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Freimaurer-Loge »Zu den Drey Huegeln an der Traun« will mit Ausstellung den vielen Mythen Fakten entgegensetzen

»Wir sind diskret, aber nicht geheim«

Traunstein – Zahllose Mythen und Legenden ranken sich um die Freimaurer. Sie gipfeln daran, dass der »gefährliche Geheimbund« die Weltherrschaft an sich reißen will. Die Traunsteiner Loge »Zu den Drey Huegeln an der Traun« setzt den Verschwörungstheorien jetzt Fakten entgegen:

Englbert Rottenmoser ist Vorsitzender der Traunsteiner Loge »Zu den Drey Huegeln an der Traun«; bei den Freimaurern heißt es aber nicht Vorsitzender, sondern Meister vom Stuhl.

Zum Jubiläum »300 Jahre Freimaurerei« stellt sie eine Ausstellung auf die Beine. In der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus können Interessierte von Dienstag, 14., bis Sonntag, 19. März, alles rund um den Bund erfahren.

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Wenn sie sich treffen, bleiben sie unter sich. Für Außenstehende sind die Türen verschlossen. Freimaurer erkennen einander an geheimen Symbolen und Ritualen. Manche Mitglieder stehen offen dazu, einer Loge anzugehören, andere halten sich lieber bedeckt. Das bietet natürlich Raum für Spekulationen. »Gerade im Internet kursieren die wildesten Storys, Verschwörungstheorien und Fantastereien«, weiß Englbert Rottenmoser. Er ist der Vorsitzende der Traunsteiner Loge – der »Meister vom Stuhl«, wie es bei den Freimaurern heißt.

Das Symbol des »rauhen Steins«

Sein Ziel ist es, aufzuklären, denn: »Wir sind diskret, aber nicht geheim«, sagt er. Die Freimaurerei, so erklärt es Rottenmoser, verstehe sich als Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. »Wir verwenden das Symbol des 'rauhen Steins'«, erklärt der 70-Jährige. Der »rauhe Stein« steht für den Menschen, wie er ist, solange er nicht beginnt, an sich zu arbeiten. »Absolut verpönt« sei es aber, andere ändern oder verbessern zu wollen, führt der Traunsteiner aus. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

Bei ihren Treffen diskutieren und reflektieren die Freimaurer philosophische, gesellschaftliche und historische Themen. Es überrascht von daher nicht, dass viele freie Geister und Denker der vergangenen Jahrhunderte Freimaurer waren, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Winston Churchill und Henry Ford zum Beispiel. »Religion und Politik sind als Themen aber tabu«, erklärt der Meister vom Stuhl. Ziel ist es, die geistige Vervollkommnung auf einer überkonfessionellen und überparteilichen Ebene zu erreichen.

»Wir sind auch kein Psycho-Verein«, stellt Englbert Rottenmoser klar. Wer psychologische Hilfe brauche, der sei bei den Freimaurern falsch. Überhaupt, das räumt der pensionierte Oberst ein, sei es nicht ganz einfach, Mitglied einer Loge zu werden. Wer den Kontakt zur Traunsteiner Loge sucht – der Kontakt ist problemlos auf deren Internetseite zu finden –, der erhält eine Einladung zum nächsten Treffen. Nach dem ersten Kennenlernen nehmen sich die Mitglieder aber etwa ein Jahr lang Zeit, den »Bewerber« kennenzulernen, ehe sie entscheiden, ob sie ihn in ihre Mitte aufnehmen wollen. Das passiert bei der sogenannten »Kugelung«, eine geheime Abstimmung, bei der eine weiße Kugel für ein Ja steht und eine schwarze Kugel für ein Nein.

Freimaurer sind »freie Männer von guten Ruf« – »das galt damals wie heute«, erklärt Englbert Rottenmoser. Für Straftäter oder Extremisten sei bei dem Bund kein Platz. Weltweit gibt es geschätzt 2,6 Millionen Freimaurer, die meisten davon, nämlich rund eine Million, in den USA. Den deutschen Logen gehören rund 15 200 Freimaurern an. Die 1995 gegründete Traunsteiner Loge besteht aktuell aus 33 Mitgliedern. Sie sind zum Beispiel Schlosser, Elektromonteure, Kaufleute, Lehrer, Rechtsanwälte oder Ärzte. Das Durchschnittsalter liegt bei 56 Jahren.

