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»Wir wollen einen Impulsgarten, der andere inspiriert«

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Der neue Dorfgarten in Piesenhausen mit seinen kreisrund angelegten Hügelbeeten zieht großes Interesse auf sich. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Wo im letzten Jahr noch ein übliches Feld und Wiese war, sind auf einer Fläche von rund 4500 Quadratmeter an der kleinen Verbindungsstraße zwischen Grassau und Piesenhausen nun plötzlich auffällig gestaltete Beete zu sehen: In großen Kreisen angelegte Hügelbeete, in denen Salate und Gemüse wachsen.


Schon seit geraumer Zeit hatte Irmela Scheidle, Gemeinderätin von Grassau, eine Fläche in der Umgebung gesucht, wo man einen Dorfgarten für alle die anlegen könnte, die sich daran beteiligen wollen. Da traf sie zufällig den Marquartsteiner Landwirt Wolfgang Moritz, der die oben genannte Fläche verpachtet hatte und – da die Pacht Anfang des Jahres gerade auslief – gerne bereit war, das Feld für ein solches Dorfprojekt zur Verfügung zu stellen: im ersten Jahr sogar pachtfrei.

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Etwa 19 am Piesenhausener Projekt Interessierte aus allen Altersstufen sind bis heute dabei, darunter auch drei Männer. Im Februar nahm der Plan konkrete Formen an und »dann ging alles ganz schnell«, erzählt Irmela Scheidle. Unter tätiger Mithilfe von Wolfgang Moritz und täglich bis zu zehn Helfern wurde sehr viel gearbeitet. Ohne Einsatz von großen Maschinen legten die Leute Hügelbeete an. In Lagen angeordnet sind sie mit Ästen, Laub, Grasnaben, Pferdemist, Aushuberde und Humus aufgehäuft. »Wir sind ausgeschwärmt und haben die Gegend aufgeräumt«, erzählt Karin Frank von den Anfangsarbeiten. Nur der Humus musste gekauft werden, alles andere wurde zusammengesucht oder gespendet. Gleichzeitig wurden im März und April viele kleine Pflanzen hochgezogen, für die Martin Sichler aus Übersee sein Gewächshaus zur Verfügung stellte, weil die meisten Nächte noch sehr kalt waren. Auf Wunsch der Teilnehmer wurden die Beete rund angelegt, was beim Blick auf das Feld, ein ungewohnter, aber sehr schöner Anblick ist, zumal überall dazwischen Blumen wachsen.

Auf 600 Quadratmeter wurde Ende April außerdem ein Beerengarten, ebenfalls in Rundungen, angelegt. Die ersten Beeren dürften bald zu ernten sein. Dazu befinden sich im südlichen Bereich Kompostbeete.

Salate, Rettich und vieles andere kann natürlich von den Teilnehmern jetzt schon nach Herzenslust geerntet werden. Was passiert mit dem Rest? Der »Garten« ist nicht eingezäunt – wird da nicht auch von Unbefugten »geerntet«? »Natürlich gibt es auch Verluste – aber das macht uns keine Sorgen«, erklärt Organisatorin Karin Frank. Und wenn mehr wächst, als man selbst braucht? Was übrig bleibt, werde verschenkt, nicht verkauft, so Frank. »Wir wollen einen Impulsgarten, der andere inspiriert«, sagt sie und das sei bereits hervorragend gelungen. Immer wieder bleiben Menschen stehen und finden die Idee toll, sodass sie nachahmen möchten, was sie da sehen. »Unsere Idee ist es, in jedem Ortsteil so einen Garten anzulegen. Die Leute können sich von gesunden, regionalen Lebensmitteln ernähren und es sind keine langen Transportwege mehr notwendig«.

Begeistert von dem Projekt äußert sich Sonja Winnecker aus Grassau, die von Anfang an mitgearbeitet hat. »Ich habe noch nie selber einen Garten gehabt, aber immer einen gewollt. In der Gemeinschaft macht es viel Spaß und ich habe viel gelernt«.

Inzwischen gibt es eine kleine Hütte für die Gartengeräte, außerdem einen überdachten Tisch und Bänke, sodass an langen warmen Nächten, die Leute beieinandersitzen können und gemeinsam essen, was sie gepflanzt haben.

Eine größere Wasserquelle ist nicht in der Nähe, sondern nur ein kleiner Bach, der aber nur wenig Wasser führt. Doch das macht nichts: Karin Frank erklärt, dass nur bei Regenwetter oder kurz danach gepflanzt wird und wenn die Pflänzchen vollkommen mit Wasser vollgesogen seien. Außerdem halten die Schichten in den Hügelbeeten die Feuchtigkeit besser. Dazu wird viel gemulcht, indem alle paar Tage ein dünner Rasenschnitt über die Beete gegeben wird.

Wer sich über den Dorfgarten informieren oder etwas beitragen möchte, kann bei Karin Frank unter der Telefonnummer 08051/9620121 anrufen. Dankbar wäre sie für lange Stöcke, an denen sich die 400 jungen Tomatenpflanzen hochranken könnten oder für die Spende von Erdbeerpflanzen. gi