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Wo neue »Urwälder« entstehen

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In sieben Naturwaldreservaten in der Region können sich, wie hier im Naturwaldreservat »Kienberg« am Untersberg, auf mehr als 1300 Hektar neue Urwälder entwickeln. (Foto: Udo Endres)

Auch in der Region lassen sich neue »Urwälder« bestaunen. In sieben Naturwaldreservaten in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land mit einer Gesamtfläche von 1300 Hektar findet seit 1978 keine forstliche Nutzung mehr statt. Das teilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein aus Anlass des bayernweiten »Tages der Naturwaldreservate« mit.


In diesen »Urwäldern« sollen sich nicht nur die Lebensgemeinschaften der typischen Tiere, Pflanzen und Pilze ungestört entwickeln können. Naturwaldreservate sind auch interessante Forschungsobjekte und liefern wichtige Erkenntnisse zum natürlichen Kreislauf der Wälder. Förster und Waldbesitzer erhalten so wertvolle Hinweise, wie sie ihre Wälder naturnah bewirtschaften können. »Gerade in Zeiten des Klimawandels kommt diesen Erkenntnissen große Bedeutung zu, um auch in Zukunft gesunde und stabile Wälder in Bayern schaffen zu können«, erklärt Alfons Leitenbachner, Chef des Traunsteiner Amtes.

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Naturwaldreservate leisten auch einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in den Wäldern. Allein im Naturwaldreservat »Vogelspitz« bei Oberwössen konnten bislang 214 Schmetterlingsarten, 170 Pilzarten, 115 Pflanzenarten und 48 verschiedene Schneckenarten nachgewiesen werden, darunter auch so seltene wie die »Rollflügel-Holzeule«, der »Tannen-Feuerschwamm« und die »Alpen-Winkelschnecke«.

Insbesondere Insekten und Pilze, die auf abgestorbenes Holz angewiesen sind, finden in Naturwaldreservaten einen wichtigen Lebensraum, aus dem heraus sie in benachbarte Waldflächen auswandern und sie dauerhaft besiedeln können. Hierzu ist es allerdings notwendig, dass auch in den bewirtschafteten Wäldern ein vielfältiger Arten- und Strukturreichtum, sowie ausreichend Totholz und Biotopbäume erhalten werden. »Bewirtschaftung und Naturschutz können gerade im Wald in hervorragender Weise auf derselben Fläche in Einklang gebracht werden«, betont Alfons Leitenbacher. Denn faule oder abgebrochene Baumstämme sowie Bäume mit schlechter Holzqualität können ohne große wirtschaftliche Einbuße der Natur überlassen werden, sind für viele Insekten und Vögel aber enorm wertvoll.

Die sieben Naturwaldreservate »Reiteralpe«, »Fischbach« zwischen Laubau und Staubfall, »Vogelspitz«, »Kienberg« am Untersberg, »Schlapbach« am Schnappenberg, »Tiroler Achen« am Chiemsee und »Schönramer Filz« liegen im Staatswald der Forstbetriebe Ruhpolding und Berchtesgaden und decken vom Zirbenwald im Gebirge bis zum Auwald eine riesig breite Palette der unterschiedlichsten Waldgesellschaften ab. fb