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»Wir schauen ganz genau hin«

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Es war beklemmend, zu beobachten, wie geschickt und manipulativ Loverboy Cem die 15-jährige Caro zunächst umgarnt – und sie dann misshandelt und zur Prostitution zwingt.


4,42 Millionen Zuschauer sahen am Mittwochabend das auf wahren Tatsachen beruhende TV-Drama »Ich gehöre ihm« – so auch eine Leserin des Traunsteiner Tagblatts, die wissen wollte, ob es solche Fälle auch in der Region gibt. Wir fragten beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd nach.

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Loverboys spielen jungen Mädchen die große Liebe vor. Sie manipulieren die Jugendlichen, bis sie bereit sind, für sie anschaffen zu gehen. Nicht nur in Deutschlands Großstädten, sondern auch auf dem Land, wurden in den vergangenen Jahren immer mehr solcher Fälle bekannt. Die Ermittlungen gestalten sich in der Regel äußerst schwierig und die Dunkelziffer ist hoch.

»Das Problem ist, dass diese Geschichten oft im Dunklen liegen«, sagt auch Anton Huber, einer der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. »Wir brauchen Mädchen, die sich offenbaren.« Und das ist – wie auch in dem TV-Drama und der anschließenden Dokumentation »Verliebt, verführt, verkauft« deutlich wurde – das große Problem.

Die Mädchen sind so abhängig von ihren Loverboys, dass sie sich nur selten gegen sie auflehnen oder gegen sie aussagen. Denn die charmanten und attraktiven Männer wählen ganz bewusst Mädchen aus, die weniger hübsch und selbstbewusst sind. Sie umgarnen sie, machen sie zu ihrer Prinzessin – und schicken sie dann auf den Strich, um mit ihnen Geld zu verdienen.

»Wir überprüfen zum Beispiel regelmäßig die Rotlichtszene in Rosenheim. Uns ist bislang kein Fall bekannt geworden«, sagt Anton Huber. »Und wenn Frauen besonders jung aussehen, dann schauen wir ganz genau hin«, betont er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

Denn Loverboys haben es besonders auf junge Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren abgesehen. Sie sind meistens in einer schwierigen Phase, wollen sich von den Eltern abgrenzen und sind dadurch leicht zu manipulieren. KR

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