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Zugang zu Gleis drei bleibt Hauptproblem

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Der Teisendorfer Bahnhof macht nach Ansicht des Bad Reichenhaller Ingenieurbüros BPR  einen »hilflosen Eindruck«. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Wie können die Haltestellen von Bus und Bahn im Gemeindebereich Teisendorf barrierefrei werden? Mit diesem Thema beschäftigte sich der Wirtschafts- und Entwicklungsausschuss Teisendorf mit der Behindertenbeauftragten des Landkreises Berchtesgadener Land, Hannelore Bohm. Ziel ist es, nach und nach die Haltepunkte des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) zu verbessern. Im Haushaltsjahr 2016 werden 30 000 Euro bereit stehen, um eine erste Doppel-Haltestelle, das heißt beide Fahrtrichtungen, barrierefrei umzugestalten.


Diskussionsgrundlage in der Sitzung war ein Gutachten des Bad Reichenhaller Ingenieurbüros BPR Dr. Bernhard Schäpertöns und Partner, das die Situation im ganzen Kreis Berchtesgadener Land untersucht hat. Alle Ideen von BPR für Teisendorf würden zusammen 326 000 Euro kosten.

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Fahrplan-Aushänge regelmäßig austauschen

Zunächst setzte sich der Ausschuss mit allgemeinen Verbesserungsvorschlägen für die Marktgemeinde auseinander, wie die regelmäßige Kontrolle der Anbringung von Fahrplänen. »Die Pläne sind oft groß, aber die Schrift ist häufig ganz klein«, monierte Bohm. Oft gelange durch den Regen hinten Feuchtigkeit in die Pläne und sie würden unlesbar. Sie nannte es eine »Bringschuld der Busunternehmen und der Bahn«, dass die Pläne wirklich lesbar und in der richtigen Höhe und gut zugänglich angebracht sind.

Mängel hier sind ihrer Ansicht nach auch schuld daran, dass der ÖPNV so wenig genutzt wird. »Es geht oft nur ums Nachdenken«, betonte sie. Sie ermutigte Bürgermeister Thomas Gasser und seine Kollegen, zu fordern, dass die Fahrpläne jedes halbe Jahr ausgetauscht werden. Dies bringe mehr als Appelle der Behindertenbeauftragten allein. Die Kosten dafür seien minimal.

Wie Bohm auf Rückfrage von Gasser bestätigte, haben sich durchsichtige Wartehäuschen mit schmutzresistenten Gitterbänken bewährt. Die Ausleuchtung zu verbessern sei wichtig, um Stürze zu verhindern: Jeder Unfall komme teurer als Investitionen. Bohm brach eine Lanze für mehr Behinderten-WCs und die Verlängerung der Öffnungszeiten bei öffentlichen Toiletten, um die auch Busfahrer froh seien. Letzteres sei in Teisendorf beim WC am Rathaus erfolgt, berichtete Gasser.

Den Vorschlag des Büros, Rentner einzubinden in die Pflege des Umfelds der Haltestellen, fand die Beauftragte gut. Wenn man konkret Leute anspreche, finde sich da »ganz bestimmt jemand«.

Am Bahnhof in Teisendorf ist das Problem, dass nur das Gleis eins barrierefrei erreichbar ist. Ein barrierefreier Zugang zum Gleis drei wurde von der Bahn in absehbarer Zeit nicht in Aussicht gestellt. »Das Bahnhofsgelände macht einen hilflosen Eindruck«, befand das Büro BPR. Ein Wegweiser zum öffentlichen Busnetz fehle.

Als primäre Maßnahmen wurden unter anderem die Anhebung der Bahnsteigkante, Blindenleitsystem und Notrufsäule, eine Verbesserung der Optik, zum Beispiel durch andere Positionierung des Kleidercontainers, und die Anbringung eines Ortsplans angeregt.

Pro Bushaltestelle rund 25 000 Euro

Auf Rückfrage von Andreas Neumeier (CSU) bestätigte Gasser, ein Durchbrechen zur Fußgänger-Unterführung zu den Bahnsteigen von der Nordseite des Bahnhofs her und damit die Schaffung weiterer »Park and Ride«-Parkplätze sei möglich; diese Idee sei an die Bahn weitergegeben worden. »Ernüchternd« nannte es Thomas Egger (CSU), dass der barrierefreie Umbau nur in Rosenheim geplant und in Teisendorf »nicht einmal absehbar« sei. Hier sei »erhöhter Druck« nötig. Es nütze nichts, dass »außen herum alles passt«, wenn das Zentrum des Nahverkehrs nicht funktioniere.

Bei den Bushaltestellen sind im Schnitt 25 000 Euro pro Doppel-Haltestelle nötig, um die Situation zu optimieren – mit Anhebung der Bordsteine auf 18 Zentimeter Höhe, Anbringung von Häuschen mit Sitzbänken und Papierkörben, teilweise Verbesserung der Beleuchtung et cetera. In Teisendorf soll die Haltestelle am »Place de la Petite Creuse« im Rahmen der Überplanung des Platzes im Zuge des städtebaulichen Denkmalschutzes umgebaut werden. Ein Problem ist hier auch das Kopfsteinpflaster im Einstiegsbereich. Eine Verlegung der Haltestelle ist angedacht, ein Wartehäuschen fehlt.

In Mehring würde der Umbau mehr kosten, nämlich etwa 56 800 Euro, da eine Querungshilfe geschaffen werden soll. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, müsste der Landkreis das mitfinanzieren. Wie Gasser berichtete, wird dort sowieso in absehbarer Zeit der Asphaltbelag erneuert. In diesem Zuge könne man gleich die Haltestelle umbauen. vm