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»Wir haben eine Identität und ein Lebensgefühl«

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Tausende Besucher feierten in Laufen und Oberndorf ein rauschendes Fest zum Gedenken an 200 Jahre der Trennung der beiden Städte.

Laufen – 200 Jahre ist es her, dass der Rupertiwinkel bayerisch wurde. Mit einem eindrucksvollen Festakt vor der Sankt-Nikolaus-Kirche in Oberndorf und einem riesigen Marktfest beiderseits der Salzach gedachten die Menschen dieses Ereignisses. Städte und Gemeinden von drent und herent präsentierten sich vorwiegend historisch, es gab Musikdarbietungen aller Art, die Geschäfte in der Altstadt hatten geöffnet. Tausende strömten in die beiden Salzachstädte.


»Der Flachgau und der Rupertiwinkel sind immer noch als Einheit existent«, war Oberndorfs Bürgermeister Peter Schröder überzeugt, man habe eine Identität und ein Lebensgefühl – »und eine Geschichte, die uns verbindet.« Tausend Jahre gehörte der heutige Rupertiwinkel zu Salzburg, ehe Napoleon die Landkarte Europas veränderte. Am 1. Mai 1816 wurden Salzach und Saalach zur »nassen Grenze«.

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Zwischen 1803 und 1816 wechselte Herrschaft fünfmal

Hofrat Reinhold Mayer schilderte eindringlich diese Jahre. Allein zwischen 1803 und 1816 wechselte die Herrschaft fünfmal. Es herrschte Krieg, Not und Elend. Das Land war verarmt. 1816 war das »Jahr ohne Sommer«.

»Keine Stadt an Salzach und Inn traf diese territoriale Neuordnung härter als Laufen«, erinnerte Bürgermeister Hans Feil, gingen doch damit die bevölkerungsreichsten Vororte Oberndorf und Altach verloren. Doch inzwischen »kommt zusammen, was zusammen gehört«, hatte Schröder zuvor bei der Umbenennung des Bahnhalte-Punktes Oberndorf-Stadt in Oberndorf-Laufen gesagt.

»Eine Zusammenarbeit über Ländergrenzen ist nicht nur möglich, sie macht uns noch stärker«, ergänzte Feil vor der Oberndorfer Kirche. Zu den Ehrengästen gehörten die stellvertretende Bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner und die Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Astrid Rössler. Gekommen waren auch die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, zahlreiche Bürgermeister und der Berchtesgadener Landrat Georg Grabner.

Aus heutiger Sicht sei die Geschichte gut ausgegangen, meinte Rössler, in der Region lebe man in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Es gelte freilich, nicht nur staatliche Grenzen zu überwinden, sondern auch Ideologien, Ressentiments abzubauen und »am Verbindenden zu arbeiten«.

»Wir Europäer sind Brückenbauer«, sagte Ilse Aigner. Sie machte aus ihrer Enttäuschung über den »Brexit« kein Hehl. Der Schaden für alle sei groß. Hier jedoch, beiderseits der wunderschönen Jugendstilbrücke erlebe man »Einigung hautnah« aus der historischen Erfahrung heraus, dass es auch ganz anders sein könnte.

Kirchenchöre und Pfarrer von beiden Seiten gemeinsam

Gemeinsam gestaltet hatten den Festgottesdienst in der Kirche St. Nikolaus die Kirchenchöre aus Laufen und Oberndorf, zelebriert die Pfarrer Simon Eibl aus Laufen und Nikolaus Erber aus Oberdorf. »Von einer Traurigkeit merkst nix«, heißt es im »Laufener Lied« von Sepp Weigl. Auch nach der Trennung »san de Menschn doch dieselbn bliebn. Verbunden durch die Gschicht schaun sich rotweißrot und weißblau wieder ins Gsicht«, sang der Laufener »Grenzlandler-Gsang«. Mit der Europahymne hatte der Festakt begonnen, er endete mit der Bayern- und der Salzburger Landeshymne. Die Ehrengäste trugen sich ins Goldene Buch ein, ehe sie mit Musikkapellen und den Vereinen über die Länderbrücke marschierten.

Handwerker und Vereine präsentierten sich, an Kulinarischem herrschte eine Riesenauswahl. Vor dem Rathaus prägte eine Münzerei Gedenktaler, gegenüber bewirtete die Stadtverwaltung die Gäste mit 1816-er Bier und 1816-er Wurst. Die französische Partnerstadt Brioude bot Käsespezialitäten, am Marienplatz kredenzten Freunde aus Leobendorf im Weinviertel ihre Spezialitäten.

Bilder, Musik, historische Kegelbahn und mehr

Der Malkreis Fridolfing hatte 20 Bilder zum Thema 1816 gemalt. Musikalisch war fast alles geboten: Vom Sänger über die Stubenmusi bis zur Bigband. Die Tenglinger Stockschützen hatten eine 23 Meter lange historische Kegelbahn aufgebaut, die Rothler Trachtler fertigten Goaßln. Aus Wonneberg war eine Kunstschlosserei aufgebaut mit brennender Esse und tonnenschwerem Federhammer.

Bei Laufens Kulturamtsleiter Stefan Feiler liefen die Fäden der »pyramidenförmigen Organisationsstruktur« zusammen. Er konnte auf die Erfahrungen aus dem unvergesslichen Fest 200 Jahre Rupertiwinkel im Jahr 2010 zurückgreifen. Damals drängten sich rund 20 000 Besucher in Laufens Altstadt. Diesmal waren zusätzlich die bereits genannten bayerischen und neun Gemeinden des nördlichen Flachgaus beteiligt, und die Gästezahl damit sicher noch um einiges höher. »So etwas sollte man öfter machen«, war am Ende mehrfach zu hören. höf