weather-image
25°

Wo einst die Grenze zu Salzburg verlief

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Am Anninger Bacherl verweist dieses Schild auf die frühere Grenze zwischen dem Erzstift Salzburg und Bayern und auf die beiden Regionen Rupertiwinkel und Chiemgau. (Foto: Pia Mix)

Traunreut. Am Waldrand bei einer Brücke über das Anninger Bacherl steht seit kurzem ein Grenzschild. Es verweist auf den Verlauf der ehemaligen Trennlinie zwischen dem Erzstift Salzburg und dem Kurfürstentum Bayern. Diese historische Landesgrenze galt von 1275 bis 1803.


Damals verlief die Grenze von Schlichtersberg kommend entlang des Anninger Baches und des Steiner Burgfelsens weiter nach Trostberg. Alles was nördlich gelegen war, gehörte territorial zum Erzstift Salzburg, alles südlich davon zum Kurfürstentum Bayern. Ein weiteres Schild, das die frühere Grenzziehung anzeigt, steht schon seit einigen Jahren in Schlichtersberg, wo es auf Betreiben von Matthäus Hausschmid aufgestellt wurde. Auf Trostberger Gebiet gibt es ebenfalls eine Tafel bei Nock. Ein weiterer Hinweis könnte eventuell im nächsten Jahr noch an der Felskante beim Steiner Hochschloss aufgestellt werden.

Anzeige

Das neue Schild in der Nähe von Anning wurde im Zuge der Ausweisung eines Radwanderweges rund um Traunreut errichtet. Der Arbeitskreis Verkehr und der Verkehrsverein Traunreut erstellen derzeit eine Karte mit interessanten Radwegen auf fünf Schleifen durch und um die Stadt. Auf jedem dieser Teilstücke gibt es Denkmäler und Sehenswürdigkeiten, die näher beschrieben werden. Der jetzt errichtete Hinweis auf die ehemalige Grenze wird als ein Punkt in dieser Radwegekarte mit aufgenommen.

Nicht weit davon entfernt erinnert ein Marterl beim Esterer-Hof ebenfalls an die ursprüngliche Grenze. Die Besitzerin Monika Maier ließ den Gedenkstein neu aufstellen, der beim Bau eines Stadels vor Jahren weichen musste. Nach ihren Informationen wurde er von einem früheren Hofbesitzer errichtet als Andenken an einen Grenzposten, der dort erschossen wurde. Elisabeth Ertle-Hepp erklärt in ihrem Buch über die »Orts-, Flur- und Hofnamen der Gemarkungen Hart, Haßmoning und Stein«, dass als »Ester« ein »Falltor am Fahrweg durch einen geschlossenen Feldbezirk« bezeichnet wurde. Der Esterer-Hof lag laut Elisabeth Ertle-Hepp früher am Ende des Dorfes Anning in Richtung Zieglstadl. Schon 1808 besaß der Esterer außerdem das »Hofmair-Gütl«. Als der alte Esterer-Hof abgebrochen wurde, bezog der Hofherr dieses Gütl und der Name beim Esterer ging auf das Anwesen über.

Walter Appel, Leiter des Arbeitskreises Verkehr, erläuterte bei einem Ortstermin kurz die Geschichte des Grenzverlaufes und Michael Elsen ergänzte mit weiteren Informationen. Demnach war die Grenze zwischen dem Hochstift Salzburg und Bayern Jahrhunderte lang unverändert und erst durch die Säkularisation 1803 ergaben sich wesentliche Änderungen. Alles begann mit der Kriegserklärung Österreichs 1797 an das revolutionäre Frankreich. Durch das rasche Vorrücken der französischen Truppen nach Bayern wuchs die Kriegsgefahr für Salzburg. Nach der Schlacht bei Hohenlinden rückten die französischen Truppen in Salzburg ein und die Franzosen nahmen kurze Zeit später die Kapitulation von Salzburg entgegen. Der letzte Fürsterzbischof von Salzburg, Graf Colloredo, floh aus der Stadt.

Der 1803 in Regensburg verabschiedete Reichsdeputationshauptschluss entschädigte die Deutschen Reichsfürsten für die Abtretung ihrer Territorien westlich des Rheins an Frankreich durch die Auflösung der geistlichen Fürstentümer. Mit dem Abdankungspatent des Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo, der seit 1772 regierte, hörte am 11. Februar 1803 der geistliche Staat zu existieren auf und die Salzburgische Grenze wurde aufgelöst. Salzburg wurde dann einige Jahre zum Spielball der Interessen: 1806 bis 1809 war es eine österreichische Provinz, 1809/1810 wurde es unter französische Verwaltung gestellt, 1810 bis 1816 war es bayerische Provinz. Erst 1816 kam der Landstrich endgültig zu Bayern und es kam zur heutigen Grenzziehung durch den Vertrag von München. »Der Rupertiwinkel wird als jener Landstrich westlich von Saalach und Salzach bezeichnet, der bis 1803 zum Erzstift Salzburg gehörte und erst 1816 endgültig an Bayern gelangte«, so Elsen.

Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger ermahnte, dass man die Geschichte nicht vergessen dürfe und es daher wichtig sei, solche Informationen auch an künftige Generationen weiterzugeben. Er dankte Traudi Huber aus Palling für die künstlerische Gestaltung des Grenzschildes und dem Grundbesitzer Helmut Müller, der die Erlaubnis zum Aufstellen gab. mix