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»Wir haben einfach aufs falsche Pferd gesetzt«

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In einer tollen Gemeinschaftsaktion kauften 47 Sponsoren aus dem Landkreis Traunstein Werbeflächen, mit denen dieses Auto für das Mütterzentrum Traunstein finanziert werden hätte sollen. Doch die Werbefirma meldete Insolvenz an, das Auto wurde von der Bank eingezogen, das Geld der Sponsoren ist auch weitgehend weg.

Traunstein. Es ist noch gar nicht einmal ein Jahr her, da berichtete das Traunsteiner Tagblatt über das Auto des Mütterzentrums Traunstein. Es war von 47 Sponsoren aus dem gesamten Landkreis Traunstein über Werbung am Auto finanziert worden, und diente dem Transport gekochter Mittagessen vom Mütterzentrum zum Kindergarten Heilig Kreuz und den Grundschulen in Traunstein und Haslach. Doch wenige Monate, nachdem das Auto feierlich übergeben worden war, musste das Mütterzentrum es zurückgeben an den örtlichen Fahrzeughändler.


Soziales Sponsoring sollte Fahrzeug finanzieren

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»Wir haben da ganz offensichtlich aufs falsche Pferd gesetzt«, sagt Elke Kummetz, die sich maßgeblich um die Beschaffung des Autos gekümmert hatte. Kochte das Mütterzentrum anfangs nur für die Kinder in der eigenen Krippe, so stieg die Nachfrage stetig, bis man bei 115 bis 120 Mahlzeiten pro Tag angelangt war. »Für mehr ist die Küche auch zu klein. Das können wir erst machen, wenn die neue Küche an der Vonfichtstraße fertig ist.« Ein Grund für die Nachfrage sind sicher die sozialen Tarife: »Wir sind ja eine gemeinnützige Einrichtung und arbeiten nicht gewinnbringend.«

Weil mit der wachsenden Nachfrage immer mehr Essen auszufahren waren, kam Elke Kummetz auf die Idee des sozialen Sponsorings. Die ist nicht neu, es gibt einige Vereine und soziale Einrichtungen, die sich ein Fahrzeug auf diese Weise finanzieren lassen.

Das Prinzip ist einfach: Eine Werbefirma schließt Verträge mit Gewerbetreibenden, die gegen einen bestimmten Betrag eine Werbefläche auf dem Auto erhalten. Der Betrag, der nach dem Kauf des Autos übrig bleibt, gehört der Werbefirma als Provision.

Klappt alles wie geplant, haben alle Seiten etwas von der Aktion: Die soziale Einrichtung bekommt ein kostenloses Auto, die Gewerbetreibenden eine rollende Werbung und die Werbefirma meist erkleckliche Einnahmen.

Am 18. April 2013 holte Elke Kummetz das Auto in Heilbronn ab. Für fünf Jahre war das Mütterzentrum verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass die Aufkleber der Firmen immer gut lesbar sind. Bei der offiziellen Einweihungsfeier am 7. Juni im Beisein der Sponsoren hatte es immer noch das Heilbronner Kennzeichen drauf. Das wollte Elke Kummetz in Ordnung bringen und es auf Traunstein ummelden. Daher forderte sie von der Sponsoring-Firma den Fahrzeugbrief an. »Die haben da gar nicht drauf reagiert. Das hat mich schon stutzig gemacht.« Was Kummetz da noch nicht wusste: Zu dem Zeitpunkt, als ihr am Telefon zugesagt wurde, dass auch ein Vertreter der Werbefirma bei der Einweihungsfeier dabei sein würde, hatte die Firma bereits Insolvenz angemeldet – das Verfahren wurde aber mangels Masse nie eröffnet. »Das Auto hatten sie auch nicht gekauft, wie es uns versprochen war, sondern nur angezahlt und geleast.« Als die vereinbarten Raten ausblieben, forderte die Bank das Auto zurück.

Kummetz verhandelte mit der Bank, ob nicht das Mütterzentrum das Auto selbst kaufen könnte, »aber der genannte Preis war viel zu teuer, und so mussten wir das Auto Ende November abgeben. Allerdings hatte die Bank die Bereitschaft zu weiteren Verhandlungen signalisiert.« Als Kummetz sich gleich nach Weihnachten beim örtlichen Händler meldete, sagte der, das Fahrzeug habe die Bank von einem Restwertverkäufer abholen lassen.

Werbefirma will weiter Geld eintreiben

Doch nicht nur das. Einige Sponsoren, die mit der Werbefirma Ratenverträge vereinbart hatten, seien inzwischen von einem Inkasso-Büro angeschrieben worden mit der Forderung, die restlichen Raten zu begleichen. »Aber die Werbefirma hat doch ihren Vertrag gar nicht eingehalten«, sagt Kummetz. »Zum Glück haben wir zu den meisten unserer Sponsoren nach wie vor ein gutes Verhältnis«. So gut, dass einer der Sponsoren ihr sogar einen Anwalt vermittelt hat. Trotz dessen telefonischer Zusage der Bank, dass vor einer Restverwertung zunächst er zu kontaktieren sei, wurde das Fahrzeug ohne Rücksprache verwertet und ist weg – wie auch das Geld der Sponsoren, soweit es bereits gezahlt war.

»Unser Problem ist, dass wir dringend ein Auto brauchen, um das Essen auszufahren.« Derzeit nutzten die Mitarbeiterinnen ihre Privatfahrzeuge, »aber das ist natürlich keine Dauerlösung. Wir überlegen derzeit, ob wir nicht selbst noch einmal so eine Sponsoring-Aktion starten sollen.« coho