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»Wir verehren Maria als Mutter Gottes«

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Nicht nur im Marienmonat Mai wird die kleine Lourdes-Kapelle zwischen dem Pfarramt St. Oswald am Maxplatz und dem Drogeriemarkt zur Marienverehrung genutzt. (Foto: Hohler)

Es gibt im Landkreis Traunstein wohl keine Pfarrei, die in diesen Tagen nicht mindestens eine Maiandacht zum Gedenken an die Mutter Gottes abhält. Dabei gibt es in der Marienverehrung allein regional zum Teil große Unterschiede, berichtet Diakon Björn Wagner von der Pfarrei St. Oswald. »Das wird von jeher im ländlichen Bereich mehr gepflegt als in universitären Städten.« Denn auf dem Land habe das Mütterliche traditionell eine größere Rolle gespielt als in der Stadt, weil hier der Stellung der Mutter als Haushaltsvorstand eine größere Rolle zukomme, als derjenigen, die sich um die Kinder kümmere.


»Wir unterscheiden dabei allerdings zwischen Anbetung und Verehrung, also zu jemandem beten«, so Wagner weiter. Denn angebetet werde ausschließlich die Dreifaltigkeit, also Gott Vater, sein Sohn Jesus und der Heilige Geist. Verehrt werde Maria in der katholischen Kirche als Mutter Gottes, die zuständig sei für die emotionale Fürsorge »voller Liebe, als Lehrerin auf dem Lebensweg, als die Frau, die einen einweist in das Grundnotwendige, und die einen behütet«. Das erinnere auch immer an die »Urerfahrung unseres Lebens, die wir mit unserer eigenen Mutter gemacht haben.«

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Maria, so Wagner weiter, sei das Urbild der Heiligen. »Wir sind also marianisch, aber nicht marien-fixiert, auch wenn das von manchen übertrieben wird. Wir haben die Art Marias und verehren sie als Mutter Gottes.« Dabei verweise Maria selbst auf ihren Sohn Jesus, etwa bei der Hochzeit zu Kana, bei der Jesus Wasser zu Wein verwandelt: »Was er Euch sagt, das tut – sie verweist also auf Jesus und seine Weisungen, an die wir uns halten sollen.«

Dabei verwiesen die beiden Marienmonate Mai und Oktober jeweils auf die Wendepunkte im Jahreslauf. So bitte man im Frühjahr, wenn alles blüht, um Hilfe und eine reiche Ernte, im Oktober um den Schutzmantel als Symbol dafür, »dass Maria über uns wacht, dass wir also gut durch den Winter kommen.«

»Wenn wir das Leben Jesu ernst nehmen, kommen wir an seiner Mutter nicht vorbei«, sagt Wagner. »Maria taucht im Neuen Testament nicht sehr oft auf, aber immer, wenn es darauf ankommt, also zur Geburt an Weihnachten, an Ostern unterm Kreuz oder an Pfingsten. Sie ist zwar nicht selbst Miterlöserin, aber die Ersterlöste, die voll Erlöste. Erlösen kann nur Gott selbst. Aber sie weiß um die Freude und das Leid, das der Glaube mit sich bringt, sie kennt die ganzen Facetten des Menschlichen.«

Insofern sei es nicht verwunderlich, dass die kleine Lourdes-Kapelle in Traunstein neben dem Pfarramt St. Oswald so rege genutzt werde. »Sie wird auch von anonymen Christen angenommen. Wir verbrennen da drin jedes Jahr 50 000 Opferkerzen. Das zeigt, wie viele Menschen sich von der Mutter Gottes etwas erhoffen; vielleicht einfach, weil sie Mutter ist, also jemand, der einem ins Herz schauen kann, bei dem man das Anliegen an der richtigen Adresse weiß. Das ist etwas sehr emotionales, dem Wunsch, behütet zu sein, Raum zu geben. Wir verehren also eine starke Frau, die weiß, wie das ist, wenn alle sie verlassen wollen.« coho