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»Wollen nicht weiter tatenlos zusehen«

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Die Hirschauer Bucht verlandet immer mehr. Wo früher ein schöner Badestrand war, stapelt sich nun das Schwemmholz. (Foto: Müller)

Grabenstätt. »Anstatt die Hirschauer Bucht zu retten, werden die Grabenstätter Bürger ausgesperrt«, resümierten die Vertreter der »Interessengemeinschaft Hirschauer Bucht« bei einem Erfahrungsaustausch mit der »Interessengemeinschaft Schafwaschener Winkel«, die auf der anderen Seite des Chiemsees ebenfalls mit Verlandungsproblemen zu kämpfen hat. Deren Vertreter Johann Nussbaum und Karl Lindner stellten im Gasthof zur Post ihre Tätigkeiten und Ziele vor und machten den Grabenstättern Mut, den eingeschlagenen Weg mit Herzblut und Engagement weiterzugehen.


Nach den Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate, in denen im Wesentlichen nichts passiert sei und das Wasserwirtschaftsamt bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung klargestellt habe, dass die Behörde auch in naher Zukunft nichts unternehmen werde, »haben wir beschlossen, nicht weiter tatenlos zuzusehen«, betonten die Sprecher der IG Hirschauer Bucht, Rosa-Maria Multerer und Norbert Lohwieser. Dieser erinnerte daran, dass die Hirschauer Bucht bis vor etwa 40 Jahren »der wohl schönste Familienbadestrand am Chiemsee« war. Nunmehr sei sie für den Grabenstätter nicht mehr zugänglich und in der Bucht lägen Schlamm, Holz und Müll. Die Verlandung erfolge mittlerweile erschreckend schnell, so Lohwieser weiter.

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Die Begründung des Wasserwirtschaftsamts, dass wegen dringlicherer Aufgaben im Hochwasserschutz derzeit keine Möglichkeit für das Projekt Deichrückverletzung bestehe, könnten die vom Hochwasser ebenfalls geschädigten Grabenstätter Bürger nicht nachvollziehen, meinte Peter Wöhrl. Gerade der Dammrückbau würde nämlich eine Hochwasserschutzmaßnahme darstellen.

Albert Multerer, der seit Jahrzehnten die Wiedereröffnung des Achenarms fordert, zeigte auf, dass durch dessen Schließung der einst für die Bucht charakteristische feine weiße Sand und die Frischwasserzufuhr samt Spülwirkung über die Tiroler Ache ausfalle. Zudem seien auch keinerlei Maßnahmen ergriffen worden, um die Verlandung der Bucht wenigstens zu verlangsamen, obwohl seit den 50er Jahren von wissenschaftlicher Seite immer wieder eine Aufweitung und Renaturierung des Achendeltas durch den Rückbau der Dämme gefordert worden sei, erinnerte Multerer.

Es sei ein Unding, dass Grabenstätt als einzige Chiemseegemeinde – bis auf wenige Meter an der Grenze zur Nachbargemeinde Chieming – keinerlei Zugang mehr auf dem eigenen Gemeindegebiet zum Chiemsee und zu den Schönheiten der Natur im Achendelta habe und diese auch touristisch nicht mehr nutzen könne, waren sich die IG-Vertreter einig. Hierzu verwies Gemeinderat Alois Binder auf Beispiele aus anderen Naturschutzgebieten, in denen den Menschen auch in Kernzonen in kontrollierter Form die Schönheiten der Natur erlebbar gemacht würden. »Der Ausschluss von uns Grabenstättern geht mittlerweile so weit, dass wir den Chiemsee nicht einmal mehr sehen dürfen«, ärgerte sich Binder. So sei im Bereich des früheren Naturbadestrands vor der Gaststätte zur Hirschauer Bucht ein blickdichter Gestrüppstreifen und davor ein Schild »Betreten verboten«.

Auch für die Interessengemeinschaft stehe außer Frage, dass das westlich an die Hirschauer Bucht angrenzende Achendelta als einzigartiges Naturschutzgebiet von europäischem Rang eines angemessenen Schutzes bedürfe, so Rosa-Maria Multerer. Dies dürfe aber nicht heißen, dass die Bürger völlig ausgeschlossen werden, fügte Gemeinderat Andreas Lukas an. Die zu ergreifenden Maßnahmen zur Rettung der Hirschauer Bucht müssten im Einklang mit Natur, Hochwasserschutz und Tourismus erfolgen.

Es sei auch nicht nachzuvollziehen, so der ehemalige Hauptschullehrer Ulrich Wertenson aus Chieming, dass zehntausende Kubikmeter Treibholz, die beim Juni-Hochwasser 2013 in die Hirschauer Bucht geschwemmt wurden und zur weiteren Verlandung beigetragen haben, vom Wasserwirtschaftsamt nicht, wie sonst überall am Chiemsee auch, entfernt wurden. Das Schwemmholz gehöre schonend abtransportiert und einer wirtschaftlichen Nutzverwendung zugeführt, forderte Wertenson. Bezeichnenderweise sei vonseiten der Behörden der Beschluss gefasst worden, im Herbst Treibholz aus der Bucht holen zu lassen, aber nur an jenen Stellen, die für die Deutsche Transalpine Ölleitung GmbH (T.A.L.) als Verankerungspunkte für etwaige Notfallmaßnahmen an der dort verlaufenden Ölpipeline notwendig seien.

Den »Kampf zur Rettung der Hirschauer Bucht« soll mit konkreten Maßnahmen wie Rückbau des Achendamms nördlich der Autobahn, Wiederöffnung des Achen-Seitenarms Richtung Hirschauer Bucht, Schaffung von Überschwemmungsflächen und Entfernung des Treibholzes fortgesetzt werden. mmü

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