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Wo sollen die Kinder ihr »Geschäft« machen?

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Dieses ehemalige Ladengeschäft am St.-Georgs-Platz in Traunreut soll in eine Kindertagesstätte umgebaut werden. Ein dahingehender Bauantrag der ISG für eine Umnutzung des ehemaligen Geschäftsraums wurde vom Bauausschuss abgesegnet. Die Einrichtung soll eine Begegnungsstätte für Kinder und Eltern werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit einem Waldkindergarten sind die »sanitären Einrichtungen«, sprich die Toiletten. Toiletten im herkömmlichen Sinn gibt es aber bei solchen Einrichtungen nicht. Üblicherweise wird für das »große Geschäft« ein Loch gegraben und hinterher wieder zugeschaufelt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, ein sogenanntes Dixi-Klo aufzustellen. Die Toilettenfrage und viele weitere Fragen beschäftigten auch den Bauausschuss, der das gemeindliche Einverständnis für den Standort eines Waldkindergartens der ISG (Integrative Sozialpädagogische Gruppenarbeit) herstellte. Wie berichtet, soll der Waldkindergarten in einer Waldlichtung in der Nähe der Schrebergärten bereits im September starten.


Helga Zembsch (Grüne) schickte voraus, bei der Toilettenfrage über eine Alternative in Form einer Kompost-Toilette nachzudenken. »Ein Komposthaufen wäre nicht ganz so hässlich wie ein Dixi-Klo«, so Zembsch. Wie ISG-Leiterin Cornelia Streitwieser mitteilte, sei man bei der Toilettenfrage flexibel. »Wir werden zunächst mit einem Dixi-Klo ins Rennen gehen und nach Alternativen Ausschau halten.« Das Gremium beschäftigte aber noch eine Reihe weiterer Fragen. Etwa die Haftungsfrage und die grundsätzliche Ausrichtung eines Wald- oder Naturkindergartens. Ein Waldkindergarten habe im Vergleich zu einem Regelkindergarten eine andere Ausrichtung, sagte Streitwieser: »Zurück zum Ursprung.« Der Hauptaufenthaltsraum sei der Wald. Lediglich für ganz kalte Tage stehe ein beheizbarer Bauwagen zur Verfügung, der im Moment noch umgebaut werde und über zwei Ausgänge verfügen müsse. Entsprechend wichtig sei eine wetterfeste Bekleidung. Ebenso wie in den Regelkindergärten werden alle Bildungs- und Erziehungsziele nach dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan erreicht.

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Zur Aufsichtspflicht, die vom Gremium angesprochen wurde, erklärte Streitwieser: »Jeden Tag werden den Kindern die Regeln des Waldes erklärt.« In der Regel würden sich die Kinder in der Nähe des Bauwagens aufhalten, der sich in einer wunderschönen Waldlichtung befinde. Der Wald selbst werde regelmäßig von einem Fachmann überprüft. Als Träger der Einrichtung übernehme die ISG auch die alleinige Haftung für die Tagesstätte. Sowohl die Stadt als auch der Besitzer des Waldes stehen nicht in der Haftung. »Wir werden mit dem Waldbesitzer auch einen Vertrag abschließen, dass er nicht haftbar ist.«

Da sich der Standort im Bereich der geplanten Trasse für die Traunreuter Ostumfahrung befindet, könnte es sein, dass der Standort des Waldkindergarten verschoben werden muss. Näher darauf eingegangen wurde aber nicht. Einig war sich das Gremium, dem Projekt nicht im Wege zu stehen.

Als gemeinnütziger Verein und freier Träger der Jugendhilfe hatte die Initiatorin bereits Ende vergangenen Jahres den Stadtrat über das Vorhaben unterrichtet und die notwendige Unterstützung aus dem Stadtrat auch erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war als Standort eine Waldlichtung hinter dem Seniorenheim an der Hoferstraße vorgesehen, der sich aber wegen einer unzureichenden Zufahrt für Einsatzfahrzeuge zerschlagen hat. Der neue Standort befindet sich in einem Waldgrundstück im Anschluss an die Schrebergärten östlich von Traunreut. Ab September können die »Waldkäfer« den Kindergarten zwischen 7.30 und 13.30 Uhr besuchen.

Begegnungsstätte für Kinder und Eltern

Nachdem der Waldkindergarten so gut wie in »trockenen Tüchern« ist, plant der Verein bereits ein weiteres »Brücken«-Projekt, für das ebenso die baurechtliche Zustimmung des Bauausschusses notwendig war und auch erteilt wurde. Die ISG möchte das frühere Ladengeschäft Poje am St.-Georgs-Platz in eine Kindertagesstätte für Kinder von 0 bis 12 Jahren umbauen. Nach Angaben der Verwaltung bleibt das Gebäude äußerlich unverändert. Lediglich der Raum soll in eine »Spiellandschaft« mit Klettergerüsten, Bastelecke usw. umgestaltet werden. Notwendig ist auch der Einbau von sanitären Anlagen. Die erforderlichen Stellplätze sind bereits nachgewiesen. Nach Angaben von Streitwieser soll die Tagesstätte, die ab Mittag öffnet, eine Begegnungsstätte für Kinder und Eltern der Stadt Traunreut werden. »Ein Gemeinschaftswerk mit Eltern und ehrenamtlichen Helfern, auf das ich mich ganz besonders freue.« ga