weather-image
19°

Zahlreiche Investitionen im Holzknechtmuseum nötig

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Pläne, um die Eingangsbereiche des Holzknechtmuseums zu schützen, wurden den Mitgliedern des Zweckverbands direkt vor Ort erläutert. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Ein Wetterschutz der Eingangsbereiche am Hauptgebäude des Holzknechtmuseums in der Laubau war wichtigster Beratungspunkt bei der öffentlichen Sitzung des Zweckverbands Holzknechtmuseum Ruhpolding. Das 1988 eröffnete Museum wird vom Zweckverband betrieben, dem neben dem Förderverein Holzknechtmuseum, der Bezirk Oberbayern, der Landkreis Traunstein und die Gemeinde Ruhpolding angehören. Zweimal pro Jahr trifft sich der Zweckverband unter Vorsitz des Traunsteiner Landrats, um über die Belange des Museums auf dem etwa 30 000 Quadratmeter großen Freigelände zu beraten.


Vordach über dem kurfürstlichen Wappen

Anzeige

Die beiden Eingangstüren am Hauptgebäude sind witterungsbedingt nach 27 Jahren so beschädigt, dass sie erneuert werden müssen. Sie schließen nur noch schlecht und können nicht mehr nachgearbeitet werden. Um einer erneuten Beschädigung vorzubeugen und weniger Heizkosten zu haben, stellte Architekt Anton Zeller anhand eines Gerüsts die Größe des möglichen Windfangs zum Museumsgelände hin vor. Außerdem ist ein Vordach über der Eingangstür mit dem großen kurfürstlichen Wappen von 1755 als Wetterschutz geplant, um dadurch auch verbesserte Arbeitsbedingungen im Kassenbereich aufgrund von geringerer Zugluft zu erreichen.

In der Diskussion bezeichnete Kreisrat und Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl die Verbauung der Türen wegen der »Schönheit der Fassade« als »städtebauliche Unmöglichkeit«. Wenn das Gebäude auch nicht unter Denkmalschutz stehe, sei ein Vordach und/oder Windfang »nicht typengerecht«. Den Bedenken stimmten zahlreiche Anwesende wie Landrat Siegfried Walch, Martin Haßlberger von der Gemeinde Ruhpolding und Ernst Brinckmann vom Bezirk zu. Sie schlugen vor, lieber über Veränderungen im Innenbereich nachzudenken.

Bezirksrätin Irmgard Hofmann sprach das Problem an, dass es oft sehr eng im Eingangsbereich sei, wenn Busse ankämen. Außerdem kritisierte sie die mangelnde Barrierefreiheit im Museum, sodass ein Aufzug, der zu den Toiletten im Keller und zu den Sonderausstellungen im Dachgeschoß führe, mindestens ebenso wichtig sei wie neue Türen. Architekt Zeller schätzte, dass ein Lift-Einbau zwischen 100 000 und 150 000 Euro kosten würde.

Ergebnis der Diskussion war, dass Anton Zeller und der frühere Kreisbaumeister Bernhard Greimel bis zur nächsten Sitzung eine weitere Planung vorlegen werden, ohne Windfang an der westlichen Tür, aber mit Glasvordach.

26 281 Besucher im Jahr 2014

Einen Rückblick auf das Museumsjahr 2014 und eine Vorschau auf dieses Jahr gab die Leiterin des Museums Monika Kotzi. Die Besucherzahlen waren gegenüber dem Vorjahr fast gleich geblieben, 20 968 Erwachsene und 5313 Kinder. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 26 281 Besucher, gegenüber 26 689 im Jahr 2013.

Bei den Investitionen lag der Schwerpunkt im letzten Jahr auf der Verbesserung des Brandschutzes, wofür 2013 ein Brandschutzgutachten erstellt worden war. Außerdem wurde eine Reihe von kleineren Maßnahmen durchgeführt, wie Einbau von Fluchtfenstern, Nachrüstung von Rauchmeldern und andere Kennzeichnung der Fluchtwege. Der Förderverein des Holzknechtmuseums finanzierte die Verschalung eines offenen Unterstands, damit es besser als Lager und Garage zu verwenden ist, sowie ein Aufhängesystem für Bilder bei Sonderausstellungen. Außerdem wurde ein Bretterboden im Stall der Öfenerstube verlegt und die rückwärtige Außentreppe aus dem Obergeschoß der Sondersbergstube neu gebaut.

Auch die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung fördert das Holzknechtmuseum jährlich mit 16 000 Euro, wofür letztes Jahr unter anderem eine Kräuterstube mit Theke im Wimmer-Zuhaus eingerichtet werden konnte und Schwerlastenregale am Schlittenstadel eingebaut wurden.

Heuer ist neben weiteren Maßnahmen zum Brandschutz, die Sanierung von Fenstern, Fassade, Dachteilen und Kamin am Nebengebäude des Museums geplant sowie die Neueindeckung des Rindenkobels, die Neuverkabelung von Wasserrad und Sägegatter sowie eine neue Heizung in der Hausmeisterwohnung.

»Einfache Hütte« für Holzknechte wird aufgebaut

Der Aufbau der sogenannten »Einfachen Hütte«, einer temporären Hütte, die die Holzknechte bei Bedarf selbst aufbauen konnten, ist bereits seit drei Jahren geplant, heuer soll sie nun endlich umgesetzt werden. Die Kosten von rund 30 000 Euro werden durch die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung finanziert, sodass auf den Zweckverband nur die Arbeitsstunden als Kosten zukommen werden.

Regelmäßig finden neben dem Museumsbetrieb im Holzknechtmuseum auch große Veranstaltungen statt wie der Aktionstag »Warte nicht, bis du Zeit hast« vor drei Wochen (wir berichteten), die alle zwei Jahre stattfindende Almkirta oder heuer am Sonntag, 21. Juni, eine Inklusionsveranstaltung im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage. Heuer findet auch wieder die Ruhpoldinger Waldweihnacht mit fünf Veranstaltungen in der Zeit von 4. bis 19. Dezember auf dem Gelände des Holzknechtmuseums statt.

Veranstaltungen mit Event-Charakter?

Bei einer kurzen Diskussion zu den Veranstaltungen sagte der Ruhpoldinger Gemeinderat Hermann Hipf, er könne sich auch ab und zu Veranstaltungen mit Event-Charakter im Holzknechtmuseum vorstellen, um mehr und andere Besuchergruppen anzuziehen. Monika Kotzi hatte bei der Auswahl der Veranstaltungen vor allem die »Vermittlungsarbeit« des Museums betont, die neben Sammeln, Bewahren und Forschen die vierte wichtige Aufgabe eines Museums sei. Diese vermittelnden Veranstaltungen greifen historische und gesellschaftsbezogene Themen sowie kreativ-künstlerische Impulse auf und stünden damit »im Spannungsverhältnis zur popularisierenden Eventkultur, die an anderen Orten ihre Berechtigung hat«, so Kotzi.

Landrat Walch meinte dazu, es sei entscheidend, mit einer gewissen Sensibilität einen Mittelweg zu finden, um die Finanzierung zu gewährleisten und dennoch die Qualität zu erhalten. gi