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»Wir sind zu wenige und haben zu viel zu tun«

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Die Anforderung an das Personal der Kliniken Südostbayern AG, die an sechs Standorten vertreten ist, ist hoch. »Ich weiß nicht, wie das noch weitergehen soll. Wir sind zu wenige und haben zu viel zu tun«, kritisierte ein Mitarbeiter aus dem Pflegebereich. Zu wenig Personal, zu viele Aufgaben. Davon hat man auch im Vorstand bereits Wind bekommen. Es gab Personal- und Gruppengespräche. In den Kliniken, verteilt auf zwei Landkreise, soll sich nun einiges ändern, wie der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Südostbayern AG, Dr. Uwe Gretscher, dem Traunsteiner Tagblatt bestätigte.


»Unsere Pflegekräfte sind uns sehr wichtig«

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»Unsere Pflegekräfte sind uns sehr wichtig«, betonte Dr. Uwe Gretscher. Dass in der Vergangenheit nicht alles immer rund lief, das weiß auch er. Deshalb sei es nun umso wichtiger, »die Arbeitsabläufe künftig besser anzupassen«. Überall seien die Kliniken im Land mit Veränderungen konfrontiert, auch der Klinikenverbund mache da keine Ausnahme.

Neben der Kreisklinik Bad Reichenhall und der Kreisklinik Berchtesgaden, gehören auch die Kliniken in Freilassing, Ruhpolding und Trostberg sowie das Klinikum in Traunstein zu dem Verbund. Das sind sechs Häuser, mehrere Tausend Angestellte, darunter einige, denen die aktuelle Situation über den Kopf wächst. Denn das Arbeitspensum wird momentan nicht weniger. »Es gibt immer mehr zu tun, oft Dinge, die nicht dem entsprechen, um was wir uns kümmern sollten«, so eine enttäuschte Mitarbeiterin aus Freilassing. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats und Landrat im Berchtesgadener Land, Georg Grabner, gab zu, dass es an Standorten »geknirscht hat« und die Prozesse nun sukzessive optimiert werden müssten. »Wir haben riesige Herausforderungen zu bewältigen.«

Unterstützung sollen die Pflegekräfte in den sechs Häusern von insgesamt 100 zusätzlichen Serviceassistenten bekommen. 64 wurden schon eingestellt, die anderen werden noch folgen. Diese sollen Aufgaben übernehmen, mit denen aktuell Pflegekräfte gebunden sind und sich deshalb nicht vollständig ihren eigentlichen Tätigkeiten widmen können, wie etwa Röhrchen ins Labor bringen.

Die Teams im Pflegebereich sind dafür deutlich zusammengeschrumpft. Einzelne Schichten werden mit zunehmend weniger Kräfteressourcen gefahren, als noch vor einigen Jahren. »Wir haben einfach über unsere Verhältnisse gelebt und uns zu viele Mitarbeiter geleistet«, gestand Uwe Gretscher mit Blick auf die Vergangenheit. Viele Stellen wurden daher nicht nachbesetzt, innerhalb der Kliniken wurde das Personal versetzt, Arbeitsabläufe wurden umstrukturiert. Doch die Personalkosten seien ausschlaggebend, »die sind bei uns noch zu hoch«, sagte Dr. Gretscher.

»Unser Personal soll vernünftig arbeiten können«

»Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass unser Klinikenverbund eine hervorragende Zukunft haben kann. Allerdings müssen wir alle an einem Strang ziehen, uns neu ausrichten und mit verbesserten Strukturen in die Zukunft gehen«, betonte der Vorstandsvorsitzende. Denn klar sei auch: »Ein Gesundheits- und Krankenpfleger will auch vernünftig arbeiten können.« In rund ein bis zwei Jahren sollten die Arbeitsabläufe soweit optimiert sein, sodass die schlimmste Zeit vorüber sei.

Baustellen gebe es in den Kliniken aber noch einige. Etwa das Thema Dokumentation. »Aktuell dokumentieren wir auf Papier und elektronisch«, sagte Uwe Gretscher. Ein Zeitaufwand, der zu Lasten der Mitarbeiter und schließlich auch der Patienten gehe. »Entweder Papier oder elektronisch«, sagte er. Naheliegend sei die elektronische Patienten-Dokumentation, da dies einfacher sei und am wenigsten Zeit beanspruche. »In dieser Hinsicht müssen wir noch viel Geld in die Hand nehmen und konsequent an Ergebnissen arbeiten«, sagte er. Zudem mache es beispielsweise auch wenig Sinn, wenn alle Patienten auf einmal um eine bestimmte Uhrzeit einberufen würden.

»Prozesse und Abläufe« – diese beiden Worte fallen häufig im Gespräch. Mit deren Optimierung geht der Erfolg des Klinikverbunds und die Zufriedenheit der Mitarbeiter einher. »Wir versuchen mit allen Mitteln, unser Schiff wieder flott zu kriegen«, sagte Landrat Georg Grabner. kp

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