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»Wir sind Integration«

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In diesem Gebäudetrakt der Carl-Orff-Grundschule Traunwalchen werden ab September 16 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge einziehen. Die 14- bis 18-Jährigen werden dort vorerst für ein Jahr betreut. (Foto: Rasch)

Traunreut – 16 minderjährige Flüchtlinge werden Anfang September in der Carl-Orff-Grundschule in Traunwalchen untergebracht. Bei den 14- bis 16-jährigen Buben, die ohne Eltern aus Bürgerkriegs-Ländern flüchteten, handelt es sich um Jugendliche, die bereits in Unterkünften in Rosenheim oder München gewesen sind und alle Untersuchungen durchlaufen haben. In der Übergangseinrichtung soll ihnen zunächst für ein Jahr die Chance eingeräumt werden, ein menschenwürdiges Leben zu führen.


Die Schule sieht das »Projekt« positiv und hat signalisiert, ihre neuen Nachbarn zu unterstützten. Wie Schulleiterin Christiane Makulik bei einer Informationsveranstaltung in der Aula der Schule erklärte, stehe sie als Schulleiterin der Sache offen und positiv gegenüber. Als Schulleiterin sei es aber ihre Pflicht, das Wohl der Schüler und des Kollegiums zu wahren: »Wir werden unsere Mitmenschen unterstützen aber nicht auf Kosten unserer Kinder«, so Makulik.

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Die Schüler seien nach Angaben der Schulleiterin über ihre neuen Nachbarn bereits informiert worden und hätten zum Beispiel sich auch gleich gefragt: »Dürfen wir mit ihnen auch Fußball spielen?« Das löste bei Heinz Schätzel, dem Geschäftsführer der Jonathan-Jugendhilfe, welche dieses einjährige Projekt betreut, Freude aus. »Wir sind dankbar für jede Unterstützung«, sagte Schätzel. Es liege ihm am Herzen, die Jugendlichen, die viele Wege hinter sich hätten, die nicht schön gewesen seien, auch in den Vereinen zu integrieren. So habe sich beispielsweise der TSV Stein - St.Georgen spontan bereit erklärt, Tischtennis-Platten zur Verfügung zu stellen. Aus seinen Erfahrungen heraus seien die Jugendlichen dankbar, höflich und nicht zuletzt sehr lernwillig. Die Jonathan-Jugendhilfe stellt für die Übergangseinrichtung in Traunwalchen zwei Mitarbeiter ab, die die Jugendlichen täglich von 8 bis 20 Uhr betreuen. Unterstützt werden die Betreuer von zwei Hauswirtschaftskräften und nachts gibt es einen Sicherheitsdienst und eine Rufbereitschaft. Für die minderjährigen Flüchtlinge soll ein fester Tagesablauf gestaltet werden.

Nach Angaben von Norbert Wolff vom Jugendamt Traunstein werden vormittags Deutschkurse durchgeführt und nachmittags und an den Wochenenden wird es ein pädagogisches Freizeitangebot geben. Man sei auch um jede Hilfe aus der Bevölkerung dankbar und auf Hilfe von Helferkreisen angewiesen.

In Traunreut befindet sich das Netzwerk »Asyl« gerade im Aufbau. Nach Angaben von Rosl Hübner, die zusammen mit Stadträtin Helga Zembsch und Gleichgesinnten das Netzwerk organisiert und betreut, wollen sich sogenannte »Kümmerer« um die Grundbedürfnisse der Asylbewerber annehmen. Bürger, die Bekleidung oder Wäsche für die Jugendlichen zur Verfügung stellen möchten, können sie beim Evangelischen Gemeindeverein Traunreut, bei der »Tafel« oder bei der »Brücke« abgeben.

Für die Unterbringung in Traunwalchen werden vier Klassenzimmer zur Verfügung gestellt. Die Räume teilen sich auf in Schlaf- und Gemeinschaftsräume (»Schulraum«, Aufenthaltsraum). Es wird auch eine separate Küche geben und im Moment werden vier Duschen eingebaut. Toiletten sind ausreichend vorhanden und es soll auch einen separaten Eingang geben, hieß es. Um die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen, müssen allerdings zwei Klassen in andere, freistehende Klassenzimmer umziehen. Das hat zur Folge, dass die Schule, bedingt durch kleinere Klassenzimmer, etwas zusammenrücken muss.

Bürgermeister Klaus Ritter, der eingangs auch auf den Notfallplan des Landkreises Traunstein einging – wie berichtet, werden im Laufe der nächsten Woche in der Landkreisturnhalle in Traunreut voraussichtlich für sechs Wochen 150 Flüchtlinge untergebracht – hofft auf die Unterstützung der Traunwalchner Bevölkerung und ist sich sicher: »Wir können das, weil wir Integration seit Jahren bis tief in die Familien hinein leben. Wir sind Integration.«

»Geben Sie den Kindern eine Chance, hier anzukommen«

Unter den Besuchern des Informationsabends waren einige, die wissen wollten, wie sie sich einbringen und die Jugendlichen unterstützen können. Eine Besucherin hatte eine ganze Liste an Ideen mitgebracht. Der Diskussion in der voll besetzten Aula war aber auch zu entnehmen, dass nicht alle der neuen Situation aufgeschlossen gegenüberstehen und vor allem bei den Schülereltern gewisse Ängste vorherrschen. Die beiden Betreuer, die in Traunwalchen tätig sein werden, Germain Bennet (Projektleiter) und Georg Westermann (Bereichsleiter) sowie Norbert Wolff versuchten den Ängsten und Vorurteilen entgegenzutreten. »Geben Sie den Kindern eine Chance, hier anzukommen.« Wenn sich die Kinder sicher fühlen, seien sie eine Bereicherung und keine Bedrohung, sagte Wolff. Eine Besucherin bezweifelte, dass eine Grundschule der richtige Ort für Jugendliche sei. »Ich habe Angst, dass dabei unsere Kinder untergehen«, befürchtete sie. Andere wollten wissen, wer im Falle einer Beschädigung durch die jugendlichen Flüchtlinge für den Schaden aufkommt, wo sich die Security-Person aufhält und ob es einen separaten Eingang gebe. Befürchtungen wurden auch laut, dass das Schulgebäude bald ganz von Asylbewerbern vereinnahmt und die Schule als solche sogar aufgelöst werde.

Schule »wichtiges Standbein«

Bürgermeister Ritter bekannte sich dazu ganz klar: »Es geht gar nicht ohne die Traunwalchner Schule«. Die Schule sei ein wichtiges Standbein. »Wir brauchen die Schule.« Auf weitere Anfrage teilte er mit, dass der Stadtrat noch keine konkrete Entscheidung bezüglich einer Sanierung der Schule getroffen habe. Eine Konzeption und eine Planung würden zwar laufen, aber von einer Sanierung sei bislang keine Rede. Ein Besucher hatte dazu kritisiert, im Stadtrat sei diskutiert worden, dass die Gebäudeteile, in denen jetzt die jugendlichen Flüchtlinge untergebracht werden, unbedingt saniert werden müssten, um gegebenenfalls die Vereine dort unterzubringen. Nach Aussagen des Bürgermeisters sei die Schule in Traunwalchen die einzige Möglichkeit gewesen, um im Stadtgebiet auf die Schnelle Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. ga