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»Zu früh aufgewachte Igel unbedingt füttern«

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Dramatische Folgen haben die wechselhaften Temperaturen für Igel: Weil es zwischendurch relativ warm war, sind etliche Igel zu früh aus dem Winterschlaf erwacht, finden aber noch keine Nahrung. »Igel-Mutter« Monika Lüdtke appelliert an Gartenbesitzer, sie zu füttern. (Foto: vom Dorp)

Übersee – Schlechte Zeiten für die Igel: Der milde Winter und die immer wieder frühlingshaften Temperaturen haben den Winterschlaf der Stacheltiere empfindlich gestört. In der Folge sind viele Tiere zu früh aufgewacht und finden noch keine Nahrung. Um sie zu retten, hat jetzt Monika Lüdtke von der Überseer Igel-Station Alarm geschlagen.


Normalerweise schlafen die Igel von Oktober bis April. In dieser Zeit haben sie ihren Stoffwechsel und ihren Kreislauf so heruntergefahren, dass sie von den zuvor angefutterten Reserven leben können. Dieser natürliche Winterschlaf setzt allerdings eine beständige Temperatur unter fünf Grad voraus.

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»Doch durch unseren milden Winter und die zwischenzeitlichen Temperaturen von bis zu 18 Grad, sind viele Tiere vorzeitig aufgewacht und irritiert. Dieser Zustand bedeutet für sie eine enorme Kraftanstrengung«, sagt die Igel-Pflegerin. Sie kümmert sich im Jahr um mindestens 100 Igel und hat jetzt allein über 50 Igel im Winterquartier im Garten und in der Garage.

Wie soll man sich nun verhalten, wenn man jetzt Igel sieht oder im Garten hat? »Jeder Igel, den man jetzt sieht, braucht Fürsorge. Da die Igel schon sehr lange von ihren Reserven gelebt und viel an Gewicht verloren haben, benötigen sie unbedingt Katzenfutter und Wasser. Denn die noch winterliche Natur hält noch keine Insekten, ihre Hauptnahrung, für sie bereit«, so Lüdtke.

Nach ihren Worten sollte man jedoch differenzieren. Ist ein Igel mindestens so groß wie eine Grapefruit, geht man von einem gesunden Tier aus. Ihn kann man bei regelmäßiger Zufütterung im Freien lassen.

Ist der Igel nur so groß wie eine Birne oder eine Zitrone, gehört er ins Warme. Der Aufenthalt im Haus, etwa im warmen Keller oder in einem Abstellraum, verhindert, dass er wieder einschläft. In seinem geschwächten Zustand würde er dann nicht mehr aufwachen und sterben. Als Igel-Quartier reicht ein mit Zeitungspapier oder Stroh ausgelegter Wäschekorb und darin ein mittelgroßer Schuhkarton als Aufenthaltsort. »Entwickeln die Tiere keinen Heißhunger oder torkeln sie umher, gehören sie unbedingt in eine Igel-Station«, betont Lüdtke. Berührungsängste bräuchte man nicht zu haben, denn »man kann die Igel ruhig beherzt anpacken«.

Die ersten umherirrenden untergewichtigen Jung-Igel wurden bereits abgegeben und werden im Wohnzimmer gehalten. Sie werden entwurmt und per Mini-Spritze mit Medikamenten und besonderem Kraftfutter wieder aufgepäppelt.

Generell macht sich Lüdtke um die zunehmende Reduzierung des Igel-Bestands große Sorgen: »Die vermehrte Verkehrsdichte, die wachsenden schädlichen Umwelteinflüsse und der akute Nahrungsmangel durch zu saubere 'Golfplatz'-Gärten sind sein Untergang«.

Jeder Gartenbesitzer könnte dem mit ein bisschen mehr Fürsorge entgegensteuern. Viel wäre schon getan mit einem kuscheligen, trockenen Plätzchen für den Winterschlaf, einem Komposthaufen, weniger Pestiziden und damit mehr Insektennahrung für den Igel, einer Wasserschale und etwas Igel- oder Katzenfutter. bvd