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Wohnraumverdichtung statt Grünlandverbrauch favorisiert

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Auf dieser freien Bauparzelle an der Rauschbergstraße soll ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten entstehen. (Foto: Bauregger)

Inzell – Trotz einer deutlichen Überschreitung der Geschoßflächenzahl und einer grenzwertigen Wandhöhe sieht der Inzeller Gemeinderat die Anforderungen des Einfügegebots eines geplanten Mehrfamilienhauses an der Rauschbergstraße zu den Nachbarhäusern erfüllt. Geschlossen stimmte der Gemeinderat zudem der Änderung der Ortssatzung »Am Sulzbach« zu. Während sich der Bund Naturschutz in einer schriftlichen Begründung gegen die Schaffung von drei neuen Bauparzellen auf einem geschützten Moorgebiet ausspricht, sieht die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Traunstein – bei Einhaltung strenger Auflagen – die Möglichkeit einer Ausnahme von dem eigentlichen Bebauungsverbot.


Auf einer Bauparzelle an der Rauschbergstraße plant eine Bauträgerfirma aus Siegsdorf den Bau eines Mehrfamilienhauses mit fünf Wohneinheiten und fünf Garagen in der Größe von 12 auf 16 Metern. Das Bauvorhaben befindet sich in einem bebauten Ortsteil ohne Bebauungsplan in dem ein Einfügegebot gilt. Mit einer Geschoßflächenzahl von 0,45 und einer Wandhöhe von 7,25 Metern überschreitet der geplante Bau die Anforderungen an das Einfügegebot aber erheblich.

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Da in unmittelbarer Nachbarschaft bereits ein größeres Sechsfamilienhaus steht, fügt sich, nach Bewertung der gemeindlichen Bauverwaltung, das Objekt durchaus in die bestehende Bebauung ein. Die Anforderungen an das Einfügegebot seien »gerade noch eingehalten«.

Gemeinderat Peter Spannring sprach sich grundsätzlich dafür aus, in Zukunft innerorts einer Bebauungsverdichtung im Gebäudebestand den Vorrang vor Neubauten mit Verbrauch von wertvollen Grünflächen einzuräumen. Da dem Gemeinderat auch keine nachbarlichen Einwände bekannt waren, stellte das Gremium schließlich das Einvernehmen der Gemeinde mit dem Bauvorhaben ohne Gegenstimme her.

Bezüglich der ersten Änderung der Ortssatzung »Am Sulzbach« gingen während der Auslegung weder Stellungnahmen noch Beschwerden von Bürgern ein. Geplant ist, zwischen den Hausnummern 11 und 21, am Rand eines Moorgebiets, drei neue Bauparzellen in die Satzung aufzunehmen, die in der Vergangenheit ausgespart worden waren. Insbesondere der Bund Naturschutz (BN) und die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Traunstein nahmen als Träger öffentlicher Belange ausführlich Stellung dazu.

Nach Ansicht der BN-Ortsgruppe Traunstein kann einer Befreiung von dem Bauverbot nicht zugestimmt werden, da Teile des überplanten Bereichs biotopkartiert sind und sich der Freistaat Bayern besonders den Hochmoorschutz zur Staatsaufgabe erklärt hat. Problematisch sieht der BN auch die mit 140 beziehungsweise 160 Quadratmetern plus Garagen relativ großen Grundflächen und die nicht kontrollierbare Gartennutzung mit Aufdüngung und Neupflanzung standortfremder Pflanzen.

Konträr kann nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde einer Ausnahme des Bebauungsverbots bei Einhaltung bestimmter Auflagen, die als textliche Festsetzungen in die Planung übernommen werden müssten, zugestimmt werden. Unter anderem müssten Ausgleichs-, Schadensminderungs- und Vermeidungsmaßnahmen unter Aufsicht einer ökologischen Baubegleitung durchgeführt und diese gegenüber der Behörde auch dokumentiert werden.

Da der zu rodende Wald keiner speziellen Schutzkategorie zugeordnet ist, äußerte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten keine Bedenken, diesen zu entfernen, empfahl aber einen Mindestabstand zur Bebauung von 20 Metern.

Gemeinderat Rudi Heitauer wollte wissen, ob die Stellungnahme des BN oder die der Naturschutzbehörde gewichtiger sei. Geschäftsführer Walter Neudecker sieht in erster Linie letztere als relevant an, da die Untere Naturschutzbehörde letztlich die Einscheidungsinstanz ist. Einstimmig befürwortete der Gemeinderat die Änderung der Ortssatzung. Die Verwaltung wird nunmehr die Planung wie gefordert überarbeiten, textliche Ergänzungen einfügen und das Verfahren mit der öffentlichen Auslegung fortsetzen. wb

Blattl Sonntag Traunstein