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Wolfgang Giese neuer oberster Strafverfolger

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Wechsel bei der Staatsanwaltschaft Traunstein: Nach zehn Jahren übergab Helmut Vordermayer (links, mit Ehefrau Maria Vordermayer) die Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein mit Zweigstelle an Wolfgang Giese (rechts, mit Ehefrau Uta Grothaus-Giese).

Auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Vordermayer die Leitung der Traunsteiner Staatsanwaltschaft übernommen, erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Sing in seinen einleitenden Worten zu der Feierstunde. Sing würdigte Vordermayer als hervorragenden Chef. Er sei als Vorgesetzter ein »fachliches Leitbild und persönliches Vorbild« gewesen. Zu Vordermayers Nachfolger Giese, der schon einige Jahre bei der Staatsanwaltschaft Traunstein zum Teil in verantwortlicher Position tätig war, sagte Sing: »Willkommen daheim, willkommen zurück.«


Ministerialdirektor Walter Schön vom Bayerischen Justizministerium nahm die Verabschiedung Vordermayers und die Amtseinführung Gieses vor. In seiner Laudatio auf Vordermayer erinnerte er daran, dass die Schauplätze seiner Erfolgsgeschichte regional etwas begrenzt waren: Landgericht Traunstein, Amtsgericht Traunstein, Staatsanwaltschaft Traunstein. Hier habe er sich als ein »fachlich wie menschlich herausragender Jurist erwiesen«. Den größten Teil seiner Karriere stand er in Diensten der Staatsanwaltschaft, die letzten zehn Jahre war er deren Chef – ein Amt, »das Ihnen wie auf den Leib geschneidert war«. Schön würdigte Vordermayers fundiertes Fachwissen, seine äußerst sorgfältige Arbeitsweise und sein ausgeprägtes Bewusstsein für die verantwortungsvolle Aufgabe des Staatsanwalts. Auch hob er besonders Vordermayers Fähigkeit hervor, Mitarbeiter zu motivieren und ihnen Freude am Beruf zu vermitteln.

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In seiner über 35-jährigen Tätigkeit bei der bayerischen Justiz habe Vordermayer Hervorragendes geleistet, so Schön. Er habe sich allerhöchste Achtung und Wertschätzung bei den Kollegen und Mitarbeitern erworben. »Und bei der Bevölkerung haben Sie das Ansehen der Justiz gemehrt und das Vertrauen zu ihr gestärkt.« Schön betonte, mit Vordermayer verabschiede man »eine prägende Persönlichkeit«.

»Urgestein der Traunsteiner Justiz«

Ebenso wie Vordermayer sei auch Wolfgang Giese ein »Urgestein der Traunsteiner Justiz«, »Staatsanwalt aus Überzeugung«, betonte Schön. Vor gut 30 Jahren trat er seinen Dienst beim Landgericht Traunstein an, danach folgten Stationen beim Amtsgericht Traunstein und bei der Traunsteiner Staatsanwaltschaft, bei der er 1992 erstmals Führungsverantwortung als Gruppenleiter übernahm. 2002 wurde er zum Direktor des Amtsgerichts Traunstein ernannt, 2005 zum Vizepräsidenten des Landgerichts. Schön würdigte Gieses Gabe, mit Menschen umzugehen, sie zu führen und zu motivieren. Besonders imponiere ihm außerdem, so Schön, dass Giese nicht nur für die Gesetze lebt, sondern sich auch ehrenamtlich engagiert. Er sei ein Mann, der mitten im Leben steht, offen ist für die Menschen und Verantwortung für das Gemeinwesen übernehme.

In seiner Dankesrede erinnerte Vordermayer an seinen ersten Tag bei der Justiz: An jenem 1. Juli 1977 sollte für ihn ein lang ersehnter Berufswunsch in Erfüllung gehen. Er hatte erwartet, dass er Proberichter am Landgericht Traunstein werde, doch bei seiner Vorstellung beim Landgerichtspräsidenten erfuhr er, dass er für drei Monate zum Amtsgericht Laufen abgeordnet sei, um dort Zivil- und Strafsachen zu bearbeiten. Freiwillig verlängerte er mehrmals und blieb letztlich über ein Jahr. Es sei eine »sehr schöne Zeit gewesen«, für die er dem inzwischen verstorbenen, damaligen Landgerichtspräsidenten noch heute dankbar sei, so Vordermayer. Nach 36 Jahren spannender und erfüllter Zeit als Richter und Staatsanwalt hatte Vordermayer nun vielen zu danken, die ihn in dieser Zeit begleitet und mit denen er zusammengearbeitet hatte.

Besonders hob Vordermayer dabei die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Traunstein und der Zweigstelle Rosenheim hervor. In den zehn Jahren, in denen er ihr Chef war, gab es knapp eine halbe Million Ermittlungsverfahren zu bearbeiten, weit über 100 000 Stunden wurden im Sitzungsdienst abgeleistet, hinzu kamen Tausende Stunden eigener Ermittlungen, Vernehmungen und Durchsuchungen sowie Bereitschaftsdienste auch während der Nacht, die Bearbeitung von über 10 000 Bußgeldverfahren und etwa genauso viele Rechtshilfeersuchen, der Transport von Tausenden Tonnen Akten und die Einarbeitung von fast 100 jungen Staatsanwälten, um sie an den Beruf des Richters und Staatsanwalts heranzuführen. Auf diese Leistungen dürfen die Mitarbeiter stolz sein, betonte Vordermayer.

Wolfgang Giese – laut Oberstaatsanwalt Sing im Grunde seines Herzens schon »immer Staatsanwalt – erklärte in seiner Antrittsrede, er wolle alles tun, um das in ihn gesetzte Vertrauen zu erfüllen. Er sei jetzt zurück bei der Staatsanwaltschaft, der er schon lange gedient hatte. Die Ernennung zum Leitenden Oberstaatsanwalt sei für ihn eine »große Auszeichnung«. Giese verwies auch darauf, dass der Schwurgerichtssaal – dort fand die Amtseinführung statt – für ihn das »Herz des Justizzentrums« sei. Unter anderem habe er hier seinen Richter-Eid geleistet und auch sowohl als Richter als auch als Staatsanwalt zu tun gehabt. Kurz ging er auf seine maritime Vergangenheit als Marineoffizier ein und meinte, jetzt habe er die Kommandobrücke eines staatlichen Schiffs übernommen.