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Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises zieht vor Gericht

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Um weitere Schäden zu vermeiden, wurden die Kollektoren der Photovoltaikanlage in Bergen-Enthal vorläufig mit einer Holzkonstruktion gesichert. Diese wird wieder entfernt, sobald neue belastungstaugliche Träger montiert sind. Strom kann trotzdem uneingeschränkt erzeugt werden. Das gilt auch für die Anlage in Litzlwalchen, die ebenfalls Schäden aufweist – wenn auch in geringerem Umfang.

Etliche Module der Photovoltaikanlagen auf den Mülldeponien in Bergen-Enthal und in Litzlwalchen knickten im Winter 2014/15 unter der Schneelast ein (wir berichteten). Die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Traunstein als Eigentümerin der Anlagen zog deshalb vor Gericht, um zu erreichen, dass die Anlage repariert wird. Das Beweissicherungsverfahren am Landgericht Traunstein richtet sich gegen alle Beteiligten – Baufirma, Bauüberwachung und den Prüfstatiker. Diese sind naturgemäß uneins, wen genau die Schuld trifft.


Der vergangene Winter war fast genauso schneearm wie der jetzt langsam zu Ende gehende. Schneehöhen über 20 Zentimeter hat man so gut wie nie gemessen in diesen beiden Wintern; in Bergen-Enthal nicht und erst recht nicht in Litzlwalchen. Die Schneelast war gering und trotzdem knickten die Gestelle, auf denen die Module installiert waren, reihenweise ein. Sollte es wieder einmal strengere Winter mit deutlich größeren Schneelasten geben, kann man sich leicht ausrechnen, wie es dann in Enthal ausschauen würde.

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Der Schaden war zwar überschaubar; viel schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Tragkonstruktionen, auf denen die 6649 Module installiert sind, größere Schneelasten offenbar nicht aushalten. Provisorisch wurden sie vor diesem Winter deshalb mit Holzlatten abgestützt. Jetzt muss der Schuldige gefunden werden, denn »der Steuerzahler soll es nicht bezahlen«, hatte ein Sprecher des Landratsamts schon vor einem Jahr betont, als das Traunsteiner Tagblatt ein Bild von den umgeknickten Ständern veröffentlichte und nachfragte, wer dafür verantwortlich sei. Der Landkreis versuchte zunächst, eine gütliche Einigung zu erreichen; als das scheiterte, wandte er sich im Oktober ans Gericht.

Statikbüros aus Erfurt und Stuttgart waren vor dem Bau der Anlage damit beauftragt, die Statik festzulegen und zu überprüfen. Ein Ingenieurbüro aus Traunstein hatte das Ganze noch einmal überprüft. Das Gericht muss nun den Verantwortlichen finden, damit die Gewährleistung greifen kann.

Darauf dringt auch die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises, die Betreiberin der Anlage ist. Vor einem Jahr war man im Landratsamt noch optimistisch. Damals hieß es, bis Ende April 2015 solle der Schaden – unabhängig von der Schuldfrage – behoben sein. Noch im März vergangenen Jahres sollten die neuen Statikberechnungen vorliegen. Danach wollte man die neuen Streben bestellen und die stärkere Tragkonstruktion installieren. Aus all dem wurde aber bisher nichts, weil der letztlich Verantwortliche nicht mit rechtsgültiger Sicherheit feststeht. Nun soll das Gericht Licht in dieses Dunkel bringen.

Der 8500 Quadratmeter große Solarstrompark wurde im Sommer 2014 auf dem Gelände der ehemaligen Landkreisdeponie in Bergen-Enthal in Betrieb genommen. Er soll 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit können theoretisch 400 Haushalte mit Energie versorgt werden. -K.O.-