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»Wir möchten damit das Wirgefühl in der Stadt stärken«

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Einen temperamentvollen Auftritt legte die Tanzgruppe »Riddim Cubes« von der Traunreuter Tanzschule »HeardBeat« bei der Kulturnacht hin. (Foto: Rasch)

Traunreut – «Was tun, wenn´s regnet? Regnen lassen!«. – Mit diesem Spruch hatte sich ein Besucher bei der offiziellen Eröffnung der ersten Traunreuter Kulturnacht ins Gästebuch eingetragen. Dass es aber ausgerechnet nach wochenlangem Traumherbstwetter bei der Premiere der ARGE-Kulturnacht unaufhörlich schüttete, dürfte wohl trotzdem der Grund für den durchwachsenen Besuch des nächtlichen Einkaufserlebnisses, verbunden mit einem vielfältigen Kulturprogramm, gewesen sein.


Beeindruckt war die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber vom Maximum. »Ich bin heute zum ersten Mal im Museum und möchte der Stadt zu der Einrichtung, aber auch zur ersten Kulturnacht ganz herzlich gratulieren«, sagte sie. »Ich komme gerne wieder.« In zwei Hallen präsentierte DASMAXIMUM eines der ersten Hauptwerke des weltweit wohl bedeutendsten Lichtkünstlers Dan Flavin (1933 bis 1996).

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Auch die Besucher schwangen das Tanzbein

Nicht unweit vom Museum entfernt präsentierte im Mediamarkt das Duo »Timless Acoustic« zwischen DVD-Neuheiten und Hi-Fi-Anlagen Gassenhauer. Die beiden Musiker aus Trostberg und Mühldorf, Otto Hopfensberger und Jeff Basset, spielten Songs von Eric Clapton, den »Stones« und von anderen Größen der Musikszene aus den 60- und 80er Jahren.

Im Gegenüberliegenden Möbelhaus Jobst präsentierten sich mit viel Schwung und Temperament Tanzgruppen der Traunreuter Tanzschule »HardBeat«, darunter auch die amtierenden Hip-Hop-Europameister und die Salsa-Rueda-Gruppe. Die freie Fläche im Eingangsbereich eignete sich als hervorragendes Tanzparkett für die Besucher, die bei Salsa- und Samba-Musik ganz spontan das Tanzbein schwangen. Wer noch weiter abtanzen wollte, konnte dies bei einer »After Party« im Tanzstudio tun.

Eine große Menschentraube scharrte sich im Cityhaus um den Sängerchor Traunreut. Die Lieder aus allen Herrenländern und die solistischen Klaviereinlagen waren ganz nach dem Geschmack des Publikums. Es gab viel Applaus.

Mit Musik aus aller Welt begeisterte auch das »Weltmusik-Ensemble« der Sing- und Musikschule Traunwalchen in der Traunpassage. Die jungen Musiker aus Traunwalchen und Nußdorf, unterstützt von Musikschulleiter Josef Maier und der Ensembleleiterin Sigrid-Gerlach-Waltenberger, entführten die Zuhörer mit Klarinette, Akkordeon, Gitarre und Bass nach Russland, Israel oder Lateinamerika.

Nebenan waren die bildenden Nachwuchskünstler am Werk. Angeleitet von den Traunreuter Malerinnen Lotte Deutschmann und Mariana Hönegesz, präsentierten die Kinder stolz ihre Acrylkunstwerke. Sehr gut angenommen wurde auch eine weitere »Malstube« für die Jüngsten. Auch im Hagebaumarkt war die bildende Kunst zu Gast. Hier stellte der Traunsteiner Maler Walter Niederberger eine Reihe seiner Arbeiten aus. Niederberger, der ausschließlich für soziale Zwecke malt, spendete den Erlös seiner Bilder während der ARGE-Kulturnacht der Jugendsiedlung Traunreut. Beeindruckend war auch der besinnliche Ausklang der langen Einkaufsnacht mit Orgelmusik bei Kerzenschein in der katholischen Pfarrkirche. Organist Franz Mitterreiter spielte ausgesuchte Stücke von Händel und Bach und glänzte mit freien Orgelimprovisationen. »Das war ein echtes Highlight«, fanden die vielen Besucher.

Im k1 steppte der Bär

Für über 500 Besucher war aber der Abend noch lange nicht zu Ende. Zu diesem Zeitpunkt steppte im k1 der Bär beim Auftritt der Band »I am from Austria.« Die Mitglieder der STS-Coverband »Auf-A-Wort« spielten eines ihrer besten Konzerte und bauten dabei ihren Sound mit der hervorragenden Sängerin Steffi Wimmer und dem genialen Saxofonisten Michael Peyer weiter aus. »Das war ein Highlight der Kulturnacht«, schwärmte der ARGE-Vorsitzende Wilhelm Schneider.

Dass die erste Kulturnacht mit heißer Nadel gestrickt war, war den Organisatoren durchaus bewusst. Die ARGE hat mit dieser Veranstaltung völliges Neuland betreten und damit Pionierarbeit geleistet, die nach Aussagen von Managerin Claudia Siemers weiter ausgebaut werden soll. Erste Bilanz-Gespräche mit den Geschäften hätten ergeben, dass für das erste Mal alle zufrieden gewesen seien und die lange Einkaufsnacht/Kulturnacht auf jeden Fall eine Fortführung finden sollte.

Die Umsatzbilanz der Geschäfte fiel unterschiedlich aus: Während Christian Gerer vom Cityhaus von einem guten Umsatz sprach, meinte Gerhard Jobst vom gleichnamigen Möbelhaus: »Der Umsatz ist an einem solchen Abend nicht das Wichtigste, sondern die Kontakte«. Einige Geschäfte äußerten auch, dass sie im Laufe des Abends Personal nach Hause geschickt hätten. »Leider ist nicht das eingetreten, was wir erwartet haben«, sagte Ingrid Wawersig vom Schreibwarengeschäft Kaut Bullinger in der Traunpassage. Die langjährige Geschäftsführerin des Schreibwarengeschäftes trauert dem vierten verkaufsoffenen Sonntag am sogenannten Totensonntag nach, der wie, berichtet, vom Stadtrat auf Wunsch der evangelischen Kirchengemeinde gekanzelt worden war.

Nachtverkaufstag »ein Knüller«

Bürgermeister und Schirmherr Klaus Ritter bezeichnete es bei der Eröffnung als einen »Knüller«, dass es der ARGE gelungen sei, als Ersatz für den »abgestürzten« vierten verkaufsoffenen Sonntag einen Nachtverkaufstag zu organisieren. Er lobte auch die Zusammenarbeit der Betriebe, Institutionen und Vereine, die sich in der Kulturnacht mit eingebracht hätten. In den Augen des ARGE-Vorsitzenden Wilhelm Schneider soll die Veranstaltung dazu beitragen, dass Geschäfte und die Kultur gemeinsam an einem Strang ziehen. »Wir möchten damit das Wirgefühl in der Stadt stärken«, betonte Schneider. Die Geschäfte seien top motiviert gewesen. Dass es immer wieder was zu verbessern und zu intensivieren gebe, verstehe sich von selbst und daran soll auch angeknüpft werden. ga