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Zauberhafte Geschichten rund ums Christkind

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Diese Truhenkrippe war ein Dachbodenfund der Adelholzener Schwestern. Rosi Bauer fand im Zuge der Restaurierung eine Zeitung aus dem Jahr 1803 darin. Vermutlich war die Krippe im Zuge der Säkularisation vor dem Zugriff staatlicher Stellen bewahrt worden und dann in Vergessenheit geraten. (Fotos: Hohler)

»Mama, warum ist eigentlich das Christkind am Christkindlmarkt ein Mädchen und hat lange blonde Locken, wo doch der Jesus ein Bub war und ein Baby?«


Verblüffend, wie genau Kinder alles rund um den Zauber der Weihnacht beobachten und sich so ihre eigenen Gedanken machen. Antworten auf Fragen wie diese und noch viel, viel mehr gibt es im Siegsdorfer Christkindlmuseum von Rosi Bauer.

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Angefangen hat alles mit ihrer Hochzeit – mit einem Eingrichtl vom Flohmarkt, einem Bilderrahmen mit einem Jesuskind darin, gestaltete Rosi Bauer vor rund 50 Jahren den Herrgottswinkel in ihrem neu gebauten Haus. Nach und nach kaufte und restaurierte sie unzählige Christkindln, Krippen, Votivgaben und Klosterarbeiten.

So brachte sie im Laufe der Jahrzehnte nicht nur eine stattliche Sammlung, sondern auch ein schier unglaubliches Fachwissen zusammen und eignete sich komplizierte kunsthandwerkliche Fertigkeiten an, die sie auch in zahlreichen Kursen weitergab. Letztlich entstand im Lauf der Jahrzehnte eine Sammlung mit Stücken aus vier Jahrhunderten und sechs europäischen Ländern – allein rund 300 Jesuskind-Figuren und schätzungsweise noch einmal so viele Exponate religiöser Volkskunst gehören dazu.

Möglichst originalgetreu restauriert

Bauer befasste sich mit den Stücken, die ihr auf Flohmärkten oder auch aus Klöstern in die Hände fielen, erlernte alte Handwerkstechniken, hortete historische Stoffe, Borten und andere Materialien und richtete Stück für Stück mit viel Liebe zum Detail wieder möglichst originalgetreu her. Bei der einen oder anderen Figur dauerte das auch mehrere Jahre.

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Aufwändigst verziert sind die Jesukindlein und ihre Bettstättchen.

Das Museum ist »eine Dokumentation vergangener und noch bestehender Christkindlwallfahrten aus ganz Europa« schreibt Rosi Bauer am Eingang. »In den Kirchen wurde schon vor hundert Jahren das Jesuskind das ganze Jahr über verehrt. Es diente der Herzensbildung der Kinder«. Kleidung und auch die Darstellung wurde den jeweiligen Kirchenfesten angepasst. Visionen und Legenden umfassten diese Jesuskinder. »Gebetserhörungen waren keine Seltenheit.«

Auch Rosi Bauers Gebete wurden erhört: Als ihre Tochter zehn Jahre alt war und der Verdacht bestand, das Kind könnte Leukämie haben, betete sie um die Gesundheit der Tochter – die Diagnose bestätigte sich glücklicherweise nicht. »Als Mütter ist das beste, das wir für unsere Kinder tun können, sie dem Herrgott anzuvertrauen.«

Jesuskind ist dreimal hilfreich

Rosi Bauer bastelte ein Jesuskind und spendete es dem Klinikum Traunstein für die Kinderstation. Als die Station umgebaut wurde, gab die Klinikleitung das Christkind zurück an Rosi Bauer, die es der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks spendete. Das Paar, das es ersteigerte, »hat Kontakt zu mir aufgenommen und versprochen, dass das Jesulein ins Museum zurückkehrt, wenn die Beiden mal nicht mehr sind. So ist es dreimal hilfreich und wertvoll.«

Vor der Säkularisation im Jahre 1803 (staatliche Einziehung kirchlicher Besitztümer – Land oder Vermögen) gab es allein in Deutschland über hundert Wallfahrten zum »wundertätigen Jesuskind«. Das Museum erinnert an etliche dieser Wallfahrten.

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Zu den kleinsten Krippen, die Rosi Bauer in ihrem Christkindlmuseum ausstellt, gehört diese Krippe in einem Zwerghuhn-Ei. Kleiner ist nur noch das Kripperl in einem Pinienkern.

Aus allen möglichen Materialien gestaltet

Kunstvoll waren die Christkindln in den jeweiligen Wallfahrtsorten gestaltet, aus Wachs gegossen mit alten Formen, aus Holz oder Terracotta, mit Kleidern aus erlesenen Stoffen, mühevoll bestickt und mit aufwändigen Perlenarbeiten gestaltet. Dabei ist die Arbeitszeit zur Herstellung und Restaurierung eines solchen Christkinds oder einer historischen Krippe schier unvorstellbar. »Das sind kunsthistorisch unfassbare Werte, hergestellt einfach zur Ehre Gottes«, sagt Rosi Bauer.

Und so gibt es im Museum Nachbildungen etwa des berühmten Prager Jesuleins oder des Nonntaler Trösterleins aus dem Salzburger Raum, die an die jeweiligen Wallfahrten erinnern. Dazu kommen etliche Krippen in verschiedensten Größen, von der winzigen Krippe in einem Pinienkern über die etwas größere in einem Zwerghuhn-Ei und der Truhenkrippe vom Dachboden der Adelholzener Schwestern bis zu der großen Barockkrippe, der ein halber Raum gewidmet ist. Je nach Fortschreiten der Adventszeit ändert sich auch die Szene in der Krippe – von Mariä Empfängnis über die Verkündigung und die Herbergssuche bis zur Geburt Jesu und der Geschenkübergabe der drei Weisen aus dem Morgenland. Wer also die Zeit bis zum Besuch des Christkinds am morgigen Heiligen Abend stimmungsvoll verbringen will, der findet in dem kleinen, aber feinen Museum unzählige Christkindln in prächtigen Gewändern und Krippen voller Glanz – und wenn er genug Zeit mitbringt, auch jede Menge spannende Geschichten rund ums Christkind und die Wallfahrten zu ihm in vergangenen Jahrhunderten und verschiedenen Ländern. Auch wer vielleicht weniger religiös ist, sich aber für feine alte Handwerkskunst erwärmen kann, kommt hier voll auf seine Kosten.

Museum ist in den Ferien geöffnet

Geöffnet ist das Museum am morgigen Heiligen Abend von 10 bis 14 Uhr, danach bis einschließlich Heilig Drei Könige täglich von 10 bis 17 Uhr (Ausnahme Silvester von 10 bis 14 Uhr), danach bis Ostern Mittwoch und Sonntag von 10 bis 17 Uhr, von Ostern bis Allerheiligen täglich von 10 bis 18 Uhr. Es ist eingerichtet im »alten Feilnhaus« direkt neben dem Siegsdorfer Naturkunde- und Mammutmuseum. Der Eintritt ist frei. coho

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