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Wird das Inzeller Hallenbad weiter bestehen?

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Badepark Inzell – Nachrichten aus der Gemeinde Inzell und dem Landkreis Traunstein
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Die Schulden konnten in Inzell in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt abgebaut werden. Auch heuer rechnet die Gemeinde mit einer weiteren Tilgung auf unter 4,2 Millionen Euro. (Foto: Wegscheider)

Das Inzeller Hallenbad schließen oder sanieren? – Beide Varianten sind extrem kostspielig – Der Gemeinderat entschloss sich für die vier Millionen Euro teure Variante.


Inzell – Um die Schließung oder Sanierung des Inzeller Hallenbads ging es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Schließlich entschloss sich das Gremium einstimmig für eine Weiterführung des in die Jahre gekommenen Bads. Für den Erhalt wird man allerdings einiges investieren müssen.

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Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Badepark und dritter Bürgermeister, Michael Lorenz, berichtete, es gebe nur zwei Möglichkeiten: Erhalten oder Schließen. Auch der Chef der Inzeller Touristik GmbH, Gerhard Steinbacher, trug seine Ansicht aus touristischer Sicht vor. Eine Gästebefragung hatte stattgefunden und darauf basierend wurde ein Zehn-Punkte-Plan festgelegt. Grundsatz sind die rund 600 000 Übernachtungen und 120 000 Gästeankünfte pro Jahr, wodurch Inzell zu den bedeutenden touristischen Urlaubsorten in Oberbayern zählt, die auch ein Hallenbad rechtfertigen.

Eine mögliche Schließung des Hallenbads hat aller Voraussicht nachhaltig negative Auswirkungen auf die touristische Wettbewerbsfähigkeit von Inzell, weil Werbeargumente wegfallen. »Der Gast erwartet eine gewisse Infrastruktur und richtet auch seine Buchung danach aus«, so Michael Lorenz. Nicht zu vergessen sei auch das Schulschwimmen.

Offen blieb die Frage, was die Sanierung kosten soll. Laut Aussage eines Sachverständigen sei mit einem geschätzten Aufwand von rund vier Millionen Euro zu rechnen. Auf der anderen Seite hätte eine Schließung 1,5 Millionen Euro an Kosten verursacht. Ein Defizit von 221 000 Euro inklusive der Abschreibungen fuhr der gesamte Badepark Inzell 2016 ein. Das Hallenbad ohne Abschreibungen verbuchte 2016 ein Minus von 70 000 Euro. Darüber hinaus seien eine ganze Reihe von Sanierungen notwendig, die sich nicht mehr hinausschieben lassen. »Das Becken ist noch sehr gut in Schuss und hält noch 20 bis 25 Jahre, aber die ganze Hülle mit Heizung, Glasfront und Dach ist sanierungsbedürftig«, brachte es Michael Lorenz auf den Punkt.

Die Alternative zur Sanierung wäre eine Schließung gewesen, doch eine solche hätte auch enorme Kosten verursacht. Der Abriss mit den dann notwendigen Umbauten für die Sauna und dem Eintrittsbereich zum Badesee hätte sich auf rund 1,5 Millionen Euro summiert.

Im Gemeinderat wurde auch vorgestellt, was nun geändert werden soll. Das Hallenbad soll durch einen Ruheraum oder eine Salzgrotte eine Aufwertung erfahren, ebenso durch die Ertüchtigung des Außenbeckens durch ein neues Warmwasserbecken mit Wintergarten. Weiter erscheinen ein Teilabriss der Außenkabinen, die Erneuerung der Fensterfronten und eine Aufwertung des Babybereichs als notwendige Umbaumaßnahmen. Hinzu kommen eine Veränderung des Hauptgebäudes und die Verbindung von Kiosk und Kasse.

Als besonders wichtig mit Blick in die Zukunft ist ein Blockheizkraftwerk für Strom und Heizung. Die Gesamteinsparungen liegen durch eine energetische Sanierung und das Blockheizkraftwerk (BHKW) bei jährlich rund 75 000 Euro. Durch den Einsatz eines gasbetriebenen BHKW mit etwa 51 kWh elektrischer Leistung können rund 250 000 bis 300 000 kWh im Jahr an Eigenstrom produziert werden. Dies ergibt eine Einsparung von etwa 18 000 Euro gegenüber dem Netzbezug. Bei Kosten von rund 90 000 Euro ergibt sich eine Amortisation innerhalb von rund fünf Jahren.

Wichtige Punkte beim Umbau waren auch die Barrierefreiheit und eine Optimierung der Gastronomie im Obergeschoß. Durch die geplante Sanierung sollte dann der Badebetrieb für die nächsten 25 Jahre wieder sichergestellt sein, so dritter Bürgermeister Lorenz. Noch in diesem Jahr sollen die Planungen abgeschlossen werden, mit einem Baubeginn ist im besten Falle im Frühjahr 2018 zu rechnen.

Förderung von 50 Prozent durch den Freistaat

Bei den geschätzten Kosten in Höhe von vier Millionen Euro kann Inzell mit einer Förderung von 50 Prozent durch den Freistaat rechnen. Die übrigen zwei Millionen will man etwa je zur Hälfte aus Rücklagen und aus Kreditaufnahmen finanzieren. Bürgermeister Hans Egger bekam von den Gemeinderäten ausschließlich Zuspruch zu den Sanierungsplänen. »Natürlich bleibt uns ein Risiko, wenn die Übernachtungszahlen zurückgehen, aber danach schaut es momentan nicht aus. Unsere Tourismuszahlen mit 600 000 Übernachtungen jährlich rechtfertigen auf jeden Fall ein Hallenbad. Bei schlechtem Wetter ist schließlich nicht nur unser Hallenbad ausgelastet, sondern auch das in Ruhpolding«, so Michael Lorenz. Willi Hess (SPD) lobte die Arbeitsgruppe ausdrücklich für die geleistete Arbeit und sieht ein Hallenbad für Inzell als notwendig an. »Auch die nachfolgenden Kosten sind sehr erfreulich gerade in Bezug auf die danach auftretenden Energiekosten.«

Bei der Abstimmung stand der Gemeinderat geschlossen hinter der Sanierung, die über eine Dauer von 18 Monaten geplant ist. Allerdings soll es möglich sein, das Bad in den Hauptbadezeiten – vor allem im Winter – zu öffnen. hw