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Zähes Ringen um die Fußgängersicherheit in Chieming

Chieming. Das Problem ist seit fast 50 Jahren bekannt – die Staatsstraße 2096 teilt Chieming regelrecht in zwei Teile. Immer wieder kommt es daher an der Kreuzung der Theresienstraße mit der Staatsstraße und der Straße Am Winkelzaun zu gefährlichen Situationen, nicht zuletzt, weil auch viele Chieminger Schulkinder hier über die Staatsstraße müssen.

Gefährlich ist der Schulweg für viele Kinder, die täglich von der Theresienstraße aus die Staatsstraße in Chieming überqueren müssen. Während die Bürgerinitiative »Ein-Chieming« eine Drückerampel fordert, favorisiert das Staatliche Bauamt eine Verkehrsinsel. Dazu müsste allerdings eine Kapelle versetzt werden. (Foto: Humm)

Auf der einen Seite liegen die Schule, die Kindergärten, Turnhalle und Sportplatz, Vereinsräume, Musikschule, der Spielplatz und nicht zuletzt der Chiemsee. Auf der anderen Seite wurden in den letzten Jahrzehnten immer neue Wohngebiete gerade für Familien mit Kindern ausgewiesen, erklärt die neue Bürgerinitiative »Ein-Chieming«, die mit Nachdruck dringend eine Ampelanlage fordert. Am Dienstag, 30. April, will die Bürgerinitiative ihr Anliegen im Gemeinderat vorstellen.

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Die Gemeinde bemüht sich ihrerseits schon seit Jahren um eine Lösung. Der Gemeinderat billigte bereits am 24. März 2009 den Planentwurf des Ingenieur-Büros ING Traunreut für eine Verkehrsinsel. Deren Bau scheitert aber am Kauf der Teilflächen für die notwendige Aufweitung der Staatsstraße St 2096. Denn es müsste eine kleine Kapelle versetzt werden. Im September 2010 wurde eine Unterschriftenliste von 153 Bürgern übergeben, die eine Entschärfung der Situation forderten. Eine Ampel oder ein Zebrastreifen mit Verkehrsinsel hat die Gemeinde nach eigenen Angaben wiederholt beim Staatlichen Bauamt Traunstein beantragt. Sie wurde aber stets abgelehnt trotz mehrerer Verkehrsschauen.

Die Bürgerinitiative wirft nun dem Staatlichen Bauamt vor, schlicht zu ignorieren, dass es im ganzen Dorfgebiet keinen sicheren Übergang über die Staatsstraße gebe. Und das bei – nach offiziellen Messungen – durchschnittlich 10 000 Fahrzeugen täglich (darunter etwa 700 Lastwagen). Der Zebrastreifen in der uneinsehbaren Kurve sei lebensgefährlich. Familien mit Kindern, die den dortigen Kindergarten besuchen (bald entsteht hier auch die neue Krippe) berichten immer wieder von Vollbremsungen überraschter Autofahrer im letzten Moment (darunter auch Gefahrguttransporter) oder »Beinahe-Unfällen«, so Ariane Ruess-Maier gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.

Die nun von Teilen des Gemeinderates gewünschte Verkehrsinsel lehnt die BI ab: Zu gefährlich für die Kinder und zu unklar in der zeitlichen Umsetzung. Sie läge unmittelbar am Ortseingang, der von den meisten Fahrzeugen (auch vom Schwerlastverkehr) mit etwa 70 km/h passiert werde. Um Platz für die Verkehrsinsel zu schaffen, sollen eine Kapelle und ein großer Baum weichen – »die einzigen optischen 'Bremser' für den in den Ort rauschenden Verkehr«, kritisiert die BI. Einzig sinnvolle Lösung sei eine sogenannte »Drückerampel«. Dazu wäre eine Straßenverbreiterung nicht nötig.

Die BI fordert daher die Installation einer Drückampel bis zum Beginn des neuen Schuljahres und ergänzend eine Geschwindigkeitsreduzierung beispielsweise mit einem fest installierten Blitzer bis spätestens Mitte 2014, die Erweiterung des Zebrastreifens um Blinkleuchten und Ankündigungsschilder bis spätestens Mitte 2014, optimalerweise in Kombination mit einer Verlegung oder einem weiteren Zebrastreifen auf Höhe des Edeka-Marktes oder Rathauses und die Reduzierung des Schwerlastverkehrs grundsätzlich.

Rechtliche Voraussetzung für eine Ampelanlage ist immer auch ein Querungsschwerpunkt mit einer bestimmten Anzahl von Fahrzeugen und mindestens 50 querenden Fußgängern in der Spitzenstunde, erklärt dazu Peter Maltan vom Staatlichen Bauamt Traunstein. Während man bei 8270 im Jahr 2010 durchschnittlich gezählten Fahrzeugen am Tag die Vorgaben erfülle, reichte die Zahl der Fußgänger nicht für die gesetzlichen Forderungen. Das liege unter anderem daran, dass es in der Ortsdurchfahrt nicht den einen Querungsschwerpunkt gebe, sondern sich der Fußgängerverkehr quasi auf die gesamte Länge verteile.

»Und selbst wenn es ein Querungsschwerpunkt wäre, wäre die Ampel immer die letzte Möglichkeit, die wir bevorzugen würden«, so Maltan. Denn eine Ampel unterbreche immer den gesamten Verkehrsfluss in beide Richtungen. Ein Nebenargument seien die relativ hohen Unterhaltskosten für eine Ampel. Das Staatliche Bauamt favorisiere daher, aber auch aufgrund der bisher positiven Erfahrungen, Verkehrsinseln zum Schutz der Fußgänger. »Ich denke schon, dass hier eine Verkehrsinsel, möglichst gesichert von Schülerlotsen, die richtige Lösung wäre«, so Maltan weiter. Denn bei einer Verkehrsinsel müssten sich die Fußgänger nur auf eine Fahrspur konzentrieren und auch der Verkehrsfluss würde nur auf einer Spur unterbrochen.

Zu den weiteren Forderungen der BI nach Beleuchtung und Warnschildern verweist er auf die Zuständigkeit des Landratsamts. Generell böten aber Zebrastreifen immer nur eine »Scheinsicherheit«, da zwingend eine Kommunikation des Fußgängers mit dem Autofahrer notwendig sei. Und gerade damit seien Kinder oder Senioren manchmal überfordert, während sie sich aber darauf verließen, dass der Autofahrer auch stehen bliebe.

Für den geforderten Blitzer wäre die Polizei zuständig, allerdings gebe es seines Wissens nach in ganz Bayern keine fest installierten Blitzer. Noch vor der Gemeinderatssitzung sei aber eine weitere Verkehrsschau geplant. Die Ortsumfahrung Chieming sei ein eigenes Thema, das gesondert behandelt werde. Derzeit sei der Bau zwischen 2021 und 2025 avisiert, eine frühere Realisierung bedürfe zahlreicher weiterer Verhandlungen. coho