weather-image

Ziel: Müll jährlich wegräumen

0.0
0.0

Der Müll soll jährlich aus der Hirschauer Bucht geräumt werden, was mit dem Schwemmholz geschehen soll, ist noch offen: Das ist das Ergebnis einer nichtöffentlichen Gesprächsrunde, zu der das Wasserwirtschaftsamt Vertreter von Kommunen, Verbänden, Nutzern, Bürgergruppen, Behörden sowie Politiker eingeladen hatte. Das Ergebnis der Gesprächsrunde gab das Amt in Form einer Pressemitteilung bekannt.


Laut Wasserwirtschaftsamt-Chef Walter Raith sei das Gespräch sehr konstruktiv gewesen. Herausgekommen sei, dass der Müll im Treibholz der Hirschauer Bucht künftig jährlich eingesammelt werden soll. Dem stimme die Höhere Naturschutzbehörde zu. Vorbild sei die Müllsammelaktion vom November. Dabei wurden in sechs Tagen per Hand 2,7 Tonnen Müll und 4,3 Kubikmeter Glas eingesammelt.

Anzeige

Raith: »Zu beachten ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis«

Das Treibholz in der Hirschauer Bucht sei aus wasserwirtschaftlicher und aus natur-schutzfachlicher Sicht nicht störend und trage laut Raith – im Vergleich zur Gesamtsituation – wenig zur Verlandung bei. »Wir können die Sorgen, insbesondere der Fischerei, vor einem weiteren Verlust von Wasserfläche durch Treibholz in der Hirschauer Bucht gut nachvollziehen. Allerdings ist auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu beachten«, so der Amtsleiter. Die Entnahme vom Ufer sei sehr teuer und mit einem sehr großen Eingriff in das Naturschutzgebiet verbunden. Auch vom Wasser aus sei die Entfer-nung des Holzes sehr schwierig und wegen des geringen Wasserstands meistens nicht möglich. Nach Angaben von Raith haben sich aber bei der Veranstaltung »interessante Möglichkeiten aufgetan, wie vielleicht mit wenig Aufwand ein Teil des Holzes vom Wasser aus entnommen werden kann«. Die Deutsche Transalpinen Ölleitung GmbH (TAL) und das Technische Hilfswerk (THW) haben kostenfreie Unterstützung angeboten. In Zusammenarbeit von TAL, THW, Fischerei, Naturschutz und Was-serwirtschaft soll nun geprüft werden, welche Möglichkeiten bestehen.

Hans Semmler vom Wasserwirtschaftsamt erläuterte in der Runde, dass in den vergangenen 200 Jahren im Gebiet der Achenmündung 420 Hektar Chiemseefläche verlandet seien. Dieser Prozess schreite unaufhaltsam voran. Er könne durch menschliche Aktivitäten beschleunigt oder gebremst, aber niemals aufgehalten werden.

Durch die Erosion der Alpen werde die Tiroler Achen mit einer Unmenge an Gesteinsmaterial versorgt. Hinzu komme Holz aus Rutschungen und Böschungsanbrüchen und Zivilisations-Müll. Im Mittel transportiert die Tiroler Achen pro Jahr etwa 300 000 Kubikmeter mineralische Feinteile, 30 000 Kubikmeter Kies, 5000 Kubikmeter Holz und einige Tonnen Müll zum Chiemsee. Von den 30 000 Kubikmetern Kies kommen aber nur 10 000 Kubikmeter im Chiemsee an, da etwa 20 000 Kubikmeter pro Jahr aus der Kiesfalle bei Flusskilometer 2,900 entnommen werden.

Feinteile sind wesentlich für den Verlandungsprozess

Wesentlich für den Verlandungsprozess seien die Feinteile, die sich hauptsächlich vor dem Mündungsdelta aber auch in der Hirschauer Bucht ablagern. Dabei bestimme der Verlauf der Flussarme im Delta das Verlandungsgebiet, da mit dem Wasser auch die Feinteile transportiert werden. Unabhängig davon werden die Schwebstoffe, die sehr lange benötigen um sich abzusetzen, durch die Westdrift auch zur Hirschauer Bucht weitergeleitet.

Der Deltavorschub verringere das Fließgefälle der Tiroler Achen. Deswegen müssen mittelfristig die Achen-Deiche zwischen Autobahn und Mündung angepasst werden. Dies könnte durch eine Deichrückverlegung erfolgen, mit mehrfach positiven Auswirkungen: der Wasserspiegel bei Hochwasser sinke, Ablagerungsfläche für Holz und Feinsand entstehe und die Überflutungsflächen werten das Naturschutzgebiet auf. Durch die Deichrückverlegung nördlich der Autobahn könnte die Verlandung vorübergehend etwas verringert werden. Die Hirschauer Bucht werde aber trotz aller Maßnahmen weiter verlanden. Schon jetzt betrage der Wasserstand bei Niedrigwasser verbreitet nur noch wenige Dezimeter.

Die Berufsfischer sind enttäuscht

Enttäuscht zeigten sich die Berufsfischer nach der Gesprächsrunde. Von den Behörden und Naturschutz sei es gewollt, dass kein Holz aus der Bucht entnommen wird und dies werde von der Politik toleriert. Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl habe erklärt: »Wieso soll das Holz raus, ihr dürft ja sowieso nicht dort fischen?« Dem wurde vom Vorstand der Fischereigenossenschaft Chiemsee, Thomas Lex, heftig widersprochen. Heinz Wallner kritisierte dabei auch »die Interessenlosigkeit und Ideologiebesessenheit der Abgeordneten«. Landrat Hermann Steinmaßl, der sich selbst vor einiger Zeit ein Bild von der Situation in der Hirschauer Bucht gemacht hatte (wir berichteten), forderte auch ein rasches Entrümpeln und steht hinter der Forderung der Fischer, auch das Schwemmholz zu beseitigen. Heinz Wallner, dessen Frau Irmi den Fischereibetrieb »Thomafischer« in Chieming betreibt, meinte, aus heutiger Sicht könne man Kosten und Nutzen nicht darstellen. Wenn die Hirschauer Buch durch die Überlagerung von Treibholz nicht mehr befischt werden könne, habe man keinen Nutzen mehr, aber auch keine Kosten, »die liegen dann beim notwendigen Zukauf von Fischen irgendwo anders in der Welt«. Am Bodensee werde das Treibholz schon seit Jahren entfernt, das koste Geld, aber dort gehe es.