weather-image
20°

Zentrale Aufgabe: Kampf gegen Fluchtursachen

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Hilfe zur Selbsthilfe: Die Unterstützung der Handwerkerschule Leguruki war einer der Schwerpunkte der Arbeit des Aktionskreises Ostafrika.

Traunstein – »Fluchtursachen in Afrika bekämpfen« – unter diesem Leitthema standen die Vorträge, die bei der Jahreshauptversammlung des Aktionskreises Ostafrika (AKO) zu hören waren. Die Referate zeigten auf eindrucksvolle Weise, wie sich der Verein und seine Mitglieder ehrenamtlich engagieren.


Oberbürgermeister Christian Kegel würdigte in seinem Grußwort die jahrelange Arbeit des Traunsteiner Vereins – besonders unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Flüchtlingsbewegung. Vorstand Klaus Böhme griff diese Problematik auf; er vermutet den Beginn einer lang anhaltenden Völkerwanderung nach Europa.

Anzeige

Vor wenigen Jahren noch lebten in Afrika 800 Millionen Menschen, heute seien es bereits 1,2 Milliarden. Die UNO sagt voraus, dass in einigen Jahrzehnten in Afrika über drei Milliarden Menschen leben werden. Der Druck ins reiche Europa könnte darum unglaublich groß werden, so Böhme. Doch die Fluchtursachen ließen sich durchaus in den Herkunftsländern bekämpfen. Denn dies seien nicht nur Verfolgung, Krieg und Repression, sondern auch Armut, Hunger und Dürre.

Hilfe müsse vor allem den Ärmsten zugute kommen; zentrale Aufgaben müssten Maßnahmen zur Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit und der Wasser- und Nahrungsmittelknappheit sein. Wenn es gelinge, in Afrika die Landflucht in die großen Städte zu mindern, lasse sich in den Städten auch dem Druck zur Flucht ins reiche Europa entgegenwirken.

Vorstand Hans Siemer berichtete über Projekte, mit denen der Aktionskreis Ostafrika gegen die Fluchtursachen antritt. Ziel sei es, die Lebensbedingungen der Menschen im ländlichen Projektgebiet zu verbessern und sie damit in ihrem Lebensraum zu binden. Schwerpunkte waren im vergangenen Jahr wieder das Kibosho-Hospital, das kommunale Wasserversorgungsprojekt Njia Panda, die Handwerkerschule Leguruki sowie die Unterstützung zahlreicher Kindergartenprojekte.

Im Kibosho-Hospital ist der Rohbau der neuen Unfallstation fertig. Im Wasserprojekt Njia Panda sind die Quellfassungen und der große Speichertank gebaut. Die Betreuung der Handwerkerschule Leguruki zeigt Fortschritte; der Schulträger wird nach Bayern reisen, um hier die Chancen der dualen Ausbildung kennenzulernen.

Zur Versorgung von Kranken vermittelt der Aktionskreis Ostafrika Einsätze von Fachärzten. Augenarzt Dr. Achim Miertsch berichtete von Erweiterungen und Schulungen in der Augenstation Kibosho sowie von der Betreuung der Augenstation im entfernten Wasso-Hospital. Dort zeige sich, dass der Aufbau Früchte trägt und zu einer stabilen Basisversorgung führt. Gemeinsam mit dem örtlichen Augenarzt wurden in wenigen Tagen 300 Augenpatienten versorgt. Chirurg Dr. Andreas Schmidt berichtete vom Einsatz seines Interplast-Teams in Kibosho, bei dem in wenigen Tagen 19 – zum Teil schwerste – Operationen durchgeführt wurden. Dem AKO sprach er Lob für die über Jahre geschaffenen, hervorragenden klinischen Arbeitsbedingungen aus.

Vorstand und Schatzmeisterin Ulrike Wehner berichtete über den Jahresabschluss 2015. Für die Projekte wurden in Tansania 500 496 Euro ausgegeben. Dem müsse man einen Wert für ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder mit 48 ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen in Tansania und 750 geleisteten Arbeitstagen hinzurechnen. Die Verwaltungs- und Werbeausgaben betrugen 21 363 Euro; sie sind vollständig durch die Mitgliedsbeiträge gedeckt. Damit käme jeder gespendete Euro vollständig den Projekten zugute. Die Einnahmen betrugen 601 747 Euro, wovon 83 110 Euro eine öffentliche Förderung für das kommunale Wasserprojekt Njia Panda waren.

Augenarzt Dr. Johann Dillinger, der die Augenstation in Kibosho vor 14 Jahren aufgebaut und seither betreut hat, schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus. Der Vorstand und die Teilnehmer dankten Dr. Johann Dillinger mit langanhaltendem Applaus. Für Dr. Dillinger wählten die Mitglieder Ruben Wend in den Vorstand. Abschließend wurde die nächste Vorstandswahl auf das Jahr 2018 verschoben, um mehr Zeit für die Umgestaltung zu haben. fb