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Zecken: Bayernweit bereits 473 Menschen an Borelliose erkrankt

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Zecken sind kleine Blutsauger, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Am häufigsten kommt der Gemeine Holzbock vor. Von der ebenfalls gefährlichen Auwaldzecke (kleines Bild) ist im Landkreis Traunstein kein größeres Aufkommen bekannt.

Das anhaltend schöne Wetter fordert geradezu heraus, seine Freizeit in der freien Natur zu verbringen. Doch Vorsicht: es lauert Gefahr in Form von winzig kleinen Tieren, von Zecken! Die winzigen Blutsauger können nämlich gefährliche Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land gehören zu den 88 (von 96) Landkreisen und kreisfreien Städte, die FSME-Risikogebiete sind. Gegen Borelliose gibt es keinen vorbeugenden Schutz, gegen FSME kann man sich jedoch impfen lassen. Nur: Die Impf-Rate lässt zu wünschen übrig.


Darauf machte jetzt auch Bayerns Gesundheitsministerin in Melanie Huml aufmerksam und betonte, »vor allem wer sich oft in der Natur aufhält – etwa beim Wandern oder auch im eigenen Garten – sollte sich impfen lassen.« Die Ministerin wies auch darauf hin, dass in Bayern nur etwa ein Drittel der Schulanfänger gegen FSME geimpft sei. »Gerade Kinder zwischen fünf und neun Jahren sind aber besonders häufig betroffen. Daher empfehle ich den Eltern, den Impfschutz ihrer Kinder beim Kinderarzt überprüfen zu lassen«, so Huml.

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Im Freistaat Bayern sind heuer bereits zehn Menschen an FSME erkrankt – wurden vier in der Oberpfalz und je einer in den anderen sechs Regierungsbezirken. Der bislang einzige FSME-Erkrankung in Oberbayern wurde aus dem Landkreis Traunstein gemeldet. Deutlich höher ist die Zahl der in diesem Jahr an Borelliose erkrankten Menschen: Bayernweit sind es 473, davon 100 in Oberbayern und elf im Landkreis Traunstein.

Im gesamten Jahr 2017 wurden in Bayern 234 FSME-Erkrankungen nach Zeckenstichen registriert – deutlich mehr als im Jahr 2016 mit 159 Fällen; 2015 waren 128 FSME-Erkrankungen im Freistaat gemeldet worden. Für den Landkreis Traunstein gab das Landratsamt auf Anfrage bekannt, das es im vergangenen Jahr 55 Borreliose- und 13 FSME-Meldungen gegeben hat, im Jahr 2016 waren 44 Borreliose- und neun FSME-Erkrankungen registriert worden.

Gegen Borreliose kann man sich nicht durch Impfung schützen. Die Erkrankung kann aber gut mit Antibiotika therapiert werden. Je früher dies geschieht, desto besser. Borreliose ist an der sogenannten Wanderröte – in der Regel eine ringförmige Rötung um die Zeckenbissstelle – erkennbar. Diese Wanderröte kann auch erst Wochen nach einem Zeckenstich auftreten, sodass der Betroffene sie möglicherweise nicht mehr mit dem Zeckenstich in Verbindung bringt. Wer bei sich eine ringförmige Rötung beobachtet, sich außerdem abgeschlagen fühlt, Fieber und Kopfschmerzen bekommt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Schreitet die Krankheit unerkannt fort, kann es zu starken Schmerzen über Herzprobleme bis hin zu einer Gehirnhautentzündung kommen.

Eine FSME-Infektion äußert sich zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu einer Entzündung der Hirnhaut, des Hirns oder des Rückenmarks führen. Erkrankte sollten Bettruhe einhalten. Schwere Verläufe werden im Krankenhaus behandelt, unter Umständen sogar intensivmedizinisch. Eine spezielle Behandlung gegen die FSME-Erkrankung gibt es jedoch nicht, daher werden ausschließlich die Beschwerden behandelt.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Meldungen, dass sich in Deutschland die Auwaldzecke, die ebenfalls FSME übertragen kann, immer mehr ausbreitet. Diese Zecke kann außerdem die für Hunde gefährliche Babesiose übertragen, auch Hundemalaria gekannt. Wird die Krankheit nicht erkannt und behandelt, führt sie bei Hunden innerhalb weniger Tage zum Tod. Symptome sind Gewichts- und Konditionsverlust. Nach Auskunft des Gesundheitsamtes Traunstein ist jedoch ein gehäuftes Aufkommen dieser Zeckenart im Landkreis nicht bekannt.

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Wichtige Fragen

Welche Zeckenarten gibt es in Deutschland?
Am häufigsten kommt der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) vor. Er kann verschiedene Krankheitserreger übertragen, vor allem Borreliose oder die FSME. Auch in der eingewanderten Auwaldzecke wurde das FSME-Virus gefunden.

Womus man mit Zecken rechnen?
Überall in der Natur – in Wäldern, Wiesen, Parks und Gärten. Zecken können nicht springen und fallen auch nicht von Bäumen herab, sondern klettern auf Grashalme und Gebüsch. Streift man den Winzling im Vorbeigehen, klammert er sich fest.

Sticht die Zecke sofort zu?
Nein. Sie krabbelt zunächst längere Zeit auf dem Körper umher, um eine geeignete Stelle zu finden. Deshalb sollte man gleich nach dem Aufenthalt in einem möglichen Zeckengebiet vor allem Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Armbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich und Kniekehlen absuchen.

Und wenn sich schon eine Zecke festgebissen hat?
Die Zecke sollte möglichst schnell mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange herausgezogen werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Zecken auf keinen Fall mit Klebstoff oder Öl entfernen: Die Zecke erbricht im Todeskampf ihren Darminhalt und damit Krankheitserreger in die Wunde, was zu einer Infektion führen kann.

Wie schnell werden Krankheitserreger übertragen?
Zu einer Borreliose-Infektion kommt es innerhalb der ersten zwölf Stunden nach dem Stich nur selten. Die Borrelien sind im Darm der Zecke, und es dauert eine Weile, bis sie nach draussen gelangen. FSME-Viren werden dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich übertragen.

Kann man sich vorbeugend impfen lassen?
Gegen die -Borreliose gibt es keine Impfung,gegen FSME kann man sich dagegen impfen lassen.

Wie läuft die FSME-Impfung ab?
Die Standardvariante sieht drei Impftermine vor. Zwischen der ersten und zweiten Dosis liegen ein bis drei Monate, zwischen der zweiten und dritten fünf bis zwölf Monate. Dafür hält der Schutz dann mindestens drei Jahre. Zwei Impfdosen schützen bereits zu 98 Prozent, der Schutz hält dann aber nur ein Jahr.

Gibt es Zeckenschutzmittel?
Bestimmte Sprays oder Cremes schützen vor Zecken. Spätestens nach drei Stunden sollte das Mittel allerdings neu aufgetragen werden, denn Zecken sind extrem unempfindlich. Der Schutz wird großzügig auf alle unbedeckten Hautstellen gesprüht oder gecremt.

Einen natürlichen Schutz gegen die Blutsauger bieten lange Hosen und langärmlige Kleidung. Da die Zecke ein langsames Tier ist und oft auf der Suche nach einer gut durchbluteten Stelle über den Körper wandert, kann man Stichen durch regelmäßiges Absuchen des Körpers vorbeugen.

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