weather-image
26°

»Wir holen uns das Know-how von den Bürgern«

5.0
5.0

Marquartstein. Um eine Diskussionsgrundlage für die im Wahlkampf versprochene verstärkte Bürgerbeteiligung in Marquartstein zu bekommen, informierte Ernst Weidel, langjähriger Gemeinderat der Gemeinde Weyarn, den Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung unter anderem über das »Weyarner Modell«.


Weidel erklärte ausführlich, wie die Gemeinde Weyarn auf Betreiben der unabhängigen Wählergemeinschaft »Goldenes Tal« seit 1990 ein funktionierendes Netz von Arbeitskreisen aufgebaut hat. Wichtig sei es »die Bürger ernst zu nehmen«, betonte Weidel, »wir holen uns das Know-how von den Bürgern«. Das Hauptproblem der Gemeinde an der Autobahn habe darin bestanden, dass in dem weitläufigen Ort nur 30 Kilometer vor München die Grundstückspreise ins Unermessliche gestiegen seien. Anfangs fanden sich in einer »Bürgerwerkstatt« viele interessierte Bürger zusammen, die selbst die Themen benannten, wo sie sich engagieren wollten. Es bildete sich zum Beispiel ein Arbeitskreis (AK) Geschichte, der immer die meisten Mitglieder habe, oder ein AK Dorfmitte. Ein anderer AK kümmerte sich zum Beispiel um die alten, vielerorts in Weyarn vorhandenen Pestsäulen und Marterl, die bis heute alle renoviert worden seien. Wieder ein anderer Arbeitskreis habe sich um den Neubau der Schule gekümmert, wobei natürlich auch der Architekt bereit sein musste, mit den Bürgern zusammenzuarbeiten, sagte Weidel. Klar definiertes Ziel in Weyarn war es, eine ländliche Gemeinde zu bleiben trotz der Nähe zu München. Heute gebe es zum Beispiel einen Senioren- und Jugendbeauftragten, einen Gebäude- und Straßenreferenten oder einen Breitbandpaten. Alle Sitzungen der Arbeitskreise sind öffentlich, jeder kann kommen. Anschließend wird zeitnah ein Protokoll der jeweiligen Sitzungen veröffentlicht. Als Ansprechpartner gibt es eine Koordinationsstelle im Rathaus.

Anzeige

Neben der Koordinationsstelle gibt es ein Steuerungsgremium in Weyarn, bestehend aus Gemeinderäten und Vertretern der Arbeitskreise, das in einer eigenen Bürgerversammlung gewählt wird und die Aufgabe hat, die Themen und Bildung von AKs gleichsam »vorzufiltern«. 2008 sei eine entsprechende Satzung in der Gemeinde beschlossen worden, die nur durch eine Zweidrittelmehrheit vom Gemeinderat wieder geändert werden kann.

Auf die Frage der Marquartsteiner Gemeinderäte nach der genaueren Vorgehensweise erklärte Weidel, dass sich die Arbeitskreise zusammen mit dem Gemeinderat eine Prioritätenliste setzen. Für ihre Vorhaben wird ihnen im Haushalt jeweils auch ein kleines Budget zugebilligt. Um auch Kinder bereits frühzeitig an eine demokratische Gemeinde heranzuführen, gibt es in Weyarn einmal im Jahr auch eine Bürgerversammlung für Kinder, informierte Weidel. gi