weather-image
26°

»Wir waren damals beide froh, jemanden gefunden zu haben«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Elli und Ernst Jandak aus Traunreut feierten das Fest der Eisernen Hochzeit. Bürgermeister Klaus Ritter (links) gratulierte dem Jubelpaar und überbrachte Geschenke. (Foto: Mix)

Traunreut. Seit mehr als 65 Jahren gehen Elli und Ernst Jandak aus Traunreut gemeinsam durchs Leben. Am 22. Juli 1949 gaben sie sich in Traunwalchen das Ja-Wort und sind jetzt seit 65 Jahren verheiratet. Das Fest der Eisernen Hochzeit feierten sie im Kreise ihrer Familie.


Im ehemaligen Sudetenland liegt die Heimat des Jubelpaares, das sich aber erst in Oberbayern kennenlernte und zusammenfand. Elli Jandak kam nach der Vertreibung im November 1946 nach Niedling bei Traunwalchen. Ihr späterer Mann wurde 1947 aus britischer Gefangenschaft entlassen und auch ihn führte der Weg ins Dörfchen Niedling, wo sein Bruder lebte. Ernst musste nach seiner Ankunft zum Nachbarhof gehen, um sich dort ein Bett für seine Schlafstatt zu holen. Und dieses Bett überreichte ihm Elli, die ihm sogleich gefiel und den Aufenthalt in der Fremde angenehmer erscheinen ließ. Er habe sich damals gedacht »Ich hasch dich gleich«, erzählt er heute schmunzelnd. Und seine Frau fügt hinzu: »Wir waren damals beide froh, jemanden gefunden zu haben und nicht mehr allein zu sein.«

Anzeige

Geboren wurde Elli Jandak am Heiligen Abend im Jahr 1917 als Jüngstes von sieben Kindern in Winteritz, Kreis Kaaden, im Sudetenland. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte sie einen Kochlehrgang. 1938 heiratete sie ihren ersten Mann Franz Grimm. Aus dieser Ehe stammt Tochter Doris Grimm, die 1939 zur Welt kam. Dem jungen Paar war jedoch kein langes Eheglück beschieden. Der Mann fiel 1941 in der Nähe von Kiew. Seine kleine Tochter hatte er zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges Mal bei einem Heimaturlaub gesehen.

1945 musste Elli von einem Tag auf den anderen aus ihrem Haus und alles zurücklassen. Eineinhalb Jahre arbeitete sie unter schwierigsten Bedingungen in einem tschechischen Lager. Die Erinnerungen an diese harte Zeit sind bei der 96-Jährigen noch sehr klar und sie kann die schlimmen Erlebnisse nicht vergessen. Im November 1946 aus der Heimat vertrieben kam sie mit ihrer Tochter zunächst in ein Lager in Dachau und fand dann eine Unterkunft in Niedling.

Ernst Jandak war auch das jüngste von sieben Kindern und wurde 1923 in Milloschitz, im Kreis Saaz im Sudetenland, geboren. Nach der Lehrzeit als Automechaniker kam er 1940 als 17-Jähriger zur deutschen Wehrmacht und leistete seinen Kriegsdienst in Frankreich und auf dem Balkan. Die anschließende britische Kriegsgefangenschaft endete für ihn 1947 in der Nähe von Villach. Auch Ernst kam danach nicht mehr in seine Heimat zurück und kam nach Niedling zu seinem Bruder. Er arbeitete von 1947 bis 1949 in der Muna St. Georgen, wo er Giftgase und Kampfstoffe vernichten musste und schwere gesundheitliche Schäden davon trug. Im Juli 1949 heiratete das Paar und zog 1951 nach Traunwalchen. Dort kam Sohn Gerhard zur Welt. 1954 zog die Familie nach Traunreut, wo Ernst eine Anstellung bei Siemens bekam. Er blieb über 30 Jahre lang bis zur Rente in der Firma.

1962 bezogen die beiden, die sich ihr gemeinsames Leben aus dem Nichts heraus aufbauten, ihr Eigenheim an der Watzmannstraße. Dort lebt das Paar noch heute und führt trotz des fortgeschrittenen Alters den Haushalt noch selber. Sohn Gerhard mit Familie wohnt nicht weit entfernt, Tochter Doris lebt in der Nähe von Ulm. Fünf Enkelkinder und acht Urenkel bereiten Elli und Ernst Jandak große Freude. Beide sind seit 65 Jahren bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft aktiv.

Zum Fest der Eisernen Hochzeit gratulierte Bürgermeister Klaus Ritter und übergab gleichzeitig die Glückwünsche und eine Ehrenmedaille des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. mix