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Wo noch die Mühle am rauschenden Bach klappert

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Symbolbild (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Sie ist die einzige Mühle im Berchtesgadener Land, die noch regelmäßig Getreide mahlt und mit Wasserkraft betrieben wird: die Maiermühle in Teisendorf. Dieses Unikum hatte der Bayerische Landesverband für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung als Ziel seines Herbsttreffens erkoren. Davor besichtigten etwa 50 Mühlenfreunde aus ganz Bayern die Ödmühle in Inzell und danach noch das Bergbaumuseum Achthal.


»Unser Verband betreut nicht die gewerblichen Mühlen, sondern die stillgelegten und kleineren«, erklärte der ehrenamtlich tätige Verbandsvorsitzende Hans Georg Walzer gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Für die gewerblichen ist der Bayerische Müllerbund zuständig.

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Seit 1769 in Familienbesitz

Erbaut um 1150, wurde die denkmalgeschützte Maiermühle 1430 erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehörte ursprünglich zum Pfarrhof. Seit 1769 ist sie in Familienbesitz, wie Mathias Mühlbacher erzählte. Der Junior-Chef absolvierte von 1994 bis 1997 hier und in der Gfaller-Mühle in Traunstein seine Lehre und machte 2000 seinen Meister. Er führt die Mühle bereits in achter Generation.

Viel Bewunderung fand das oberschlächtige Wasserrad, das 1927 gebraucht aus Franken mit dem Zug hier ankam und 1930 beim großen Mühlenumbau eingebaut wurde. Sehr inspiriert davon zeigte sich Franz Beringer, der mit seiner Frau Elisabeth in Efenhausen bei Amerang die 1467 erstmals erwähnte Walchmühle betreibt. »Ich habe auch schon überlegt, bei uns wieder ein Wasserrad einzubauen«, verriet er. Das Paar ist fasziniert davon, selber ein Grundnahrungsmittel herzustellen, das es seit Urzeiten gibt, und das alte Handwerk zu pflegen. »Man ist schon sehr verbunden mit der Tradition, auch wenn man wie ich eingeheiratet hat«, sagte Elisabeth Beringer.

Der ganze Stolz von Seniorchef Andreas Mühlbacher ist ein historischer Walzenstuhl mit Porzellanwalzen aus dem Jahr 1878 von der Firma Wegmann aus Zürich. Daneben steht ein sehr seltenes Fabrikat aus dem Jahr 1910, mit dem er selber noch gemahlen hat. Die noch genutzten Walzenstühle stammen von 1936 und 1951. Die technische Einrichtung, überwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, entspricht voll den Bedürfnissen der Produktion. Der letzte große Umbau war Ende der 50er Jahre. Modernisierungen wurden in der Regel aus Gründen der Hygiene, oberstes Gebot im Mühlenbetrieb, vorgenommen. Der Roggen wird in Teisendorf separat gemahlen, da das Mehl dann bessere Backeigenschaften hat. Den anspruchsloseren Roggen baut die Familie selber in Teisendorf an, während sie ihren Weizen und Dinkel aus dem Raum Altötting bezieht. Nach der Führung lud die Müllers-Familie zu Kaffee und Kuchen ein. Alle Frauen der Großfamilie hatten dafür eifrig das hauseigene Mehl verbacken. vm