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»Wir werden versuchen, um den Tourneesieg mitzuspringen«

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Andreas Wellinger, der für den SC Ruhpolding startet, möchte auch in dieser Saison wieder ganz vorne mitmischen. Der Weißbacher Skisprung-Olympiasieger fiebert dabei besonders den beiden Saisonhöhepunkten entgegen: also der Vierschanzentournee, bei der er in der vergangenen Saison Gesamtzweiter wurde, und der Nordischen Ski-WM, bei der er 2017 in Lahti Gold mit der Mixed-Mannschaft sowie Silber von der Normalschanze und der Großschanze holte.

Er war der deutsche Überflieger der vergangenen Saison: Der Weißbacher Andreas Wellinger, der für den SC Ruhpolding startet, holte bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea sensationell Gold von der Normalschanze – ein Einzel-Olympiasieg gelang zuletzt Jens Weißflog 1994. Zudem gab's noch Olympia-Silber von der Großschanze und mit der Mannschaft. Damit war der 23-Jährige der erfolgreichste Skispringer der Winterspiele. Im Interview mit unserer Zeitung blickt Andreas Wellinger kurz zurück, schaut dann aber vor allem nach vorn und spricht über seine Ziele für die Saison.


Hallo Herr Wellinger, zum Auftakt der Weltcup-Saison sind Sie in Wisla Elfter geworden. Sind Sie mit diesem Ergebnis zufrieden?

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Andreas Wellinger: Ziel war eine Top-15-Platzierung zum Saisonstart. Mir war bewusst, dass mein Sprung noch nicht so stabil ist, um ganz vorne mitzuspringen. Platz elf ist daher okay. Mit einer besseren Landung im zweiten Durchgang wäre sogar ein Top-6-Platz möglich gewesen.

Nach Ihrer überragenden Saison mit vielen Top-Ergebnissen und drei Olympiamedaillen waren Sie zuletzt überall ein gefragter Mann. Hatten Sie denn überhaupt noch genügend Zeit, sich auf die bevorstehende Saison in Ruhe vorzubereiten?

Ein paar mehr Termine wie in den Vorjahren waren es schon, aber diese waren alle gut abgestimmt. Trotzdem konnte ich konzentriert im Sommer und im Herbst trainieren und bin motiviert, dass es jetzt endlich wieder losgeht.

Nach Olympia entbrannte im Schneizlreuther Gemeinderat gar ein Streit darüber, zu welcher Gemeinde Sie denn gehören. Was ist Ihnen denn jetzt am liebsten?

Naja, geboren bin ich in Traunstein, mein Heimatort ist Weißbach an der Alpenstraße, das zur Gemeinde Schneizlreuth gehört, und mein Heimatverein ist der SC Ruhpolding. Sagen wir es mal so, ich bin ein echter Oberbayer! Das reicht völlig aus. Und alle gemeinsam haben an meiner Entwicklung ihren Anteil.

Man hat im Frühjahr einige Surfbilder von Ihnen aus dem Urlaub gesehen. Haben Sie Ihre Akkus dabei wieder voll aufladen können?

Ja, der Urlaub hat richtig Spaß gemacht. Surfen ist meine zweite Leidenschaft und nach so einem langen Winter waren der Urlaub und das Abschalten auch nötig.

Ihr Hobby ist aber durchaus auch gefährlich. War Ihr Trainer froh, als Sie gesund und munter wieder zurückgewesen sind?

Ich versuche, mich hier richtig einzuschätzen und übertreibe es nicht mit der Größe der Wellen.

Zudem waren Sie im Sommer mit dem FC Bayern auf USA-Tour. Wie kam das zustande und was konnten Sie von dieser Tour mit den Fußballern mitnehmen?

Die Möglichkeit ist durch meinen Partner Audi und dem FC Bayern gemeinsam entstanden. Ich wollte wissen, wie die Profis des FC Bayern im Trainingsalltag vorgehen, wie ihr Umgang mit den Medien abläuft, welche speziellen und individuellen Trainingsprogramme die einzelnen Spieler haben. Bei der Reise habe ich einen sehr guten Einblick dazu bekommen und konnte mich mit einigen Spielern auch austauschen.

Wieder zurück zur neuen Skisprung-Saison: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Es gibt in dieser Saison zwei Wettkampfhöhepunkte: die Vierschanzentournee und die Nordische Ski-WM in Seefeld/Innsbruck. Aber in erster Linie arbeite ich täglich an einer sauberen Technik. Wenn das passt, kann ich immer ganz vorn dabei sein – im Weltcup und bei den Großereignissen.

Mit welchen Skispringern rechnen Sie in dieser Saison als Konkurrenten?

Evgeniy Klimov ist im Moment sehr gut drauf. Kamil Stoch wird auch immer vorne dabei sein. Auch mit den Österreichern rechne ich noch ganz stark. Und dann wird auch wieder jeder der Top-Nationen ein bis zwei Springer pro Wettkampf durchbringen.

Wie gehen Sie eigentlich mit der gestiegenen Erwartungshaltung um? Jeder erwartet von Ihnen auch in diesem Winter Top-Leistungen…

Das erwarte ich ja von mir selbst auch und das war auch schon in den vergangenen Wintern so. Ich habe Spaß an meinem Sport und wenn Top-Leistungen dabei rauskommen, ist das umso besser. Und wenn mal die anderen vorne sind, dann waren die eben besser. So ist das halt mal im Sport.

Bei der Vierschanzentournee etwa waren zuletzt immer die anderen vorn. Der letzte deutsche Gesamtsieg liegt mittlerweile schon einige Jahre zurück. Sven Hannawald sprang 2001/2002 zum Erfolg und gewann dabei als erster Springer überhaupt alle vier Springen. Es wird Zeit, dass wieder einmal ein Deutscher am Ende ganz oben steht, finden Sie nicht?

Ja, da haben Sie Recht. Ich habe im Moment das Gefühl, dass wir mannschaftlich noch stärker geworden sind. Jeder von uns muss Top-Leistungen bringen, um ins Team zu kommen. Vielleicht kitzelt das noch etwas mehr an Leistung aus einem heraus. Wir werden wieder angreifen und versuchen, um den Tourneesieg mitzuspringen.

Aber auf euch Skispringer warten wieder jede Menge Saison-Höhepunkte. Sie haben ja auch schon die Nordische Ski-WM in Seefeld/Innsbruck 2019 (angesprochen. 2017 lief es für Sie bei der WM in Lahti mit einmal Gold und zweimal Silber hervorragend. Was nehmen Sie sich für die WM-Springen in Innsbruck vor?

Entscheidend wird sein, wie gut meine Sprungtechnik zu diesem Zeitpunkt ist und wie gut der Saisonverlauf war. Es wird bestimmt eine Menge Medaillenkandidaten geben und somit wird es nicht leicht, unter die ersten drei zu kommen. Das ist aber immer ein Ziel von mir. Und über eine ganz richtig glänzende Teammedaille würde ich mich auch sehr freuen.

Und bei der Raw-Air-Tour wollen Sie sicherlich auch angreifen, oder?

Die ist erst ganz am Ende der Saison. Darüber denke ich jetzt noch nicht nach.

Die Fragen stellte: Stephanie Brenninger