weather-image
15°

»Wo soll denn das ganze Wasser hin?«

3.2
3.2
Bildtext einblenden
13 neue Gebäude mit 80 bis 90 Wohnungen sind auf dem Gelände des ehemaligen Tennis-Centers in der Daxerau geplant. Anwohner fürchten deshalb einen höheren Grundwasserspiegel und eine Verschlimmerung der Hochwassergefährdung. Das zu verhindern, »ist alles lösbar und kein Problem«, sagt dazu Bauträger Martin Strasser. (Foto: Archiv Hohler)

Traunstein – »Wo soll denn das ganze Wasser hin?« fragen sich die Anwohner in der Daxerau angesichts der geplanten Bebauung auf dem Gebiet der bisherigen Tennisanlage. Denn sie fürchten durch die geplanten neuen 13 Gebäude, teilweise mit Tiefgaragen, eine deutliche Erhöhung des Grundwasserspiegels und in der Folge weitere Probleme mit Hochwasser.


Bisher leben in dem Gebiet rund 50 Menschen in 14 Gebäuden, die meisten davon haben keinen Keller. Bis zu 150 Wohnungen könnten in der Daxerau gebaut werden, wie Bernhard Glaßl, Leiter des städtischen Baurechtsamts, auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts erklärte. Die Zahl der Wohnungen sei aber im Bebauungsplanentwurf nicht geregelt. Wie viele Menschen letztlich in dem Baugebiet wohnen werden, hänge nicht zuletzt von den Wohnungsgrößen ab.

Anzeige

Planung ist derzeit bei der Stadt öffentlich zu sehen

Auf der Internetseite der Stadt Traunstein unter dem Stichpunkt Projekte und im Rathaus ist der Bebauungsplanentwurf der Planungsgruppe Strasser derzeit im Rahmen der vorgezogenen Öffentlichkeitsbeteiligung für jedermann einzusehen. Darin ist allerdings noch keine Zahl der geplanten Wohnungen festgesetzt.

Noch bis 17. November können Bürger und Träger öffentlicher Belange wie etwa Behörden, Strom- oder Telefonversorger ihre Bedenken zu den Plänen einbringen, die dann behandelt werden. Auch der Plan für die Änderung des Flächennutzungsplans, der bisher eine »Grünfläche mit Zweckbestimmung Tennis« vorsah und künftig ein »allgemeines Wohngebiet« darstellt, ist hier öffentlich einzusehen.

Der Bebauungsplanentwurf sieht 13 Gebäude vor. Zwei davon enthalten je fünf Reihenhäuser, acht Gebäude sind jeweils viergeschoßige Mehrfamilienhäuser, die restlichen drei sind dreigeschoßige Mehrfamilienhäuser. Erschlossen werden sie über eine Sackgasse mit Wendehammer. Den Lärm vom Schwimmbad und zur Kreisstraße Richtung Hochberg hin soll eine durchgehende Schallschutzwand bis zirka 12 Meter Höhe abhalten.

Allerdings sind die Fassaden der fünf Häuser (eines davon dreigeschoßig, die anderen vier sind viergeschoßig) entlang der Kreisstraße Teile der Lärmschutzwand. Durchgehend wird diese mittels transparenter Zwischenwände zwischen den Häusern. Die vorderen Häuser sollen also die hinteren vor dem Lärm schützen. Denn die Stadt will sichergehen, dass nicht aus der Bebauung eines Tages Betriebseinschränkungen für das Schwimmbad wegen der Lärmbelastung resultieren. Deshalb soll der Bauherr zur Kreisstraße hin in diesen Gebäuden auch keine Fenster von Aufenthaltsräumen vorsehen. Das zeigt auch das Dilemma des Bauträgers: Würde er dem Wunsch nach einer zweiten Ausfahrt nachgeben, würde das neue Probleme mit dem Schallschutz bedeuten.

Das Hauptproblem aber sehen die Anwohner in der Hochwasserproblematik durch den steigenden Grundwasserspiegel, den eine Bebauung ihrer Meinung nach mit sich bringen würde. Denn wenige Monate nach Fertigstellung des Hochwasserschutzes der Traun im Jahr 2013 hatten sie das Hochwasser in den Häusern. Und ob das nun aus der Traun oder dem Röthelbach, Grundwasser oder Oberflächenwasser war, spielt für sie letztlich keine Rolle; wohl aber für die Behörden, die hier per Gesetz unterscheiden müssen.

Bauherr muss nachweisen, dass keine Nachteile entstehen

So sagt etwa Bernhard Glaßl: »Wir gehen davon aus, dass es hochwasserfrei ist.« Denn die formelle Feststellung der Hochwasserfreiheit ist die Voraussetzung für die weitere Planung. Zudem müsse der Bauherr in einem Gutachten nachweisen, dass seine Bebauung sich nicht nachteilig auf die bestehenden Gebäude und das Schwimmbad auswirken wird.

