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Zahlreiche »Römer« gaben Einblick in ihr Leben

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Diverse »Römer« zeigten beim Museumsnachmittag in Seebruck das Leben ihrer Vorfahren im zivilen, handwerklichen, medizinischen und militärischen Bereich. (Foto: Müller)

Seeon-Seebruck. Ein ständiges Kommen und Gehen herrschte beim Museumsnachmittag »Die Römer kommen!« im Römermuseum Bedaium. Die kurzweilige Zeitreise begann im Erdgeschoß mit der Vorführung des römischen Geschütz-Nachbaus vom Typ Orsova durch die Römergruppe »Bedaienses« vom Gymnasium Schloss Ising.


Am Vorabend hatte Geschichtslehrer Marcus Altmann in einem Vortrag die aufwändige Entstehungsgeschichte und die bisherigen »Einsatzorte« des Geschützes erläutert, das im Museum deutlich größer und wuchtiger wirkte. Sein Kollege Kurt von Kiesling erklärte an beiden Tagen die Bau- und Funktionsweise dieser furchteinflößenden, antiken Superwaffe, mit der sogar »zwei hintereinander stehende Germanen durchschlagen werden konnten«.

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Neues Geschütz-Projekt ist angelaufen

Im Rahmen eines P-Seminars (Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung in der Oberstufe des Gymnasiums) hatten die Schüler unter der Leitung von Altmann und Kiesling dieses Meisterstück der experimentellen Archäologie erbaut. Die Belohnung war ein wissenschaftlich begleiteter Geschütztest in einem Waldstück am niedersächsischen Harzhorn, wo sich einst Römer und Germanen bekriegten. Das Medienecho war so groß, dass es die Schüler sogar in die »Washington Post« schafften. Mittlerweile sei bereits ein neues Geschütz-Projekt angelaufen, so Altmann.

Nebenan zeigte der spätantike Bogenbauer Matthias Ziereis, wie seine Vorfahren aus gelagertem Eschen- und Eibenholz Langbögen schnitzten, und stellte diverse Pfeilarten vor. Mit einigen Bögen könne man Weiten von 130 Metern erreichen, also fast halb so weit schießen wie mit dem Orsova-Geschütz, betonte Ziereis. Besonders schwere Verletzungen hätten jene Pfeile mit Widerhaken nach sich gezogen.

Der »allwissende Medicus« der Legio II Italica zeigte im Obergeschoß die ganze Bandbreite seiner medizinischen Ausrüstung und Behandlungsmöglichkeiten. Amputationen seien in der Römerzeit bei Weitem nicht so häufig gewesen wie später in den Napoleonischen Befreiungskriegen oder im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg oder Bürgerkrieg, so »Medicus« Werner Stocker.

Neben einer römischen »Helmchronologie« gab es Marschgepäck und Ausrüstung zum Aus- und Anprobieren. Dazu gesellte sich die Keltenfamilie Ehgartner mit diversen Gebrauchsgegenständen. Großer Andrang herrschte auch in der römischen Schreibstube von Josef und Erika Schwab. Mit Rohr, Griffel und Feder konnten Groß und Klein auf echtem Papyruspapier schreiben. Dabei kam dokumentenechte Tinte zum Einsatz, die die Römer aufwändig aus Galläpfeln, Gummi arabicum, Eisen-II-Sulfat und heißem destilliertem Wasser oder Regenwasser herstellten. Während der sechs- bis achtwöchigen Reifezeit müsse man die Tinte ab und zu umrühren, so der »römische Beamte und alte Lateiner« Schwab.

Museum schließt ab Sonntag für drei Monate

Für die Legio II Italica, deren Darsteller aus den Landkreisen Berchtesgaden, Traunstein und Rosenheim stammen, geht nun ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Bevor man sich aber in die Winterpause verabschiede, gelte es, die Waffen zu reinigen, zu entrosten und einzufetten, so Klaus Horack. Die originalgetreue Kleidung wasche man im »Schonwaschgang«.

Wer ohne finanzielle Verpflichtung und feste Mitgliedschaft mitmachen will, bereits über eine Ausrüstung und authentische Kleidung verfügt oder ein altes Handwerk kann, ist jederzeit willkommen, betonte Horack. Er freute sich über das Interesse einer Geschichtsstudentin, die beim Museumsnachmittag womöglich letztmals in Zivil aufkreuzte. Bis das Museum am Sonntag für drei Monate schließen wird, kann das antike Geschütz dort besichtigt werden. Museumsleiter Alfons Regnauer hofft allerdings, es einst als Dauerleihgabe zu erhalten. mmü

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