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Wird die Stadtbücherei in die Güterhalle verlegt?

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Ungewiss ist die Zukunft des Kulturzentrums im Stadtpark. So gibt es offenbar erste Vorüberlegungen, die Stadtbücherei in die dereinst sanierte Güterhalle umzusiedeln. (Foto: Hohler)

Traunstein – Es gab zwar erst erste Vorüberlegungen, doch kristallisieren sich bereits jetzt die Positionen heraus: Oberbürgermeister Christian Kegel bekannte sich im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt als klarer Befürworter einer Verlegung der Stadtbücherei in die Güterhalle. Dagegen veröffentlichte der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Dr. Christan Hümmer, am Dienstag schon einmal eine Pressemitteilung, in der er diese Idee kritisierte.


Mehr Flächen für Bücherei im Kulturzentrum schaffen

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Demnach will die CSU Traunstein, dass die Bücherei mitten in der Stadt bleibt. »Wir lehnen eine Verlagerung der Stadtbücherei in die Güterhalle ab«, schrieb Hümmer. Zusätzliche Flächen für die Stadtbücherei könnten bei Bedarf auch im Kulturzentrum geschaffen werden. Die Büchereibesucher belebten das Innerste der Stadt. »Nutzungen, die Leben in die Stadt bringen, gehören ins Stadtzentrum«, so Hümmer weiter.

Aufenthaltsqualität, Kundenfrequenz und Attraktivität könnten nur dort entstehen, wo Menschen einander begegnen. »Das ist unser Verständnis von einer lebendigen Stadtmitte. Die Stadt muss deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Einrichtungen möglichst mitten in der Stadt halten.« Das Kulturzentrum sollte nicht veräußert werden. »Eine Aufgabe des Gebäudes zugunsten einer kommerziellen Nutzung lehnen wir auch vor dem Hintergrund ab, dass der heutige Stadtpark der alte Friedhof Traunsteins ist«, so Hümmer weiter.

Zudem gebe es keine vernünftige Lösung für die Hauptfläche der Güterhalle. Neben dem Jugendtreff, der auf rund 430 Quadratmeter eingerichtet werden solle, gebe es für die Hauptfläche von 670 Quadratmetern kein Nutzungskonzept, das die Investition von rund vier Millionen Euro rechtfertigen würde. Für den Jugendtreff sei ein Neubau die günstigere und schnellere Lösung. Die CSU fordere deshalb, in einen neuen Jugendtreff eine »Jugend-Million« zu investieren – entweder einen Neubau am Bahnhof oder einem anderen Ort oder die Sanierung des Ringerkellers unter der TVT-Turnhalle.

Oberbürgermeister Christian Kegel sage dazu auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts, für den Verkauf des Kulturzentrums gebe es »überhaupt keine konkreten Überlegungen, sondern höchstens Vorüberlegungen«. Der Stadtrat habe beschlossen, dass der neue Jugendtreff definitiv in der Güterhalle untergebracht und für die Restfläche weitere städtische Nutzungen geprüft werden sollten.

Für die Musikschule ist die Güterhalle nicht geeignet

Eine davon sei die Umsiedelung der Musikschule, die aber aus mehreren Gründen hier nicht machbar sei. »Die Musikschule würde sich von jetzt 900 um 300 Quadratmeter verkleinern müssen. Das geht einfach nicht«, sagte Kegel. Außerdem würde der Einbau mehrerer kleiner Zimmer zum Üben den Hallencharakter der Güterhalle zerstören.

Die andere überprüfte Nutzung der Güterhallen-Restfläche sei die Umsiedelung der Stadtbücherei, die sich dort »um 150 Quadratmeter erweitern könnte«, wie Kegel erklärte. Auch Bücherei-Leiterin Annette Hagenau sei von der Idee durchaus sehr angetan. Denn anderenfalls müsste die Stadt über kurz oder lang über einen Umbau des Kulturzentrums nachdenken, um für die Bücherei mehr Platz schaffen zu können. Das wiederum wäre jedoch nur mit erheblichem finanziellem Aufwand möglich, so Kegel.

»Am Bahnhof haben wir mehrere Vorteile. Ich persönlich bin ein großer Befürworter der Verlagerung der Bücherei, denn ich erhoffe mir mehrere Synergieeffekte aus der Nähe von Bücherei, Jugendtreff, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln«, so Kegel. Die Güterhalle liege zwar nicht unmittelbar im Stadtzentrum, aber dennoch sehr zentral. Schüler, die auf den Anschlusszug oder -bus warten müssten, könnten die Zeit dann auch in der Bücherei verbringen und müssten nicht mehr vor dem Bahnhof warten.

Einen Einfluss auf die Frequenz in der Innenstadt befürchte er auf gar keinen Fall. »Dafür sind Märkte, Geschäfte und Wohnnutzung wesentlich wichtiger«, so Kegel. Auch jetzt liege die Bücherei ja nicht an einer Straße, an der man so entlang schlendere, sondern mitten im Park. »Wer da hin geht, der geht gezielt da hin.«

Noch nichts Konkretes zur Kulturzentrums-Nutzung

Die Umsiedelung der Stadtbücherei sei bisher nur mal Stadtrats-intern diskutiert worden. Insofern gebe es auch noch keine konkreten Überlegungen für eine eventuelle Nachnutzung des Kulturzentrums, geschweige denn einen konkreten Kaufinteressenten. Im Übrigen müsse man eh erst einmal das Ergebnis der Investorenansprache abwarten, die Professor Vossen derzeit als Ergebnis seiner Machbarkeitsstudie für die Entwicklung des Bahnhofs-Areals durchführe. »Und wie gesagt, es gibt bereits einen Stadtrats-Beschluss, dass der Jugendtreff in die Güterhalle kommt.« coho