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Wird das alte Bad in Unterwössen zugeschüttet?

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Unterwössen – Für die Umnutzung des vor vier Jahren stillgelegten Hallenbads in Unterwössen in ein Bürgerhaus haben die Architekten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats aktuelle Pläne und eine Kostenschätzung von 6,5 Millionen Euro vorgelegt. Grundsätzlich wurde der Planung mehrheitlich zugestimmt. Nach dem Widerstand einiger Gemeinderäte soll allerdings die geplante Zuschüttung des Schwimmbeckens noch einmal überarbeitet werden.


Mehr als zwei Jahre hatten die Bestandsaufnahme und die Vorplanung durch die Traunsteiner Firma Intec gedauert. Nachdem die Architektengemeinschaft Ulrich Farthofer und Christoph Scheitauer mit Sitz in Freising und Salzburg bei der europaweiten Ausschreibung den Zuschlag bekommen hatte, waren Überarbeitungen nötig. »Zudem haben wir im vergangenen halben Jahr Gespräche mit allen Nutzern, den zuständigen Fachbehörden und Projektanten geführt«, erklärte Bürgermeister Ludwig Entfellner die vermeintliche Ruhepause in der Projektentwicklung.

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Die neue Planung sieht eine Vergrößerung des Eingangsbereichs und eine Verlegung des Haupteingangs auf die linke Seite der Treppe vor. Vorgesehen sind im Erdgeschoß die Unterbringung der Achental-Tourist-Info mit drei bis fünf Arbeitsplätzen und einem kleinen Shop und des Heimat- und Geschichtsvereins mit einem Almenzentrum sowie das Mütterzentrum des Regenbogens. Das 300 Kubikmeter große Schwimmbecken soll zugeschüttet werden und darauf eine Mehrzweckhalle entstehen.

Für die Gastronomie sind 60 Plätze innen und 40 auf der überdachten Terrasse angedacht. Nach der vorläufigen Planung der Architekten soll es zunächst eine zentrale Sanitäranlage geben. Möglich sei aber noch eine zusätzliche kleine Anlage in der Gastronomie.

Das Zentrum des per Fahrstuhl erschlossenen Obergeschoßes ist ein Bürgersaal mit Foyer, Bühne und rund 200 Sitzplätzen. Außerdem sind die gewünschten Räumlichkeiten für die Unterwössener Vereine eingeplant.

Der Keller ist neben der bestehenden Kegelbahn ausschließlich der Haustechnik vorbehalten. Grundsätzlich wolle man weg vom Öl und plane zwei Pelletkessel ein, was die Heizkosten nach »einer groben Schätzung« der Planer von etwa 56 000 Euro auf 20 000 Euro reduzieren würde. Für die Außenfront sind zwei verschiedene Holzverschalungen, neue Fenster und eine Dämmung der Fassaden geplant.

Nach den Worten der Planer hätten die Vorgaben des Brandschutzes, die Statik und der Stand der Elektroanlagen »von anno dazumal« am meisten Probleme bereitet und auch die Kosten erhöht.

Die Gesamtkosten für die Umnutzung der 3550 Quadratmeter großen Fläche des alten Bades einschließlich der Außenanlagen und der Innenausstattung schätzte Architekt Ulrich Farthofer auf 6,48 Millionen Euro brutto. Die teuersten Posten sind dabei 2,86 Millionen Euro für die Baukosten, 1,63 Millionen Euro für Heizung, Sanitär und Lüftung sowie 1,04 Millionen Euro für Honorare.

Auf Anfrage von Sandra Sonntag (Wählervereinigung Bürgerkandidaten) wurde der Kostenanteil der Gemeinde auf 2,1 bis 2,5 Millionen Euro und die zu erwartenden Betriebskosten auf 50 000 bis 60 000 Euro beziffert.

Die Gesamtplanung erntete im Gremium übereinstimmend Lob. Nur mit dem gänzlichen Verschwinden des Schwimmbeckens konnten sich einige Gemeinderäte nicht anfreunden. Dr. Dieter Stein (OWG) bezeichnete das als Rückschritt, vor allem vor dem Hintergrund der guten Erfahrungen von einigen Veranstaltungen in jüngster Zeit. Auch Mathias Schweigl (CSU) sprach sich für »dieses Alleinstellungsmerkmal weit und breit« aus. Anton Aberger (CSU) sah im teilweisen Erhalt des Beckens einen möglichen Kompromiss.

Sowohl Bürgermeister Entfellner als auch die Architekten bewerteten eine variable doppelte Nutzung des Beckens von unten und oben wegen der verschiedensten technischen Vorgaben als zu kostenintensiv. Auch sei der Aufwand für eine Schließung der Decke nach Veranstaltungen im ehemaligen Becken für eine Nutzung darüber einfach zu hoch.

Unter diesen Aspekten sprachen sich Sandra Sonntag, Claudia Schweinöster (OWG) und Johannes Weber (CSU) für eine dauerhafte Schließung des Beckens aus. Letztlich erklärten sich die Architekten bereit, noch einmal nach kostengünstigen Lösungen für einen Bestand des Schwimmbeckens zu suchen.

Bis auf Sandra Sonntag signalisierten alle Gemeinderäte »ein grundsätzliches Einverständnis mit der überarbeiteten Planung«. Ihre Begründung: »Diese Formulierung ist mir zu schwammig«.

Als nächster Schritt soll nun laut Bürgermeister Entfellner die Regierung wegen der Zuschüsse an diesem Projekt eingeschaltet werden. Danach seien der Bedarf anzumelden, die Bauabschnitte festzulegen und die Finanzplanung durchzuführen bvd