 Gepflegte Gesprächskultur

Bei den mindestens einmal im Monat stattfindenden Treffen hält immer ein Mitglied einen Kurzvortrag, über den anschließend alle diskutieren. Themen in jüngster Zeit waren etwa »Was bedeutet der 'rauhe Stein' für mich?«, »Was für eine Bedeutung haben Tugenden in der heutigen Zeit?«, »Das glückliche Leben von Aristoteles und Platon« oder »Leibniz und seine Monadologie«.

Großen Wert legen die Freimaurer auf eine gepflegte Gesprächskultur. »Jeder darf ausreden, aber jeder hört auch wieder auf zu reden«, so formuliert es der Meister vom Stuhl. Mit einer »Diskussion auf Stammtischniveau« habe das nicht viel gemeinsam. »Wir diskutieren ernsthafter und intensiver«, erklärt der Traunsteiner. Wichtig sei, dass am Schluss auch verschiedene Meinungen nebeneinanderstehen dürfen. »Bei den Freimaurern gibt es keine Lehrmeinung«, macht Rottenmoser deutlich.

Obwohl es inzwischen auch Frauenlogen und »gemischte Logen« gibt, ist die Traunsteiner Loge ein reiner Männerclub. Freilich, zu Feiern bringen die Freimaurer auch mal ihre Partnerinnen mit, aber bei den eigentlichen Treffen sind sie unter sich. »Ich persönlich schätze das auch«, sagt Rottenmoser. »Unter Männern redet man anders«, stellt er fest. Und nicht nur das: »Manche Männer verfallen in ein Gockelgehabe, wenn Frauen dabei sind. Das fällt bei uns weg.«

Zur Mythenbildung beigetragen haben vor allem die Rituale, die die Freimaurer durchführen – und über die nach wie vor kaum bekannt ist, wie sie ablaufen. »Bei den Freimaurern gibt es drei Grade«, erklärt Rottenmoser, »den Lehrling, den Gesellen und den Meister.« Die Aufnahme eines Lehrlings, die Beförderung zum Gesellen und die Erhebung zum Meister laufen nach bestimmten Riten ab.

Da passiere kein Heckmeck, stellt Rottenmoser heraus. Aber es sei auch ein intensiveres Erleben für den, der das Ritual durchlaufe, wenn er es vorher nicht bis ins Detail kenne. Ein bisschen was verrät der Meister vom Stuhl aber dann doch. Zum Beispiel, dass dem Bewerber zu Beginn des Aufnahmerituals die Augen verbunden werden. Wenn ihm die Binde dann abgenommen wird, stehen die Brüder, im Ornat der Freimaurer gekleidet, um ihn herum. »Das ist ein emotionales Erlebnis, das die Gemeinschaft versinnbildlicht«, erzählt der 70-Jährige.

Schwarzer Anzug, weißer Schurz

Er macht auch kein Geheimnis aus dem Ornat der Freimaurer. Sie bestehe aus einem schwarzen Anzug, einem weißen Hemd, einer weißen Krawatte, weißen Handschuhen und einem blauen Halstuch, das mit dem Zeichen der Traunsteiner Loge versehen ist. Um ihren Bauch haben die Männer einen weißen Schurz gebunden.

»Bei unserer Ausstellung in der Alten Wache wird das Ornat auch ausgestellt sein«, erzählt Englbert Rottenmoser. Die Schau, die täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet ist, beleuchtet viele verschiedene Gesichtspunkte der Freimaurerei. Da geht es etwa um die Geschichte, an deren Anfang die mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften standen. Die Geburtsstunde der modernen Freimaurerei war 1717 mit der Gründung der Großloge in London. Die Freimaurerei heute, die Grade der Freimaurerei und die Loge »Zu den Drey Huegeln an der Traun« sind weitere Aspekte der Ausstellung.

Für die Ausstellungseröffnung ist außerdem eine Spendenübergabe von 5000 Euro an die Bürgerhilfsstelle des Landkreises Traunstein und an den Traunsteiner Verein »Die im Dunkeln sieht man nicht« geplant. Immer wieder würde die Traunsteiner Loge Bedürftige unterstützten, erzählt Englbert Rottenmoser. »Wir hängen das aber nicht an die große Glocke.« Und die Wohltätigkeit sei ja auch, anders als beispielsweise bei den Rotariern, kein erklärtes Vereinsziel. »Aber wir wollen eine bessere Welt bauen«, fasst der Meister vom Stuhl zusammen. san