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»Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen«

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Auf einigen Almen wird wegen der langhaltenden Trockenheit das Wasser für die Tiere knapp, so dass Wasser vom Tal auf die Almen gebracht werden muss.

Blauer Himmel, 30 Grad und mehr und wochenlang war kein Regen in Sicht – was die vielen Urlauber in der Region freut, stellt dagegen die Landwirte im Chiemgau zunehmend vor ein Problem. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich bei Landwirten umgehört:


Die Almbäuerin

»Bis vor zwei Wochen war es noch ok, aber jetzt haben wir das Limit erreicht«, so lautet das Fazit von Bezirksalmbäuerin Maria König aus Schleching. Das Limit bedeutet, dass Königs schon seit Tagen die Jungtiere auf der vorderen und hinteren Dalsenalm im Schlechinger Ortsteil Mühlau mit zusätzlichem Wasser aus dem Tal versorgen müssen. Bis zu zwei Mal am Tag fahren sie hinauf, um die Tränken für die Tiere zu füllen, damit diese genug zu saufen haben. Die Quelle auf der Alm gibt nicht mehr genug Wasser, ist nur noch ein Rinnsal.

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Derzeit stehen noch rund 70 Tiere von sieben Bauern auf den beiden Almen. Doch nächste Woche werden die ersten elf Tiere – so genanntes Pensionsvieh, das anderen Bauern gehört – abgeholt. »Normalerweise geht die Almsaison bei uns bis Anfang Oktober, aber so lange werden wir die Tiere wohl nicht mehr auf der Alm halten«, sagt König. Denn auch das Futter wird knapp, weil sich die Almweiden wegen der anhaltenden Trockenheit nicht mehr erholen.

»Die erste Hitzeperiode Ende Juli, Anfang August haben wir noch gut weggesteckt, jetzt wächst einfach nichts mehr nach«, konstatiert die Bezirksalmbäuerin. Es müsste dringend regnen. Dennoch möchte König nicht klagen, denn mit finanziellen Einbußen haben sie wohl nicht zu rechnen.

Der Kreisobmann

»Wir sind im Landkreis Traunstein noch mit einem blauen Auge davon gekommen«, sagt Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer aus Stein an der Traun; auch wenn der Hitzesommer den Landwirten im Landkreis sehr verschieden zu schaffen macht. Es sei zum Teil von Ortschaft zu Ortschaft ein großer Unterschied festzustellen, weiß Siglreithmayer. Im südlichen Landkreis Traunstein habe es zur rechten Zeit immer wieder ein größeres Gewitter oder einen länger anhaltenden Regenschauer gegeben. Im nördlichen Landkreis hingegen schaue es deutlich schlechter aus, gerade in den Ortschaften Kienberg, Engelsberg oder Schnaitsee hätten die Bauern mit der Trockenheit deutlich mehr zu kämpfen, so dass auch das Futter knapp werde. Vor allem der Grünschnitt habe unter dem fehlenden Regen gelitten.

Bemerkenswert sei, dass die Ernte in diesem Jahr zwei bis drei Wochen früher dran sei als normal. Beim Mais rechnet der Kreisobmann man mit einem passablen Ertrag, auch wenn die Kornausbildung nicht ganz so gut ist in diesem Jahr. »Wir erwarten aber dennoch eine vernünftige Masse, die als Futtermais taugt«, so Siglreithmayer. »Ein schöner Landregen wäre gut«, sagt der Kreisobmann, dann wäre auch der letzte Grünschnitt noch zu retten und eine gute Zwischenfruchternte.

Der Forstbetriebsleiter

Die größte Überraschung für die Fortswirte im Landkreis war in diesem Sommer, dass es ein weit weniger schlimmes Borkenkäfer-Jahr als befürchtet wurde. »Nach dem heißen April haben wir eigentlich mit starkem Befall gerechnet«, sagt Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller von den Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding. Vor allem die Bergwälder seien deutlich besser davon gekommen, als es im Frühjahr zu erwarten war. Entwarnung könne aber dennoch nicht gegeben werden. »Wie sich der Hitzesommer in diesem Jahr auf die Borkenkäferentwicklung im nächsten Jahr auswirkt, werden wir erst im Frühjahr 2019 abschätzen können«, so Höglmüller.

Die lange Hitzeperiode habe die Bergwälder gestresst, das lasse sich an vielen Stellen sehen. Etwa an den Buchen, denen Hitze und Trockenheit stärker zusetzen. Deren Laub habe sich schon jetzt wie im Herbst verfärbt, »ein deutlicher Trockenschaden«. Von einem »epochalen« Ausmaß sei man aber weit entfernt. Problematisch sei es viel mehr, wenn sich diese lang anhaltenden Hitzeperioden regelmäßig wiederholen. »Das würde dem Buchenbestand in den Bergwäldern nachhaltig schaden.«

Für die Zukunft heißt das Paradigma: weg von der Monokultur hin zum gesunden Bergmischwald aus Fichte, Tanne und Buche. Der Anteil von Laub- und Nadelbäumen soll bei je 50 Prozent liegen. Vor allem den Anteil an tiefwurzelnden Tannen wolle man weiter erhöhen, von derzeit 10 auf bis zu 15 Prozent. Die Prognosen bestätigen diesen Ansatz. »Im Bergland müssen wir nicht mit fremdländischen Baumarten rechnen, der Niederschlag wird wohl auch künftig noch für heimische Baumarten ausreichen«, so Höglmüller.

Der Veterinär

Gute Nachrichten hat auch Dr. Wolfgang Käsweber vom Veterinäramt in Traunstein: Den Fischen in den heimischen Gewässern geht es gut. »Wir hatten bisher einen Verdachtsfall für ein Fischsterben, der sich aber nicht bestätigt hat«, so Käsweber. Da die Nächte zunehmend kühler werden, entspanne sich die Situation an den Gewässern auch merklich. »So lange es Stellen in den Flüssen, Seen und Weihern gibt, die tief genug sind, damit sich die Fische dorthin zurückziehen können, besteht keine Gefahr für die Fische.« vew