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»Wir sind keine verstaubte Angelegenheit«

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Traunreut. Die Landesdelegiertenversammlung der Landsmannschaft Schlesien fand in Traunreut statt. Höhepunkt der zweitägigen Tagung war die Ansprache des erst im Herbst neu gewählten Bundesvorsitzenden Stephan Rauhut. Dieser sprach über die Ziele und Aufgaben der Landsmannschaft, die unter seiner Leitung mit ganz neuem Schwung auftritt und künftig in der Öffentlichkeit mehr präsent sein will.


Stephan Rauhut betonte: »Ohne effiziente Bundeslandsmannschaft droht Schlesien in der Bundesrepublik Deutschland in Vergessenheit zu geraten und das Bild und die Geschichte Schlesiens im heutigen Polen verfälscht zu werden.« Der Bundesvorsitzende will erreichen, dass die schlesische Jugendorganisation wieder neu belebt wird. Die Enkel der noch von der Vertreibung betroffenen Generation hätten heute wieder mehr und mehr Interesse an der alten Heimat und der Geschichte der Vorfahren. Durch den Einsatz der neuen Medien und Präsenz in den sozialen Netzwerken wolle er zeigen, dass die Landsmannschaft keine verstaubte Angelegenheit ist. »Wir sind mitten drin im Leben, wir leben Europa und bewahren etwas sehr Wertvolles, nämlich unser Kulturerbe«, so der Vorsitzende. Seit seinem Amtsantritt habe er bereits zahlreiche Gespräche geführt mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft und damit die Landsmannschaft wieder ins Bewusstsein gerufen.

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Zusammen mit der Schwesterlandsmannschaft der Oberschlesier will Rauhut außerdem den früheren ständigen Rat der ostdeutschen Landsmannschaften wiedergründen, um damit in Europa wieder ein stärkeres Gewicht zu erlangen. Insgesamt geht es dem neuen Bundesvorsitzenden vor allem darum, das Auftreten der Landsmannschaft so zu gestalten, dass deren Anliegen besser wahrgenommen werden: »Öffentlichkeit und Politik müssen dazu gebracht und dafür begeistert werden, dass sie sich von sich aus für Wahrheit und Gerechtigkeit für Schlesien und die Schlesier einsetzen. Die deutsche Volksgruppe in Schlesien muss durch uns und die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik eine Stärkung erfahren, damit ihr Überleben gesichert ist.«

Goethe habe Schlesien einmal »ein zehnfach interessantes Land« genannt. Und auch heute hat es nach Meinung der Landsmannschaft nichts von seiner Faszination verloren. Die ersten und damals lebenswichtigen Ziele der Landsmannschaft der Schlesier waren nach dem Zweiten Weltkrieg die Eingliederung der vertriebenen Schlesier in die westdeutsche Gesellschaft und die Überwindung der ärgsten Nöte nach der Vertreibung wie Besorgung von Arbeit, Wohnung, Brot. Als zweite Säule ihrer Arbeit sah die Landsmannschaft in den Anfangszeiten die Mitwirkung an der politischen Arbeit mit dem Ziel der Rückkehr Schlesiens zu Deutschland und der persönlichen Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat. Diese Rückkehr sei längst nicht mehr machbar oder Stoff von Diskussionen. Inzwischen konzentriere sich die Landsmannschaft darauf, die Kultur Schlesiens zu erhalten und die Geschichte immer wieder in Erinnerung zu rufen. Denn die ehemalige Provinz des Deutschen Reiches habe viele bedeutende Wissenschaftler hervorgerufen und große technische Erfolge gefeiert.

»Nicht nur die Schlesier haben ihre Heimat verloren, ganz Deutschland hat etwas verloren«, erklärte deshalb der Landesvorsitzende in Bayern Christian K. Kuznik. Mit ein Ziel der Landsmannschaft sei es, Schlesien als Reiseland in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Schlesien, so zählte Christian Kuznik auf, biete sehr viel Abwechslung mit Hochgebirge, der wunderbaren Oder-Ebene, zahlreichen Kurbädern, vielen Kulturdenkmälern und Breslau, der früher zweitgrößten Stadt des Deutschen Reiches. Auf dieser Basis hoffen die Verantwortlichen auch den ständigen Rückgang der Mitgliederzahlen zu stoppen und eventuell wieder junge Menschen für die Idee gewinnen zu können. Denn im Laufe der vergangenen mehr als 60 Jahre, seit die Gründung der Landsmannschaft Schlesien von Bayern ausging, habe man sich immer mehr von einem Massenverband hin zu einem »engagierten Freundeskreis des Kulturraums Schlesien« entwickelt. mix