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Zeitreise ins Reit im Winkl des 18. Jahrhunderts

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Das Heimatmuseum Reit im Winkl ist über den Sommer jeden Freitag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Zu sehen ist unter anderem eine komplett erhaltene Schusterwerkstatt. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Es ist ein historisches Kleinod, das Heimatmuseum mitten in Reit im Winkl, das seit geraumer Zeit den Sommer über wieder für Gäste geöffnet hat. Allein schon die äußere Gestalt des Häuschens, das im Ort auch als »Haus'nhäusl« bekannt ist, zeigt an, wie die Unterkünfte so mancher Bewohner des Ortes früher ausgesehen haben.


Auch wenn das genaue Datum seiner Erbauung nicht mehr bekannt ist, so gehen gesicherte Spuren bis ins 18. Jahrhundert zurück. Einst als kleines Zuhaus errichtet, erfuhr das »Haus'nhäusl« unterschiedlichste Nutzungen. Bedürftige wohnten früher darin, nach dem Zweiten Weltkrieg war hier eines der ersten Sportgeschäfte des Ortes untergebracht. In dem Häuslein mit markant niedrigen Decken und Türdurchgängen wohnte früher auch der »Haus'nkaspar«, der dem schmucken Gebäude seinen Namen gab.

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Erst 1990 wurde das Wohnhaus, inzwischen längst im Besitz der Gemeinde, nach umfangreicher Renovierung als Heimatmuseum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. »Was hier ausgestellt ist, stammt fast zu hundert Prozent aus Reit im Winkl«, sagt Franz Klauser, der seit 30 Jahren Ortsheimatpfleger ist und den Umbau des Häusls maßgeblich begleitet hat. Sein besonderer Stolz gilt dabei einer vollständig eingerichteten, alten Schusterwerkstatt, »man könnte hier jederzeit wieder die Arbeit aufnehmen«, erklärt Klauser, schließlich seien alle einfachen Maschinen, Werkzeuge und Materialien vorhanden. Örtliche Heimatgeschichte erleben kann man aber auf den zwei Stockwerken auch in der Webstube, im Viehstall oder im liebevoll bepflanzten Bauerngarten. Jeden Freitag von 14 bis 16 Uhr sperrt Franz Klauser die Tür »seines« Heimatmuseums auf und wartet auf Besucher. Lange dauert dies zumeist nicht und schon wird er um Erklärungen gebeten, eine Aufgabe, die er sehr schätzt. Fast zu jedem der Exponate kann er viel über Hintergründe, soziale Zusammenhänge und viele Details früherer Zeiten am Ort berichten. Viel dazu hat er in einem kleinen Führer zusammengeschrieben, »damit man aus dem Leben von damals nicht alles vergisst.« Mitunter erhält er aber auch Anfragen von anderen Heimatmuseen, beispielsweise eben zur Schusterei, weil die kleine Werkstatt in ihrer Komplettheit wirklich »etwas ganz Besonderes« sei.

Ein Besuch im Reit im Winkler Heimatmuseum lohnt sich also gleich doppelt: Wegen der ortsgeschichtlichen Ausstellungsstücke, aber auch wegen der lebendigen Erläuterungen von Ortsheimatpfleger Franz Klauser. ost