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»Wir sind wie vor den Kopf gestoßen«

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Das Dach der Franz-Eyrich-Halle ist wieder so gut wie schneefrei: Der Turnverein ließ es gestern räumen. (Foto: Schwaiger)

Traunstein – Der Turnverein (TV) Traunstein hat gestern das Dach der Franz-Eyrich-Halle räumen lassen. Die Schneelast hatte einen kritischen Wert erreicht. Doch das ändert nichts daran, dass die Halle abgeriegelt bleibt. TVT-Vorsitzender Rudolf Belser versucht darum mit Hochdruck, Ersatzräume für das Training von rund 500 Aktiven zu beschaffen. Im Verein ist die Aufregung wegen der von der Stadt kurzfristig diktierten Schließung der Halle derweil noch groß.


»Ich kann nicht jemandem die rote Karte zeigen, ohne dass er ein Foul begangen hat«, sagt Vorstandsmitglied Dr. Georg Thurmayr und spielt damit auf die Tatsache an, dass der Verein über sieben Jahre lang zuverlässig die Schneelast auf dem Dach der Franz-Eyrich-Halle im Blick hatte. Wenn es drohte, gefährlich zu werden, dann habe man das Dach immer rechtzeitig räumen lassen.

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»Wir wollen keinen Einsturz riskieren«

So wie gestern Vormittag. Rund 20 Zentimeter Schnee lagen da laut Vorsitzendem Rudolf Belser auf dem Dach. Langsam zu viel laut einem Gutachten aus dem Jahr 2007, auf das sich die Stadt Traunstein jetzt beruft. Der Turnverein als Besitzer des fast 100 Jahre alten Gebäudes hatte es in Auftrag gegeben. In dem Gutachten heißt es, dass das Dach eine maximale Schneelast von 75 Kilogramm pro Quadratmeter aushält.

»Wir wollen ja trotz Schließung keinen Einsturz riskieren«, erklärte Belser im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Er selbst versucht die abrupte Schließung der Halle inzwischen »entspannt« zu sehen. »Leben zu gefährden, das wollen wir auf keinen Fall«, sagt der Vereinsvorsitzende. Er ist jetzt damit beschäftigt, Ersatzräume zu finden, in denen die zahlreichen Trainingsstunden stattfinden können. Rund 500 Aktive des Vereins trainierten bis Anfang der Woche regelmäßig in der Franz-Eyrich-Halle; von Montag bis Freitag zwischen 16.30 und 21 Uhr beziehungsweise 22 Uhr war die Halle durchgehend belegt.

Das Landratsamt, so Belser, habe ihm bereits eine schnelle Lösung zugesagt. Er selber schätzt, dass sich alles innerhalb der nächsten Woche regeln lässt und die Aktiven dann wieder mit dem Training beginnen können. Wo, das ist noch nicht klar, wahrscheinlich ist aber wohl, dass die TVT-Mitglieder in eine Turnhalle des Landkreises ausweichen werden, vielleicht in die der Förderschule. Die war dem Verein nämlich schon einmal als Ersatz angeboten worden.

Leichter zu lösen sei dagegen das Problem mit den Schulsportstunden gewesen, die in der Franz-Eyrich-Halle über die Bühne gegangen seien. Die betroffenen Schüler des Annette-Kolb-Gymnasiums und der Mädchenrealschule Sparz ziehen jetzt in die angebaute Kurt-Binder-Halle um. Für drei Schulstunden sei die Halle zwar mit zwei Schulklassen belegt, aber auch da ließe sich unkompliziert eine Lösung finden, so Belser. »Entweder geht eine Klasse in den sogenannten Ringer-Keller im Untergeschoß oder wir ändern den Belegungsplan.«

Ganz so entspannt wie Belser sieht sein Vorstandskollege Georg Thurmayr die Situation nicht. »Mich ärgert die Arroganz der Stadt«, sagt er. Er hätte erwartet, dass die Stadt sich mit den Verantwortlichen des Vereins zusammensitzt – und nicht im Alleingang eine Entscheidung trifft. Mit seiner Meinung sei er nicht alleine. »Im Verein herrscht blanke Verwunderung«, sagt er. Und: »Wir sind wie vor den Kopf gestoßen.«

»Das ist kein Miteinander, sondern ein Gegeneinander«

Was Thurmayr besonders ärgert: Als er und ein paar andere TVTler am Dienstagabend an einem anderen Ort trainieren wollten, konnten sie nicht mal mehr die dafür nötigen Gerätschaften aus der Halle holen. »Das ist alles wirklich unglaublich schlecht organisiert«, schimpft er mit Blick auf die Entscheidungsträger in der Stadt. »Das ist kein Miteinander, sondern ein Gegeneinander.«

Er wünscht sich von der Stadt eine Entscheidung mit Augenmaß: keine pauschale Sperrung, sondern eine Sperrung, wenn es die Schneelast nötig macht. Der Vereinsvorsitzende Rudolf Belser glaubt nicht mehr daran, dass die Franz-Eyrich-Halle dem Verein in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen wird. Aber er will mit der Stadt zumindest darüber verhandeln, die Schließzeit zu verkürzen. Laut Anordnung der Stadt soll die Halle bis 15. April geschlossen bleiben. »Wir wollen eine frühere Öffnung – zumindest wenn es das Wetter zulässt«, so Belser. san