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»Wir ziehen daher, so spät in der Nacht...«

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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: das Klöpfelsingen.


»Alle Jahre wieder«, so heißt ein allbekanntes Weihnachtslied, das uns die nahende Ankunft des Christkinds verkünden soll. Ebenso regelmäßig tauchen in den Wochen vor diesem Ereignis am 24. Dezember jeden Jahres Fragen auf, die den Brauch des »Klöpfelsingens« oder genauer gesagt des »Anklöpfelns«, anderswo auch »Anklöckeln« genannt, betreffen. An welchen Tagen geht man zum »Klöpfeln?«, welche Liedtexte gibt es dazu und welche Reime werden möglicherweise gesprochen? Wer oder welche Stelle gibt eine schlüssige Antwort darauf? Das ist alles gar nicht so leicht zu beantworten.

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Die Quellen, insbesondere die Termine betreffend, sind manchmal sogar widersprüchlich, was Unsicherheit sowohl bei den Brauch-Ausübenden wie auch bei den Betreuern, Eltern oder Gruppen- und Jugendleitern auslöst, ganz abgesehen von der weit verbreiteten Unsicherheit bei den mit Klöpfelliedern und Glückwunschsprüchen Bedachten. Nicht selten bekommen »Klöpflergruppen« zu hören:« Warum kommt ihr denn schon wieder – solche wie ihr waren doch erst vor ein paar Wochen da.

Gemeint sind meist die an Allerheiligen um »Süßes« bettelnden Halloween-Gestalten, die »Saueres« für den Fall androhen, dass sie nichts Süßes bekommen sollten. Das eine hat aber mit dem anderen nicht das Geringste zu tun. Was gibt man den »Klöpflern«, wenn sie an die Haustüre kommen? Geld oder Naturalien? Fragen über Fragen führen oft dazu, dass man die meistens für einen sozialen Zweck sammelnden Klöpfelkinder einfach abweist.

Bei finsterer Nacht und Kälte sind sie unterwegs

Es ist noch gar nicht so lange her, da war klar: »Kletzenbrot, Äpfel, Nüsse, Feigen, aber auch »Guatl« oder ein paar Kreuzer sind die Gegengeschenke für überbrachte Glückwünsche in Reim- oder Liedform zum Dank dafür, dass sich die »Klöpfler« bei finsterer Nacht und bei Kälte auf den Weg gemacht haben, um dem ganzen Haus Gutes für die kommende Zeit zu wünschen.

Die nicht selten geschwärzten Gesichter rühren auch heute noch daher, dass es vielfach die »Dorfarmen« waren, die sich mit dem »Klöpfelerlös« ihren sonst übers Jahr so kärglichen Essenstisch in der Adventszeit ein wenig aufbessern konnten. Wer wollte da schon als zu den »Armen im Dorf gehörig« erkannt werden? Die Klöpfelsänger gingen und gehen bei uns jedenfalls immer an den drei Donnerstagen zwischen Andreas (30. November) und Thomas (alter Thomastag am 21. Dezember) zum »Klöpfeln«. Fiel ein vierter Donnerstag in die Zeit etwa zwischen 21. und 24. Dezember , so ging man da nicht mehr zum Klöpfeln, denn, so der Volksglaube , da könnte sich der Teufel zwischen die »Klöpfler« mischen, was man keinesfalls wollte.

So beschreibt es auch der langjährige Bezirks-Heimatpfleger von Oberbayern, Paul Ernst Rattelmüller, in seinem Buch »Auf Weihnachten zua« – und nicht nur er. Rattelmüller liefert in diesem Buch auch gleich einen der zahlreichen »Klöpfelverse« mit, der da lautet: »Holla, holla, klopf o, d'Frau hat an scheena Mo. Gibt mir d'Frau an Küache zum Loh(n), weil i an Mo g'lobt ho(n). Da Peter is a heiliger Mo, der jedes Ding vergelten ko.« Als fachkundiger Autor spricht er als Klöpfelzeitraum die »Donnerstage zwischen dem ersten und dem vierten Adventsonntag« an.

Der sinnstiftende Brauch lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Waren es anfangs nur Erwachsene, die »Klöpfeln« gingen, so führten ihn später ausschließlich Kinder (nach zahlreichen Verboten durch die Obrigkeit wegen Umtreibereien und zum Teil kriminellen Auswüchsen) weiter. Das ist weithin so geblieben. Im Chiemgau und hier speziell im Landkreis Traunstein gab es da über Jahrzehnte hin eine rühmliche Ausnahme: die »Vachendorfer Klöpfelsänger«. Vier g'standene Mannerleut um Sepp Fischer, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, den »Klöpfelbrauch« in seiner schönsten Form zu pflegen und mit dem Erlös daraus einen Missionspater in Bolivien in seiner Arbeit zu unterstützen.

Sie hatten feste Plätze, in denen sie Jahr für Jahr wieder zukehrten und verkündeten, dass sie selbst zwar genug zum Leben hätten, aber eben andere nicht, und die wollten sie durch ihr »Klöpfelsingen« unterstützen.

»Iatz is halt me(h)r de Klöpfelzeit...«

Von den Vieren ist mir ein Lied in Erinnerung mit folgenden Strophen:

»Iatz is halt me(h)r de Klöpfelzeit, drum machen wir uns dran,/ wir ziehen auf die freie Weid und klopfen fleißig an,/ wir bleibn nicht vor der Türe stehn,/ wir traun uns schon ins Haus zu gehn,/ins Haus, ins Haus.

Gott Grüaß enk, Herr und Frau im Haus, wir singen Euch was vor,/ es ist jetzt nicht mehr lange aus, es steht schon vor dem Tor,/ die liabe heilig Weihnachtszeit, wo Himmel sich und Erde freut,/ ja freut, ja freut.

Darauf folgte der Spruch: Grüaß Gott liabe Hausleut, heut is de heilige Klöpfelsnacht./ Mir Klopfer san unterwegs und bringen Glück und bringen Freud – s'Christkindl is nimmer weit.

Danach ging man in die Bauernstube und sang dort zum Beispiel »A alte Prophezeihung« und andere adventliche Lieder, garniert mit feinen Flötenstückln. Abschließend gab es mit dem Verweis darauf, dass man weiter müsse, noch einen letzten Glückwunsch zum Abschied.

Wer auf der Suche ist nach Liedern und dazu passenden Informationen rund ums »Klopfageh'«, dem empfehle ich die im Jahr 2010 in der dritten Auflage vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern herausgegebene Broschüre »Wir ziehen daher, so spät in der Nacht...«. Mir ist keine ausführlichere und fundiertere Sammlung zum Thema »Anklöpfeln« bekannt. Auch das oben erwähnte »Klöpfellied« ist in verschiedenen Varianten in dieser Sammlung aufzufinden. Für einen kleinen Obulus ist das »graue Heftl« beim Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl zu haben.

Selbstverständlich gibt es zum Beispiel in Franziska Hagers »Drudnhax und Allelujawasser«, in Paul Ernst Rattelmüllers »Bairisches Brauchtum im Jahreslauf«, in Albert Bichlers »Wie's in Bayern der Brauch ist« und einigen anderen Büchern und Publikationen wertvolle Hinweise über das »Klopfergehen« früher und heute, zumeist aber mit weniger Liedtexten oder gar Melodieaufzeichnungen. fb