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»Wir sind ein sehr innovativer Verband«

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Traunreut. In der Mitgliederversammlung des Diakonischen Werks Traunstein gaben die Bereichsleiter ihre Berichte über das vergangene Jahr ab und erstellten gleichzeitig Prognosen für die Zukunft. Die Mitglieder hatten zudem die Möglichkeit, das Wilhelm-Löhe-Gelände in Traunreut kennenzulernen und die beiden neu gebauten Kinder-Häuser des Heims zu besichtigen.


Margarete Winnichner sprach über die Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe, einen sehr vielfältigen Bereich, der zahlreiche Angebote umfasst. Gemäß dem diesjährigen Diakonie-Motto stellte die zweite Vorsitzende fest: »Jugendhilfe macht Sinn.« Das sei immer dann der Fall, wenn Eltern einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen oder ein öffentlicher Träger einen Hilfebedarf feststelle. Im Rahmen der Versammlung führte sie die Teilnehmer durch das Gelände des Wilhelm-Löhe-Zentrums und zeigte ihnen die beiden neuen Häuser, die erst vor wenigen Wochen bezogen worden waren. Dort habe nun jeder Bub und jedes Mädchen ein Einzelzimmer und somit mehr Privatsphäre. Nach und nach sollen in den kommenden Monaten und Jahren die älteren Häuser des Heims aus den 1970er Jahren saniert werden und auch dort Einzelzimmer anstatt der bisher üblichen Doppelzimmer entstehen. Derzeit wohnen 88 Kinder und Jugendliche ab einem Alter von vier Jahren im Wilhelm-Löhe-Heim, wo sie bei Bedarf bis zum Erwachsenenalter bleiben können.

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Neues Förderprogramm für Frühchen

Winnichner berichtete, dass die Hilfen immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden müssten und man sich auch mal von etwas verabschieden müsse, so wie die Jugendberatung. Diese hat die Diakonie in Absprache mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie in Traunstein Anfang 2014 eingestellt, da sie an Dringlichkeit verloren hatte.

Sehr gut liefen »ALimA« Arbeiten und Lernen im Ausland für Alleinerziehende und »Integration durch Austausch IdA« mit Auslandsaufenthalten im Bereich Jugendhilfe, in denen junge Menschen für das Berufsleben fit gemacht werden sollen. Daneben gebe es neu »Wohnen für Mutter und Kind« in Traunstein, ein besonderes Förderprojekt für Frühchen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen, und demnächst werde eine Gruppe für konduktive Förderung eröffnet, die aus einer Elterninitiative heraus entstand. »Wir sind ein sehr innovativer Verband«, fasste Margarete Winnichner zusammen und betonte auch, dass die Vernetzung verschiedener Angebote in der ganzen Region wichtig sei.

Über zunehmende Probleme in der Seniorenhilfe sprach Bereichsleiter Kurt Schmoll, der feststellte: »Wir brauchen dringend mehr qualifizierte Pflege- und Betreuungskräfte. Hier kommt ein Problem auf uns zu, das mir wirklich Angst macht.« Der Schlüssel für Betreuungspersonal in Altenheimen sei mit den Anforderungen und zu erledigenden Aufgaben nicht vereinbar und Reformen müssten auch mit den Trägern abgesprochen werden, die schließlich am besten wissen, was notwendig ist. In einer schwierigen Situation seien die ambulanten Dienste, wobei Kurt Schmoll jedoch klar betonte: »Wir brauchen die ambulante Pflege.« Hohe Anforderungen an die Dienste, die nicht angerechnet werden und finanziell nicht abgedeckt sind, führten dazu, dass immer mehr aufgeben müssen. Wie die ambulante Pflege auch in Zukunft wirtschaftlich zu betreiben sein wird, sei eines der großen Themen in der Altenpflege der kommenden Jahre.

Zahl der Asylsuchenden ist angestiegen

Zur Situation der Asylarbeit im Dekanat nahm Robert Münderlein Stellung, Fachbereichsleiter für Soziale Dienste. In den vier Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting sei die Zahl der Asylsuchenden inzwischen auf über 1200 gestiegen. »Die soziale Betreuung kommt langsam ins Laufen, es tut sich was«, stellte der Bereichsleiter fest. Die im Oktober 2013 gestartete Sozialberatung für Asylsuchende der Diakonie zusammen mit kirchlichen Initiativen und ehrenamtlichen Helfern sei auf einem guten Weg, um bessere Bedingungen für Flüchtlinge zu schaffen. Dringend notwendig seien jedoch weitere Stellen in der Sozialberatung, deren Genehmigung noch ausstehe. Münderlein merkte an: »Unsere Sozialberatung versucht das Zusammenleben innerhalb und außerhalb der Unterkünfte positiv zu unterstützen und die Integration der Asylbewerber in ihre neue Umgebung zu fördern.«

Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dekan Peter Betram, dankte allen Mitgliedern und Unterstützern und hob auch hervor, dass viele Aufgaben des Diakonischen Werks nur dank der Spenden von Firmen und Stiftungen möglich seien. »Ohne Unterstützung wäre diese Arbeit so nicht möglich. Es geht hier aber um Menschen, denen Lebensperspektive vermittelt werden soll«, erklärte der Dekan, warum die Aufgaben der einzelnen Bereiche so wichtig sind. mix