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»Wir sind für den Notfall gerüstet«

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Im Notfall könnte der Landkreis Traunstein binnen 48 Stunden 50 Flüchtlinge in der alten AKG-Turnhalle unterbringen.

Traunstein – »Wir werden alles dafür tun, dass wir den Winternotfallplan nicht brauchen«, betonte Landrat Siegfried Walch im Ausschuss für Gesundheits- und Flüchtlingsfragen (wir berichteten). Denn es sei nicht zielführend, die Flüchtlinge in einer Turnhalle unterzubringen. Trotzdem sei er glücklich, »dass wir jetzt eigentlich nur auf einen Knopf drücken müssen und das Ganze läuft innerhalb von 48 Stunden.«


Christian Nebel, der Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt, stellte den bis ins Detail ausgearbeiteten Notfallplan vor: Die Entscheidung sei auf die AKG-Turnhalle gefallen, weil sie logistisch sehr günstig liege. Christian Nebel nannte die zentrale Lage in Traunstein und die Nähe zum Landratsamt – »die Flüchtlinge haben viele Fragen«. In der Turnhalle könnten in kürzester Zeit 50 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Küche des Traunsteiner Krankenhauses würde für die Asylbewerber kochen, den Transport und die Essensverteilung würden das Rote Kreuz und die Malteser übernehmen, sagte Christian Nebel.

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»Ein sehr komplizierter Planungsprozess«

Außerdem stehe man in Kontakt mit verschiedenen Ärzten – »auch ausländischen, die die Sprache sprechen« – die sich um die medizinische Versorgung kümmern würden. Die AKG-Turnhalle würde in verschiedene Bereiche unterteilt, wie Behandlungsräume, Aufenthaltsraum oder Schlafplätze für Frauen und Männer. »Das war ein komplexer Planungsprozess«, sagte Christian Nebel. »Doch jetzt können wir sagen: Wir sind für den Notfall gerüstet«.

Alexandra Obermaier informierte über die Arbeit des Jobcenters Traunstein: »Wir betreuen derzeit 50 Flüchtlinge, der Großteil kommt aus Syrien«, sagte sie. Die meisten von ihnen seien derzeit in einem sogenannten Integrationskurs, »wo sie die deutsche Kultur, Religionsfreiheit und die deutsche Sprache kennenlernen«. Denn das sei das A und O, um erfolgreich eine Arbeit zu finden.

Alexandra Obermaier ging auch auf die Probleme ein, die das Jobcenter hat. »Was macht uns das Leben schwer?«, fragte sie – und nannte als erstes die fehlenden Sprachkenntnisse der Menschen. Außerdem sei es oft schwierig, herauszufinden, wie der Lebenslauf der jeweiligen Person aussehe und welche – auch in Deutschland verwertbaren – Qualifikationen er oder sie hat. »Vieles wird ja bei uns nicht anerkannt«, erklärte Alexandra Obermaier. Außerdem sei es schwierig, geeignete und bezahlbare Wohnungen für die Menschen zu finden. Dazu kämen die psychischen Beeinträchtigungen durch die schlimmen Erlebnisse. »Sie haben oft Angst, was mit ihnen passiert. Vor allem Syrer haben sehr schlechte Erfahrungen mit dem Staat gemacht. Die sind oft total gehemmt bei uns.« Außerdem sei es für viele unmöglich, sich auf die Arbeitssuche zu konzentrieren, wenn die Familie noch im Krisengebiet ist. »Die haben den Kopf verständlicherweise ganz woanders«, sagte Obermaier. Sie konnte aber auch eine positive Geschichte erzählen: »Wir haben einen jungen Mann, der macht gerade sehr erfolgreich seine Maurerlehre.«

Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

Zum Hintergrund: Asylbewerber, die in der Bundesrepublik Deutschland einen Asylantrag stellen, beziehen während des Verfahrens Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Diese werden von den kreisfreien Städten und Landkreisen erbracht. Wenn der Asylantrag bewilligt wurde, dann besteht Anspruch auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. Zuständig hierfür sind die Jobcenter.

Derzeit gebe es im Landkreis Traunstein 39 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland geflüchtet sind, sagte Franz Feil, der Leiter des Jugendamts Traunstein. In Traunreut würden 16 junge Flüchtlinge betreut, in Ruhpolding sechs und beim Diakonischen Werk in Traunstein acht. »Für die Jugendämter bedeutet dies eine enorme Belastung«, sagte Franz Feil. Auch er berichtete von sprachlichen und kulturellen Problemen – und einer starken Traumatisierung. Trotzdem seien die meisten Jugendlichen sehr motiviert. »Sie wollen etwas lernen und zur Schule gehen.«

Für das nächste Jahr rechnet Feil mit deutlich mehr minderjährigen Flüchtlingen. »Wir werden um die 80 Plätze belegen müssen. Das ist für die Jugendhilfe eine große Zahl.« KR