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Wird Seiboldsdorf von der Bahn abgehängt?

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Der alte Bahnsteig in Seiboldsdorf war baufällig und musste erneuert werden. Weil aber die Fahrgastzahlen aus Sicht der Bahn zu gering waren, wird der neue Bahnsteig in der Nähe des Haslacher Stegs entstehen. Hier ermöglicht auch eine barrierefreie Unterführung der Bahnlinie eine gefahrlose Querung derselben. (Foto: Hohler)

Traunstein – »Das gibt's doch nicht! Seiboldsdorf verliert seinen Bahnhof und wird damit von der Bahnlinie völlig abgehängt«, sagt Ingrid Asbach. Wie offenbar auch etliche andere Seiboldsdorfer ist sie entsetzt, dass der Bahnhaltepunkt derzeit um etwa einen halben Kilometer in Richtung Traunstein zum Haslacher Steg verlegt wird.


»Das klingt jetzt nicht weit, ist es aber mit dem Rollator durchaus. Und vor allem im Winter bei Schnee und Eis ist das für alte Leute ein echtes Problem. Geräumt wird der Weg ja nicht vor 9 Uhr, und beleuchtet ist er auch nicht«, sagt sie. Der Weg sei so einsam gelegen, sie traue sich da – wie auch etliche Nachbarn – nicht, ihn allein zu gehen. Für Beleuchtung und Winterdienst ist allerdings die Stadt Traunstein zuständig.

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Vor allem ärgert das die Seiboldsdorfer, weil unter den – nach Angaben der Stadt Traunstein rund 150 Bewohnern – eben viele ältere Leute leben. »Den Berufsschülern, die gut zu Fuß sind, baut man den neuen Bahnsteig vor die Nase, aber wir alten Leute können schauen, wo wir bleiben«, sagt sie kopfschüttelnd.

Tatsächlich sind die Bauarbeiten gerade im Gange. Die Südostbayernbahn hatte dazu bereits im Mai 2017 im Planungsausschuss ihre Pläne vorgestellt, die das Gremium damals lediglich zustimmend zur Kenntnis genommen hatte. Demnach sollte der »alte und baufällige Bahnsteig« abgetragen werden. Nahe dem Haslacher Steg soll dafür auf einem Grundstück der Bahn ein neuer Bahnsteig entstehen. »Dieser Bahnsteig wird mit einer regelkonformen Beleuchtung, einem Blindenleitsystem und einer höheren Bahnsteigkante ausgestattet, was das Ein- und Aussteigen erleichtert. Die Bauausführung ist für August bis Oktober 2018 geplant«, hieß es damals von Seiten der Bahn.

Zur Begründung hieß es weiter, der Haltepunkt Seiboldsdorf liege am Ortsrand von Traunstein und damit vergleichsweise abgeschieden. Der Ortsteil Seiboldsdorf sei mit rund 30 Ein- und Zweifamilienhäusern sehr klein. Doch befänden sich mehrere Freizeit- und Bildungsstätten in direkter Umgebung, die Fahrgastpotenzial hätten. Die am neuen Standort bereits bestehende Unterführung biete mittels Rampen eine optimale Erschließung von beiden Seiten der Bahntrasse aus. Die direkt anschließende Querung der Traun ermögliche eine Erschließungswirkung auch rechts der Traun.

In Summe würden das Bildungszentrum Traunstein sowie das Schwimmbad auf der gegenüberliegenden Seite der Traun erschlossen und Anwohner aus Haslach und der Daxerau hätten einen sicheren Zugang zur Bahnstation.

Mit Verweis auf den Bahnhaltepunkt Hörgering zwischen Eisenärzt und Siegsdorf, äußert Ingrid Asbach einen frommen Wunsch: »Das ist doch sowieso ein Bummelzug, da könnt' er doch in Seiboldsdorf auch weiterhin halten. Dann wäre uns geholfen.«

Dafür aber sah ein Sprecher der Bahn wenig Chancen. Der alte Bahnsteig sei tatsächlich baufällig gewesen. »Natürlich haben wir das untersucht, hatten aber im Bereich von Seiboldsdorf sehr wenige Einsteiger, teilweise weniger als 25 am Tag. Darum haben wir uns gesagt, wenn wir eh neu bauen müssen, dann schieben wir doch das Ganze ein Stück und erreichen dadurch deutlich mehr Leute, gerade durch die Unterführung unter der Bahnlinie hindurch. Das ermöglicht ein gefahrloses Queren der Bahnstrecke.«

Einen zusätzlichen Bahnhaltepunkt in Seiboldsdorf zu planen, sei schwierig, denn man müsse auf alle Fälle die Fahrzeiten einhalten. coho