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Zähne zusammenbeißen und das Eiswasser kann fließen

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Die Wössner Musikkapelle nahm die Herausforderung der »Cold-Water-Challenge« an und spielte ein Konzert im Wössner Bach. (Foto: Flug)
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Augen zu und durch: Auch Landrat Siegfried Walch ließ sich in Anzug und Krawatte einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schütten, wie im Video bei Facebook zu sehen ist. Zusätzlich will er 100 Euro für die Lebenshilfe im Landkreis Traunstein spenden.
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Nicht nur Prominente überschütten
sich derzeit mit kaltem
Wasser und stellen das
Video anschließend ins Internet.
Der Trend der »Ice-Bucket-
Challenge« (deutsch: Eiswasser-
Herausforderung), bei
dem man sich einen Eimer mit
Eiswasser über den Kopf
schüttet, ist inzwischen auch
in unserer Region angekommen.
Neben diesem Wettbewerb
gibt es auch noch eine
weitere Aktion: Die »Cold-
Water-Challenge«, (Kaltwasser-
Herausforderung), wo es
um möglichst kreative Darbietungen
mit kaltem Wasser
geht. Einer der Ersten in der
Region, der bei der
»Ice-Bucket-Challenge« mitmacht
hat, ist Landrat Siegfried
Walch.


Das Prinzip ist ganz einfach: Hoch mit dem Eimer, Zähne zusammenbeißen und runter mit dem Eiswasser! Dann stellt man das Video ins Internet. Vorher nominieren die Teilnehmer drei Kandidaten, ebenfalls mitzumachen oder für den guten Zweck zu spenden. Die Aktion soll auf die seltene Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam machen.

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ALS, auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt, ist tödlich. Ablagerungen schädigen motorische Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark, irgendwann gibt es keine funktionierende Verbindung mehr zwischen Hirn und Muskeln. ALS sei zwar nicht heilbar, aber zu behandeln, wobei sich der Patient darauf einstellen muss, im gelähmten Körper »gefangen« zu sein.

Mediziner finden die Eiswasser-Aktion genial. Mehr als 70 Millionen Dollar seien bisher auf dem Konto der ALS-Stiftung eingegangen. Profitiert hat auch die Berliner Charité. Rund 450 Spenden kann die Ambulanz inzwischen verzeichnen. Die Spenden zwischen 5 und 1500 Euro werden für Medikamentenforschung, aber auch für die Versorgung von ALS-Patienten verwendet.

»Mi hat's a dawischt«, sagte Landrat Siegfried Walch im Video, das auf seiner Facebook-Seite zu sehen ist. Nominiert wurde der Landrat vom Landtagsabgeordneten Martin Huber aus München. Walch betont gleich zu Beginn, dass er an der Aktion teilnehme und trotzdem spenden werde.

Walch spendet für Lebenshilfe im Landkreis

100 Euro möchte er der Lebenshilfe im Landkreis Traunstein zukommen lassen, denn Walch findet, dass diese hervorragende Arbeit leiste und unterstützt werden solle. Bevor er sich der Herausforderung stellte, nominierte er noch drei weitere Kandidaten: Konrad Bauer von der Jungen Union (JU) in Traunstein, den Engelsberger Bürgermeister Martin Lackner und Seppi Mayer, den Ortsvorsitzenden der JU in Chieming.

Dann zog Walch sein Jackett aus und gab das Startzeichen: »Geht scho!« Nur einen Moment später bekam er eine ganze Tonne kaltes Wasser über den Kopf geschüttet, schüttelte sich und zog sein Jackett wieder an.

Auch viele Prominente nehmen an der »Ice-Bucket-Challenge« teil: Tennisprofi Sabine Lisicki ließ sich von zwei Helfern nass machen und kreischte unter dem eisigen Schwall. Vorher nominierte die 24-Jährige mit den Worten »Sorry, Darling« ihren Freund Oliver Pocher. Der brachte die Aktion an einer Tankstelle mit Eiswürfeln aus der Truhe hinter sich.

Große Kreativität bei der »Cold-Water-Challenge«

Handballer Stefan Kretzschmar goss sich selbst einen Kübel Wasser über den tätowierten Körper. Der Sportler wählte Bundeskanzlerin Angela Merkel, doch diese hält sich bei der Spendenaktion lieber bedeckt: »Ich bitte um Verständnis, dass wir grundsätzlich nicht darüber berichten, wem die Bundeskanzlerin persönlich Geld spendet«, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter.

Während es bei dieser Aktion um einen sozialen Zweck geht, steht bei der der etwas abgewandelten Form der »Cold-Water-Challenge« vor allem Spaß und Kreativität im Vordergrund. Möglichst ausgefallen sollen die Teilnehmer ins kalte Wasser springen.

Die Wössner Musikkapelle hat die Herausforderung angenommen. Sie waren zusammen mit den Musikkapellen aus Reit im Winkl und Unken nominiert worden. Gerade die jungen Musikkapellenmitglieder aus Wössen drängten ihre Kollegen, die Herausforderung anzunehmen und damit der Höchststrafe von Brotzeit und Bier bei Nichterledigung zu entgehen.

Kaltwasser gibt es in Unterwössen genug: Die Musikkapelle entschied sich für die lange Kneippstrecke im Wössner Bach. Mit dem Musikinstrument in der Hand zu spielen und das Gleichgewicht in der Strömung zu halten war anspruchsvoll. Im Musikzug marschierten die Musikanten unter der Rathausbrücke hindurch, um anschließend im Bachbett noch die neuen Kandidaten zu benennen.

Die Musikkapelle Reit im Winkl hat sich an einem Wasserfall getroffen: Einige Musikanten saßen auf der Felswand, andere standen im Bachbett oder auf der Brücke und spielten dort. Ähnlich machte es die Trachtenmusikkapelle aus Unken, die an einem Wehr musizierte. Einige Musikanten sprangen erst in das eiskalte Wasser, dann holten sie ihre Instrumente und spielten im Bach, wobei das Wasser manchen bis zur Brust reichte.

Viele verweigern die Aktion oder sind genervt

Nach dem »Bier-Trinkspiel« zu Jahresbeginn, das nach einem ähnlichen Muster ablief und wo ein Bier in einem Zug ausgetrunken werden musste, kommt jetzt das kalte Wasser. Aber nicht jeder ist begeistert von dieser Aktion: Inzwischen gibt es viele Verweigerer, die genervt sind. Sie spenden lieber, anstatt sich kaltes Wasser über den Kopf zu schütten. Andere machen mit Schildern und Fotos darauf aufmerksam, dass es in vielen Gegenden der Welt zu wenig Wasser gibt – während es mit diesen Aktionen sinnlos verschwendet wird. Julia Artes