige forderten digitale Kommunikationskanäle und Dienstleistungen. Würden sie von den Pflegeeinrichtungen nicht angeboten, dann würden diese von möglichen Klienten nicht wahrgenommen. Sie wendeten sich dann anderen Akteuren auf dem Sozialmarkt zu.

Internet und künstliche Intelligenz auch hier ein Thema

Kreidenweis warnte bei der Erstellung von Internetplattformen jedoch vor Fachkauderwelsch und alten »Textwüsten«, denn die neuen Nutzer, die aus der digitalen Welt kämen, hätten eine ganz andere Denkweise. Die neuen digitalen Produkte und Dienstleistungen seien »smart« und damit für Menschen mit und ohne Einschränkungen geeignet. Diese Produkte seien konsequent vom Makel der Hilfsbedürftigkeit befreit und auch für den Einsatz in der Altenpflege vielseitig geeignet.

Zudem gebe es immer mehr künstliche Intelligenz und Robotik, wie zum Beispiel Roboterpuppen, die mit Demenzkranken reden könnten. Hier stehe man am Anfang der Entwicklung, etwa bei Servicerobotern für den Hol- und Bringdienst oder Konversationsrobotern. Von einem Pflegeroboter sei man noch ein gutes Stück weit weg. Bjr