weather-image

Zahl der Schuldner im Landkreis steigt

5.0
5.0
Euroscheine
Bildtext einblenden
Mehrere 50-Euro-Geldscheine. Foto: Nicolas Armer/Archiv Foto: dpa

Traunstein – Der Ausschuss für Gesundheits- und Flüchtlingsfragen sowie soziale Angelegenheiten im Kreistag Traunstein tagte im neuen Verwaltungsgebäude der Firma Pohlig in Traunstein. Auf der Tagesordnung standen ein Bericht der Schuldnerberatung, die Sozialraumorientierte Jugendhilfe sowie das Seniorenpolitische Gesamtkonzept im Landkreis.


Robert Münderlein und Dinah Bühler von der Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werks Traunstein gaben einen aktuellen Sachstandsbericht ab. Wie Landrat Siegfried Walch betonte, ist die Schuldnerberatung eine Pflichtaufgabe des Landkreises, die vom Diakonischen Werk ausgeführt wird. Der Landkreis gab 2017 dazu einen Zuschuss in Höhe von 130 000 Euro.

Anzeige

Laut Dinah Bühler steigt die Zahl der Bürger mit Schulden stetig an, in Bayern wurden in diesem Jahr 22 000 neue Überschuldungen gezählt. Eine Überschuldung liegt nach ihren Worten vor, wenn die Ausgaben dauerhaft höher sind als die Einnahmen. Die Diakonie betreute im Jahr 2016 insgesamt 657 Klienten, heuer wurden bereits 50 Insolvenzfälle bearbeitet. »Es ist nach wie vor ein Tabuthema in der Gesellschaft und es besteht eine große Hemmschwelle für die Leute, sich Hilfe zu suchen«, weiß die Diplom-Sozialpädagogin aus Erfahrung.

Vermehrt seien ältere Menschen betroffen und auch ehemals Selbstständige, für die das Geld nicht mehr zum Leben reicht. Auf Rückfrage von Kreisrätin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner sagte Dinah Bühler, dass knapp 17 Prozent der Klienten über 60 Jahre sind. Wahrscheinlich gäbe es gerade hier noch mehr Bedarf, die Menschen trauten sich aber oft nicht, um Hilfe zu bitten.

Auf die zunehmende Gefahr für Jugendliche, durch Lockangebote und ungewollte Verträge in die Schuldenfalle zu tappen, machte Marianne Penn aufmerksam. Für diese Fälle würden Informationsveranstaltungen an Schulen und Berufsbildungszentren durchgeführt, erklärte Dinah Bühler. Für Dr. Lothar Seissiger gilt: »Das Wichtigste ist die Prävention und am besten gegen Verschuldung hilft eine intakte Familie und gute Bildung.«

Sozialraumorientierte Jugendhilfe im Landkreis

Franz Feil, Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie im Landratsamt Traunstein, gab im Ausschuss einen Überblick über den aktuellen Stand der sozialraumorientierten Jugendhilfe. Er erläuterte den Prozess, bei dem in den vergangenen drei Jahren die Jugendhilfe im Landkreis regionalisiert wurde. »Eine der Hauptaufgaben des Jugendamts ist die Hilfe zur Erziehung. Es gibt bei uns ambulante, stationäre und teilstationäre Hilfen«, erläuterte der Leiter des Jugendamts.

Der Landkreis Traunstein sei für die Jugendhilfe in sechs Regionen aufgeteilt worden und in den jeweiligen Gebieten arbeite das Amt mit freien Trägern zusammen. »Die Regionalteams sind näher an den Fällen dran«, nannte Franz Feil einen der Vorteile dieser Regionalisierung. Verstärkt werde in den vergangenen Jahren nicht mehr vorrangig auf die Defizite in den einzelnen Fällen geschaut, sondern Wert auf die vorhandenen Stärken gelegt. Und: »Die Eltern werden nicht aus der Verantwortung genommen, sie müssen sich selber mit einbringen.«

Ein ganz neues Rückführungskonzept wird ab Januar 2018 eingeführt. Dabei bekommen auch Eltern, deren Kinder stationär betreut werden, selber Hilfe, um eine nachhaltige Rückkehr der Kinder in die Familie zu ermöglichen und den Aufenthalt in den Einrichtungen nach Möglichkeit zu verkürzen. Für Landrat Walch ist dies genau der richtige Weg. Die Rückkehr in die Familien sei entscheidend nach dem Prinzip »Hilfe zur Selbsthilfe«.

In der Jugendhilfe sei daraus resultierend zwar mehr Geld für die ambulanten Hilfen nötig. Dafür seien aber die Ausgaben für stationäre Unterbringung zurückgegangen und die sei wesentlich teurer. Bernd Gietl aus Bergen als ehemaliger Lehrer hob hervor, dass die Schule eine Familie niemals ersetzen könne. Hilfreich sei die Mitgliedschaft in einem Verein für Kinder und Jugendliche. Er sagte: »Ich ziehe meinen Hut vor allen, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzen und sie in den Vereinen betreuen.«

Seniorenpolitisches Gesamtkonzept

Hans Zott, der Beauftragte für Senioren und Menschen mit Behinderung, stellte das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Traunstein vor. Er hat sich seit seiner Ernennung Mitte 2015 zunächst ein Bild davon gemacht, was alles im Landkreis schon vorhanden ist, wie die bestehenden Angebote vernetzt werden können und welche Möglichkeiten es noch gibt. Zum seniorenpolitischen Konzept gehören Handlungsfelder wie Wohnen zuhause, gesellschaftliche Teilhabe, bürgerschaftliches Engagement für und von Senioren, Betreuung und Pflege, Unterstützung pflegender Angehöriger, Hospiz- und Palliativversorgung und vieles andere mehr.

Bei regelmäßigen Treffen mit den Seniorenbeauftragten aller Gemeinden, im Austausch mit den Seniorenbeiräten in den drei Städten Traunstein, Traunreut und Trostberg sowie zahlreichen Veranstaltungen mit seniorenrelevanten Themen kämen immer wieder neue Ideen auf und es gebe jede Menge Informationen. Ein besonderes Anliegen ist ihm »vernetzte Seniorenarbeit«, weshalb er die unterschiedlichsten Anbieter mehrmals im Jahr zu Veranstaltungen einlädt.

In der Seniorenkonferenz kommen regelmäßig Referenten zu wichtigen Themen zu Wort wie beispielsweise seniorengerechtes Wohnen, Barrierefreiheit, Demenz, Notfallmappe und mehr. Ein großer Erfolg war laut Hans Zott auch die Seniorenmesse »60 aufwärts« in diesem Sommer. 3500 Besucher, 86 Aussteller und 48 Referenten waren dabei. Aufgrund des großen Erfolges soll so eine Messe nun alle zwei Jahre stattfinden, so Zott. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner gab einen Hinweis auf ein mögliches Thema der nächsten Seniorenkonferenz: Da die Altersarmut immer mehr zunehme, könne man über bestehende Hilfen informieren.

Annemarie Funke, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Kreisvereinigung Traunstein, gab bekannt, dass die Lebenshilfe auch Wohnberatung anbietet, da aufgrund des neuen Bundesteilhabegesetzes ganz neue Wohnformen gefragt sein werden, die nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Senioren interessant sein könnten. mix

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen