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Zigarettendiebstahl aus Großmarkt gescheitert

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Traunstein – Der Trick eines 28-jährigen Freilassingers, 31 Stangen Zigaretten in einem falschen Karton aus einem Großmarkt in Traunstein zu schmuggeln, scheiterte. Der Mann wurde ertappt und flüchtete. Die Zigaretten im Verkaufswert von knapp 2000 Euro musste er zurücklassen. Gestern verurteilte das Amtsgericht Traunstein den geständigen Angeklagten mit acht Vorstrafen wegen versuchten gewerbsmäßigen Betrugs zu zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung.


Der Angeklagte war in der Großmarktkette als Kunde mit Gewerbeschein registriert. Er stand nach vorherigen Vorfällen in Traunstein und Ingolstadt, wo große Mengen Zigaretten verschwunden waren, bereits unter Diebstahlsverdacht. Am 1. Dezember 2015 war einer 53 Jahre alten Angestellten aufgefallen, wie ein Mann in der Drogerieecke Papierhandtücher aus einem Karton herausnahm. Sie wies ihn darauf hin, dass die Rollen nicht einzeln verkauft würden. Dann ging sie zur Kasse.

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Als der Angeklagte schließlich dort auftauchte, erkannte ihn die Kassiererin und verständigte den 48-jährigen Marktleiter. Noch ehe die Polizei kam, konnte der Freilassinger durch ein kleines Bürofenster in den nahen Wald flüchten und mit dem Taxi nach Hause fahren. Dort warteten schon die Beamten, die den 28-Jährigen mittels seines vor dem Großmarkt abgestellten Fahrzeugs gefunden hatten. Im Keller stießen sie auf Kartons, die gemäß Aufschrift Papierrollen enthalten sollten. Tatsächlich waren unter Papier einige Stangen Zigaretten verborgen.

Seit gut sechs Monaten nun sitzt der 28-Jährige in Untersuchungshaft. Der Marktleiter erläuterte im Zeugenstand die Details, wie die Firma mit Hilfe der EDV auf die Spur des Angeklagten gekommen war. Die Kassiererin hatte über Auffälligkeiten an dem vom Angeklagten wieder verklebten Karton für Papierhandtücher informiert. Der Karton mit richtigem Inhalt hätte 19,90 Euro gekostet.

Die Anklage habe sich voll bestätigt, hob Staatsanwältin Lisa Oesterle im Plädoyer hervor. Besonders lastete sie dem 28-Jährigen seine vielen Vorstrafen, seine Rückfallgeschwindigkeit, seine kriminelle Energie und sein planvolles Vorgehen an. Er sei wegen versuchten gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung zu verurteilen. Die beantragte Strafe sei »ein neuer Rekord für einen gescheiterten Ladendiebstahl«, entgegnete der Verteidiger, Bernd Gutoswki aus München. Die Tat sei nur ein versuchter Betrug – um sich wieder Drogen zu verschaffen. Sieben Monate Strafe ohne Bewährung seien »wirklich ausreichend«. Der 28-Jährige hatte zu seinem Vorleben angegeben, er sei im Oktober 2015 »leider wieder mit Drogen rückfällig geworden«.

Im Urteil stellte Richter Maximilian Lermer fest, es handle sich nicht um einen einfachen versuchten Diebstahl. Der 28-Jährige habe die Tat gut vorbereitet. Sie sei nur um Haaresbreite gescheitert. Die angeführten Betäubungsmittel hätten keine Rolle gespielt, habe der Mann doch mit der Flucht durch das kleine Fenster eine artistische Leistung vollbracht. Der Angeklagte sei unter vierfach offener Bewährung gestanden – Bewährung, die er teils auf dem Gnadenweg erhalten habe. Schon mehrfach sei er im Gefängnis gesessen. Damit scheide Strafaussetzung zu Bewährung gänzlich aus, schloss der Richter. kd