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Wohngebiet Daxerau ist wieder einen Schritt weiter

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Archivbild aus dem Jahr 2018 des Tennis- und Squash-Geländes in der Daxerau. (Foto: Hohler)

Traunstein – Wieder einen Schritt weiter ist die geplante Änderung des Flächennutzungsplans in der Daxerau von einem Gelände für Sportzwecke in ein allgemeines Wohngebiet. Mit 17 zu 7 Stimmen sprach sich der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung für die geänderte Planung und ihre erneute Auslegung aus.


»Zunächst möchte ich noch einmal festhalten, dass der Leserbrief am Samstag im Traunsteiner Tagblatt manche unrichtigen Mutmaßungen enthielt«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD). Selbstverständlich seien die Gutachter neutral, »sonst würden wir sie gar nicht zulassen«. Besonders das hauptsächlich kritisierte Büro habe bereits vielfach für das Wasserwirtschaftsamt gearbeitet, was er als Indiz für die Neutralität des Büros anführte.

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Gegen hundertjährliches Hochwasser geschützt

Außerdem betonte Kegel, es werde keinesfalls in ein Überschwemmungsgebiet gebaut, »das Gebiet ist gegen ein huntertjährliches Hochwasser HQ-100 geschützt«, so Kegel weiter. Auch würden keine Retentionsflächen zugebaut, »das ist überhaupt kein Thema.«

Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) begründete dennoch die Ablehnung des Projekts seitens ihrer Fraktion. »Wir können da nicht zustimmen«, sagte sie. Denn erstens könne man angesichts des bereits deutlich sichtbaren Klimawandels keine so dichte Bebauung in einer Flussaue befürworten, zweitens sei eine Gefahr für die Anwohner einfach nicht sicher auszuschließen, drittens könne man auch eine Gefährdung des städtischen Schwimmbads nicht ausschließen und »viertens wenn wir's ausweisen, tragen wir auch die Verantwortung für etwaige Schäden. Gutachten beruhen immer auf Annahmen, aber die Natur lässt sich nicht immer berechnen.«

Oberbürgermeister Christian Kegel wandte dagegen ein: »Nur bis zu einem HQ-100 tragen wir die Verantwortung, darüber hinaus nicht. Keine Kommune in ganz Deutschland trägt darüber hinaus eine Verantwortung.«

Ähnlich wie die Grünen sah auch Dr. Thomas Graf das Problem: »Die Gutachter sagen zwar, dass keine Gefährdung besteht, aber wir erleben doch alle täglich, dass Wetterbedingungen nicht planbar sind.« Das habe das Beispiel Simbach überdeutlich gezeigt. »Wo soll den Wasser hin, wenn die Flächen bebaut sind?«, fragte er. Nicht zuletzt ermögliche die jetzt geplante Bebauung künftig auch eine weitere Bebauung auf der westlich gelegenen Fläche. Die Traunsteiner Liste jedenfalls sehe durchaus den Wohndruck als soziales Problem. »Aber dagegen müssen die ökologischen Belange überwiegen. Wir werden auch nicht zustimmen.«

Für die CSU-Fraktion sagte Karl Schulz: »Egal, wie wir entscheiden, alles ist im Endeffekt verantwortlich.« Es gehe jetzt darum zu entscheiden, »stoppen wir den Prozess oder führen wir ihn weiter?« Die Gutachten sagten eindeutig aus, die geplante Wohnbebauung sei möglich, ohne die Anwohner zu schädigen, »darum soll das Verfahren weitergeführt werden.«

»Nur bis zu HQ-100 sind wir verantwortlich«

»Es wurde ja schon gesagt, nur bis zu einem HQ-100 sind wir verantwortlich«, sagte dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD), »darüber ist die gesamte untere Stadt überflutet. Wir haben Millionen in den Hochwasserschutz investiert, damit ist das Gebiet vor einem HQ-100 geschützt.« Im Übrigen sei das Vorgehen ein ganz normaler Vorgang. »Wir legen die Pläne wieder aus, dann kommen wieder Einwände, die wir abwägen müssen.«

Dichte und Gestaltung der Bebauung seien der nächste Schritt im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens. »Und sollte sich tatsächlich eine Gefahr ergeben, können wir ja bei der Bebauung etwas zurückhaltender sein.« Schritt für Schritt gehe man jetzt weiter. Zum wiederholten Anzweifeln der Gutachten wollte sie sich nicht erneut äußern, »aber das ist eine sehr schwierige Angelegenheit.«

Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte: »Solange die Sturzbachuntersuchung nicht abgeschlossen ist, finde ich es schon bedenklich, da zuzustimmen.« Und auch Stephan Hadulla (Bündnis 90/Die Grünen) mahnte: »Natürlich haben wir in Traunstein einen enormen Wohndruck, aber wir können nicht jedesmal zulasten des Naturschutzes entscheiden.« coho