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»Wir müssen die Beratung wieder mehr vom Landwirt aus denken«

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Traunstein: Leitender Forstdirektor Alfons Leitenbacher im Interview über Änderungen in Bayerns Landwirtschaftsverwaltung
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Alfons Leitenbacher.

Mit neuen Strukturen soll Bayerns Landwirtschaftsverwaltung moderner und effizienter werden, um auf die großen Herausforderungen der Zukunft wie Klimawandel, Tierwohl, Ressourcenschutz, Biodiversität, Digitalisierung besser und schneller reagieren zu können. Was sich für die Bauern hier ändert, beantwortet Leitender Forstdirektor Alfons Leitenbacher.


Was wird künftig in der landwirtschaftlichen Beratung anders werden?

Die Beratung rückt wieder näher an den Landwirt heran. Dazu werden die derzeit bayernweit 85 Beratungsfachzentren aufgelöst. Das betrifft leider auch unser Fachzentrum für die Rinderhaltung. Aber dafür wird im Gegenzug die Beratungskompetenz und -kapazität an jedem Amt gestärkt!

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Und die Beratungsphilosophie wird sich ändern. In Zukunft soll bei der Beratung wieder der einzelne landwirtschaftliche Betrieb in seiner Gesamtheit betrachtet werden und das örtliche Amt soll wieder der Ansprechpartner für die Landwirte in seinem Zuständigkeitsbereich sein. Wir müssen die Beratung wieder mehr vom Landwirt aus denken und ihm für die komplexer werdenden Herausforderungen abgewogene praxistaugliche Lösungen anbieten, die ihm helfen, erfolgreich nachhaltig zu wirtschaften und das Vertrauen der kritischer werdenden Öffentlichkeit nicht zu verspielen.

Wie werden die Landwirte auf diese Kurskorrektur reagieren?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Bauern die Stärkung der Beratung vor Ort begrüßen werden. Ein Landwirt, der ohnehin immer sehr viel um die Ohren hat, hat an einem »Buchbinder-Wanninger-System« wenig Freude. Er möchte von »seinem« Amt und möglichst noch von einem Berater ausreichende Hilfe erhalten.

Wie will das Amt diese neue Aufgabe der umfassenden Beratung umsetzen?

Wir werden die am Amt vorhandenen fachlichen Spezialkompetenzen inhaltlich und organisatorisch vernetzen, um für praxisrelevante Fragestellungen möglichst optimale und realisierbare Lösungen zu erarbeiten. Und dies immer im Spannungsfeld zwischen technisch maximal möglicher Produktion und den Auswirkungen auf Natur und Umwelt.

Aber selbstverständlich wird die Umsetzung der Neuausrichtung einige Zeit in Anspruch nehmen und intensive Führungsarbeit erfordern. Ein gutes Hilfsmittel dürfte auch sein, für abgrenzbare Fragestellungen modellhafte Konzepte ähnlich wie für die »differenzierte Grünlandnutzung« zu erstellen, die dann situationsbezogen an die konkreten Verhältnisse des einzelnen Betriebes angepasst werden.

Sie stehen der Reform positiv gegenüber?

Aus Sicht des AELF Traunstein sind die vorgesehenen Veränderungen nachvollziehbar und gehen absolut in die richtige Richtung! Unser Amt und die Schulen bleiben selbstständig und unverändert erhalten. Die Auflösung des Fachzentrums Rinderhaltung wird durch die Stärkung des Bereichs Beratung personell und vor allem auch inhaltlich insgesamt kompensiert.

Noch mehr: Das AELF Traunstein wird künftig eine dritte Abteilung erhalten, die für halb Oberbayern für alle Förder- und Fachrechtskontrollen zuständig sein wird. Unser Amt rückt mit dieser Reform wieder näher an die Landwirte, aber auch an die Gesellschaft heran. Das wird unseren Landwirten und unserer Heimat guttun!

Viele traditionelle Höfe stabil im Nebenerwerb

Vor allem die Zahl der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) von derzeit 47 auf 32 soll verringert werden. Das AELF Traunstein bleibt in seiner äußeren Struktur erhalten und ist damit weiterhin zuständig für die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein. Auch die Landwirtschaftsschule in Traunstein und die beiden Hauswirtschaftsschulen in Traunstein und Laufen bleiben unangetastet. Im Forstbereich ändert die Reform ohnehin nichts.

Mit rund 97.000 Hektar Wald und gut 82.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche war das AELF Traunstein schon bisher eines der flächenmäßig größten, von der Zahl der aktiven Bauern her war es mit zuletzt 3871 Betrieben sogar immer an erster Stelle in Bayern. In diesem inoffiziellen Ranking fällt das AELF Traunstein auf Platz sieben zurück. Ein kleiner »Schönheitsfehler«, den man verkraften könne, so Amtsleiter Alfons Leitenbacher. Denn man habe noch immer viele Bauern, vor allem auch überproportional viele, die ihren Hof traditionell stabil im Nebenerwerb bewirtschaften. Der »Strukturwandel« verlaufe hier langsamer als in anderen Landesteilen.

Dazu trägt nach Leitenbachers Ansicht auch bei, dass Bildung am AELF Traunstein großgeschrieben werde. Manche Formate, wie zum Beispiel die landwirtschaftliche Ausbildung im Rahmen der »Südostbayerischen Landwirtschafts- und Almakademie« sind Jahre im Voraus ausgebucht. Dort können jährlich dreißig junge Landwirte, die aus persönlichen oder betrieblichen Gründen einen anderen Erstberuf erlernt haben, die landwirtschaftliche Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg machen. Dass nun all dies in Traunstein nahtlos weitergeht, freut Leitenbacher sehr. Noch mehr aber freut es ihn, dass mit dieser Reform die Beratung für die Landwirte neu ausgerichtet wird.

Monika Konnert

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