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»Wir haben zusammen den Rosenkranz gebetet«

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Das Landgericht Traunstein hat sich gestern ein weiteres Mal mit den Pfarrhaus-Räubern von Böbing und Tuntenhausen beschäftigt. Die Eggenfeldener, 25 und 26 Jahre alt, sind angeklagt wegen schweren Raubes. Am dritten Verhandlungstag sagten der frühere Pfarrer der Wies-Kirche und seine Haushälterin aus.


37 Jahre lang war der 75-Jährige Pfarrer der Wies-Kirche. Fünf Wochen nach seinem Umzug nach Böbing durchlebte er mit seiner 51-jährigen Haushälterin Todesangst: Zwei bewaffnete Männer rissen sie am 20. Juli 2012 aus dem Schlaf, fesselten, knebelten und beraubten sie.

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Der 75-Jährige war gegen 3 Uhr durch Krach wach: »Ich sah zwei dunkle Gestalten mit Taschenlampe und Pistolen in den Händen. Ich sprang auf und schrie: 'Hilfe, Überfall'.« Die Unbekannten riefen mehrmals: »Geld, Tresor.« Dann holten sie die Haushälterin dazu. Die 51-Jährige fühlte sich dort »wie in der Folterkammer«. Beide Opfer wurden brutal mit aus der Wand gerissenen Telefonkabeln gefesselt. Der Pfarrer berichtete von Herz- und Atembeschwerden. Die noch immer schwerst traumatisierte 51-Jährige sagte, der Geistliche sei »wie ein Stück Vieh« an die Heizung angebunden gewesen. Die Täter stießen nur Wortfetzen wie »Fresse halten« aus, erpressten die EC-Karte der Haushälterin samt Nummer. Der Prälat gab an, keine Karte zu haben. Die Täter fanden einige 100 Euro Bargeld, ließen aber nicht locker. »Da hat einer die Frechheit gehabt, aus dem Auto in der Garage die Karten zu holen.« Neben einer EC-Card einer Pfarrerprivatbank fielen den Tätern weitere Karten in die Hände mit Geheimnummern auf Zetteln. Gegen 4 Uhr verschwanden sie, um mehrere tausend Euro abzuheben. Sie ließen die Opfer gefesselt. Der Prälat: »Wir haben zu beten angefangen, haben den Rosenkranz gebetet. Ich hab Gott und die Welt um Hilfe angerufen.« Dem Geistlichen gelang es schließlich, sich zu befreien. Er habe immer noch »Nachwehen«. .

Der siebentägige Prozess am Landgericht wird am 16. und 25. April sowie am 13. und 31. Mai fortgesetzt. kd