Dass das Gebiet tatsächlich hochwassergeschützt ist, wollte das Landratsamt auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts so nicht bestätigen. »Der Freistaat Bayern hat zuletzt den Traun-Abschnitt vom Seiboldsdorfer Wehr bis zum ehemaligen Triftwehr hochwassersicher ausgebaut«, erklärte dazu Pressesprecher Roman Schneider. Derzeit würden die Überschwemmungsgebiete an der Traun, beginnend am Zusammenfluss der Weißen und der Roten Traun in Siegsdorf bis zum Viadukt, neu definiert. Im Zuge dessen solle die vor einem Überschwemmungsereignis HQ100 (in dem es Hochwasser statistisch gesehen einmal in 100 Jahren gibt) geschützte Daxerau herausgenommen werden; aber auch die Daxerau könne weiterhin von einem HQextrem betroffen sein, das deutlich seltener vorkomme als ein HQ100.

Dementsprechend dürfte die Daxerau bebaut werden, sie gilt dann im Sinne der gesetzlichen Definition als hochwassersicher. Dass es wenige Monate nach Tieferlegung der Traun trotzdem zu einem Hochwasser kam, erklärt Schneider mit der Tatsache, dass damals die Böden nach tagelangem Starkregen gesättigt waren und kein Wasser mehr aufnehmen konnten.

Bei der Neudefinition der Überschwemmungsgebiete hätten weder der zwar ertüchtigte, aber nicht auf ein HQ100 ausgebaute Röthelbach mit seinen zahlreichen Zuflüssen, noch das Wasser, das bei Regen vom Hochberg in die Daxerau fließt oder das Grundwasser eine Rolle gespielt. Denn das sei vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. »Wir haben unseren Teil der Aufgabe soweit erledigt, alles andere entscheidet die Stadt. Wobei natürlich auch klar ist, dass wir im Landkreis Traunstein dringend bezahlbaren Wohnraum brauchen.«

Landratsamt wartet Einwendungen ab

Die Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete sei öffentlich in den drei beteiligten Kommunen Siegsdorf, Traunstein und Surberg ausgelegt gewesen. Derzeit warte man noch auf die Rückläufe der Einwendungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung. Diese müssten dann untersucht und bei einem Erörterungstermin abgewogen werden, ehe die endgültige Entscheidung darüber falle, ob die Daxerau aus Sicht der Behörden als HQextrem eingestuft und damit ein Baurecht ermöglicht werde.

Auch Andreas Baumer vom Wasserwirtschaftsamt erklärt, man müsse unterscheiden zwischen dem Verfahren zur Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete und der geplanten Änderung des Flächennutzungsplans. Ersteres betrachte tatsächlich nur die Traun, im Zuge der Beteiligung zu letzterem habe man darauf verwiesen, dass wild abfließendes Oberflächenwasser sowie die Traun und der Röthelbach bei extremen Hochwasserereignissen durchaus zu Problemen führen könnten.

»Ob an dieser Stelle eine Bebauung sinnvoll ist, das muss die Stadt entscheiden«, so Baumer. Auch solle die Stadt als Baugenehmigungsbehörde aufpassen, »dass die Neubauten keine Probleme für Ober- oder Unterlieger bedeuten«. Das Restrisiko sollte dringend überprüft und in der weiteren Planung berücksichtigt werden, so Baumer. Den »Überlastfall« könne man aber letztlich nie ganz ausschließen.

»Das ist alles lösbar und kein Problem«

»Das ist alles lösbar und kein Problem«, sagt dazu Bauträger Martin Strasser. Entsprechende Gutachten lägen der Stadt bereits vor, ein weiteres werde nächste Woche fertig. Jeder, der etwas baue, müsse nachweisen, dass die Anwohner keine Nachteile aus der geplanten Bebauung haben, »das ist selbstverständlich. Wir kennen die Grundwasserstände, wir kennen die Bodenverhältnisse. Das beäugt die Stadt Traunstein alles kritisch, das beäugt auch das Wasserwirtschaftsamt kritisch«, so Strasser weiter.

Bei der Bebauung der Mühlbachgärten habe man damals die gleichen Bodenverhältnisse vorgefunden. Dass die Nachbarn keinen Schaden aus der neuen Bebauung erleiden, werde durch umfangreiche und teure Gutachten und Baumaßnahmen sichergestellt, versprach Strasser. »Dass wir die Keller und Tiefgaragen wassersicher bauen müssen, ist selbstverständlich.« coho