weather-image
29°

Zahl der Einsätze der Bergwacht Ruhpolding stieg weiter an

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Bergretter der Ruhpoldinger Bergwacht rücken zwischen Hochfelln, Hörndlwand, Sonntagshorn und Rauschberg hauptsächlich im Sommer aus. (Foto: Marcel Laponder)

Ruhpolding – Mehr große und aufwändige Bergrettungen musste die Bergwacht Ruhpolding im vergangenen Jahr bewältigen. Das berichtete Bereitschaftsleiter Valentin Hechenbichler bei der Jahreshauptversammlung. Gab es im Jahr 2016 noch 47 Einsätze, mussten die Ruhpoldinger Bergretter im vergangenen Jahr rund 25 Prozent häufiger ausrücken, insgesamt 59 Mal.


Die Anzahl erscheint neben größeren Einsatzzahlen anderer Bereitschaften zwar vergleichsweise gering. Doch während nach Angaben des aktuellen Jahresberichts der Bergwacht knapp 60 Prozent aller Notfalleinsätze in Bayerns Bergen auf gesicherten Skipisten stattfanden, gibt es solche Einsätze im Ruhpoldinger Gebiet kaum. Stattdessen rücken die Bergretter zwischen Hochfelln, Hörndlwand, Sonntagshorn und Rauschberg hauptsächlich im Sommer aus. In 2017 bedeutete das oft: Alpines Gelände, kein Hubschrauber, lange Rettungsaktionen, viele Helfer.

Anzeige

So gab es zwei große Sucheinsätze vermisster Personen im Februar und Oktober. Oder die Rettung einer Berggeherin am Plattlingsteig oberhalb des Gasthofs Zwing mit der Bergwacht Inzell. Die Frau war gut 100 Meter abgestürzt und musste aus steilem Waldgelände geborgen werden. Im Mittleren Kraxenbachtal unterhalb des Sonntagshorns hatte sich eine irische Familie verstiegen und musste in einer nächtlichen Rettungsaktion ins Tal gebracht werden.

Auch am Rauschberg gab es einen größeren Nachteinsatz: Eine Rentnerin hatte sich das Bein gebrochen und musste durch felsiges Gelände getragen werden. Eine weitere Beinverletzung gab es bei einem Forstunfall oberhalb von Zwickling: Ein junger Waldarbeiter war mitten in der Baumfällung gelegen und musste über schlammige Rückwege abtransportiert werden. Daneben gab es im vergangenen Jahr einen Einsatzschwerpunkt an der Hörndlwand, wo im Sommer rund ein Dutzend Berggeher sowie zwei tödlich Verunglückte ausgeflogen werden mussten. Weitere Luftrettungseinsätze gab es etwa an der Fischbachschneid oder am Sulzgraben im Brandertal.

Einige Einsätze arbeitete die Bergwacht Ruhpolding gemeinsam mit den Kameraden von der Bergwacht Inzell ab. Hier zeichnet sich ein Trend ab: Falls werktags weniger ehrenamtliche Einsatzkräfte parat stehen, helfen sich die beiden Nachbarbereitschaften gegenseitig aus, um so den Bergrettungsdienst im südlichen Trauntal zu gewährleisten.

Um für diffizile Rettungseinsätze gewappnet zu sein, heißt eines der wichtigsten Elemente in der ehrenamtlichen Bergwacht-Arbeit: Ausbildung. Zu gut zwanzig Übungen zog Ausbildungsleiter David Pichler die Ruhpoldinger Bergretter im vergangenen Jahr heran, im Schnitt nahmen 19 Mitglieder teil. Etwa 1000 Übungsstunden kamen so zusammen.

Anwärter durchlaufen nach ihren Eignungstests eine rund dreijährige Ausbildung in den Bereichen Sommer-, Winter- und Luftrettung, Notfallmedizin und Naturschutz. Nur wer alle Prüfungen besteht, darf anspruchsvolle Rettungseinsätze bestreiten. So wie Korbinian Conway, Tobias Hinterreiter, Matthias Kappeller und Michael Sossau – sie verstärken seit 2017 den Kreis der aktiven Einsatzkräfte. Acht weitere Anwärter befinden sich derzeit in Ausbildung, darunter eine junge Frau. Insgesamt umfasst die Mannschaft der Bergwacht Ruhpolding 63 Leute. Zwei Drittel davon sind aktiv im Bereitschaftsdienst tätig, darunter drei Lawinenhundeführer.

Der Geist so einer Mannschaft lebt vom Austausch zwischen den Generationen. Etwa wenn alte und junge Bergwachtler gemeinsam am Seil hängen. Oder wenn Geschichten von früher kursieren, als es noch keine Hubschrauber gab und Schuhe und Jacken noch mehrere Kilo wogen. Vor so einem Hintergrund erhalten auch die diesjährigen Ehrungen in der Bergwacht Ruhpolding ein adäquates Gewicht: Groß ist nämlich die Hochachtung vor Mitgliedern wie Franz Weichenrieder, der der Bereitschaft seit 50 Jahren angehört. Oder vor Wilfried Englisch und Herbert Kecht, die gar seit sechzig Jahren dabei sind.

Der 84-jährige Kecht, sonst eher stiller Natur, erweckte diesen ganz speziellen Bergwacht-Geist für einen Moment zum Leben, als er in großer Runde sagte: »Es langt nicht, wenn man am Berg helfen will. Man muss es auch können. Und damit man kann, muss man es lernen. Das ist mühsam. Aber die Kameradschaft, die ich in all den Jahrzehnten erleben hab' dürfen, die hat alle Mühen wettgemacht. Und ich wünsch Euch, dass ihr das auch erleben dürft. Gut aufgestellt seid's ja, macht's so weiter.« fb